„Meine Herren! Ich bin von verſchiedenen Seiten in wohlwollen— Weiſe dahin beraten worden, ich möge in der Sache des Lehrerinnen⸗ ſeminars Zeit und Mühe ſparen und dieſen Teil unſerer Vorlage als ausſichtslos fallen laſſen. Das wäre für Sie und ganz gewiß auch für mich das Bequemſte. Wir würden dann über Kap. 40 nicht viel Worte zu verlieren haben und kämen raſch weiter, und das wäre auch ſchon etwas wert. Aber, meine Herren, ich folge dem bequemen Nat nicht, ich bin vielmehr entſchloſſen, mit allem Nachdruck für unſere Vorlage einzutreten und zwar deshalb, weil ich ſie trotz dem gegenwärtigen äußeren Anſchein für vollkommen ausſichtsvoll halte, weil ſie ſich ohne beſondere Kunſt und Geſchicklichkeit mit den beſten und einleuchtendſten Gründen von der Welt vertreten läßt und ganz beſonders, weil die Kammer ja bekanntlich immer in der erfreulichſten Weiſe vernünftigen Gründen zugänglich iſt. Und hauptſächlich darauf baue ich meinen Plan. Sie dürfen allerdings nachher meine vorteilhafte Anſicht nicht durch falſche Abſtimmung desavouieren!“ Beſonders der Schluß dieſer Ein⸗ leitung, die man wohl mit Recht als eine vortreffliche captatio bene⸗ volentiae bezeichnen darf, rief nach dem amtlichen Bericht„Heiterkeit“, nach der Mitteilung eines uns bekannten Abgeordneten ſogar„ſtürmiſche Heiterkeit“ auf allen Bänken des Hauſes hervor. Das Eis war ge⸗ brochen, die Stimmung der Abgeordneten vorzüglich.
Seine Beweisführung beginnt er mit dem Hinweis auf den Art. 36 des Schulgeſetzes, der Regierung und Kammer zur Errichtung von min⸗ deſtens einem Lehrerinnenſeminar verpflichtet. Wenn der Regierung ein Vorwurf gemacht werden dürfe, ſo ſei es der, die Vorlage ſo verſpätet eingebracht zu haben, denn es ſeien nun 500 ungeteilte Mädchenſchul⸗ klaſſen vorhanden, für die der Bedarf an Lehrerinnen nur zum ganz kleinen Teil durch das Seminar an der Victoriaſchule gedeckt werden könne, eine private Vorbildung aber ſei völlig unzureichend und un⸗ genügend. Die ſeeliſchen Nöte dieſer unglücklichen Examinandinnen ſchildert er dann in draſtiſcher Weiſe mit beweglichen Worten und meint, er könne an die trüben Stunden dieſer Prüfungen nicht ohne tiefe Beſchämung zurückdenken, da nicht die armen Prüflinge, ſondern Regierung und Kammer die Schuld an den traurigen Ergeb⸗ niſſen treffe. Die Vorlage habe übrigens inſofern auch die Zuſtimmung des geſamten Finanzausſchuſſes ſchon gefunden, als dieſer die hohe pädagogiſche und ernſte ſozialpolitiſche Seite voll und ganz gewürdigt und anerkannt habe; denn die Vorlage wolle auch Mädchen, die ſich nicht verheiraten, eine geeignete Berufsmöglichkeit verſchaffen.—
Die Befürchtung der Lehrer vor dem unlauteren Wettbewerb der Lehrerinnen zerſtreute er durch die beſtimmte Erklärung, daß die Re⸗ gierung keineswegs daran denke, die Lehrer aus den reinen Mädchen⸗ klaſſen zu entfernen oder die Lehrerinnen nur in ganz großen Schul⸗ betrieben zu verwenden. Ihre Anklagen, die Lehrerinnen leiſteten wenig, weiſt er zurück mit dem Hinweis auf die Verhältniſſe vor 100 Jahren, wo die nicht im Seminar ausgebildeten Lehrer im Verhältnis zu den Lehrerinnen von heute bedeutend weniger geleiſtet hätten. Bei der heu⸗ tigen Einſchätzung der Frau im allgemeinen und ihrer Begabung für die Erziehung im beſonderen ſei es geradezu eine Schmach und eine Schande, daß noch keine ſtaatliche Lehrerinnenbildungsanſtalt beſtehe.
Durch ein etwas gar draſtiſches, aber vorzüglich gewähltes Bei⸗ ſpiel beweiſt er klipp und klar, daß es auf einem ſchweren logiſchen Fehler beruhe, wenn der Finanzausſchuß einen inneren Zuſammenhang
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