Aufsatz 
Geschichte des Seminars für Volksschullehrerinnen zu Darmstadt : (1902-1926) / [Verf. Oberstudiendirektor Dr. Jacobi]
Entstehung
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Schulgeſetzes gegeben hatten, ſo durfte die Regierung bei der Dringlich⸗ keit der Forderung annehmen, daß die Landſtände der Ausführung keinen ernſthaften Widerſtand entgegenſetzen würden.

Die von dem egierungsvertreter, Miniſterialrat Dr. Eiſenhuth, vorgetragene Begründung wurde von dem Finanzausſchuß zwar voll und ganz als richtig anerkannt, trotzdem war nur eine kleine Minorität für, die Majorität gegen die Vorlage. Seinen ablehnenden Beſchluß begründete der Finanzausſchuß folgendermaßen:Die Errichtung des Lehrerinnenſeminars und die damit verbundene Staatsbelaſtung von 33 000 M. konnte zur Zeit wegen der ungünſtigen Finanzlage des Landes nicht als dringlich angeſehen werden, zumal weitere 110 000 M. für An⸗ kauf des Gebäudes in Sicht geſtellt ſind. Es wurde von einer Seite die Frage angeregt, ob ſich nicht die Errichtung eines Lehrerinnenſeminars, falls von demſelben nicht Umgang genommen werden könnte, in einem geeigneten Landſtädtchen Oberheſſens empfehle.

Aus dem Schlußſatz dieſes Beſcheids ließ ſich ſchon herausleſen, daß unter gewiſſen Bedingungen wenn z. B. das Seminar nach einem Landſtädtchen Oberheſſens verlegt würde der Finanzausſchuß trotz derungünſtigen Finanzlage die Vorlage der Regie⸗ rung als dringlich anſehen und ihre Annahme im Plenum empfehlen würde. Man durfte darum annehmen, daß nicht rein ſachliche Gründe, ſondern lokale und parteipolitiſche Intereſſen den ablehnenden Beſchluß veranlaßt hatten. Die Negierung brauchte darum noch nicht die Flinte ins Korn zu werfen und zu kapitulieren. Miniſterialrat Dr. Eiſenhuth war auch nicht der Mann, der ſich abſchrecken ließ, wenn er die zu vertretende Sache für notwendig und recht hielt; dazu beſaß er eine ſeltene Rednergabe, die alle Zuhörer in den Bann ſeiner Beweisführung hineinzwang. Er ſprach volkstümlich ſchlicht und einfach, aber treffend, logiſch überzeugend und ernſt, verfügte über einen köſtlichen Humor, der auch bei langen Reden die Langeweile nicht aufkommen ließ. Seine wohlklingende, modulationsfähige Stimme, die es ihm ermöglichte, die ganze Skala menſchlichen Empfindens durch die Stimme auszudrücken, ſein ſcharfer Verſtand, die Wucht ſeiner kraftvollen Perſönlichkeit vollendeten den geborenen Nedner. Wie er ſprach, das mögen Einleitung und Schluß der Rede zeigen, die er am 6. März 1902 zur Begründung der Vorlage für die Errichtung unſerer Anſtalt hielt.

Das Kapitel 40Seminare ſollte eigentlich noch am 5. März zum Teil erledigt werden; allein bei der Wichtigkeit der Vorlage hielt es der Kammerpräſident für angezeigt, dafür einen ganzen Tag zu reſervieren, was allgemeine Zuſtimmung fand. Daß aber die Gegner der Vorlage ſich auf einen hartnäckigen Widerſtand vorbereitet hatten, ging klar und deutlich aus den Worten des Berichterſtatters zu Kap. 40 hervor, der da meinte:Die Erledigung dieſes Kapitels geht bei geſtärkter Geſund⸗ heit ebenſo raſch von ſtatten; man darf aber neben den Geſchäften des Leibes Notdurft nicht vergeſſen.

Aus der außerordentlich guten Beſetzung des Hauſes(von 50 Ab⸗ geordneten fehlten nur 5 entſchuldigt) und der großen Zahl der Regie⸗ rungsvertreter: 10, darunter 2 Miniſter, durfte man ſchließen, daß der 6. März 1902 ein großer Tag werden ſollte. Da Eiſenhuth als vortreff⸗ licher Redner bekannt und geſchätzt war, ſo trat atemloſe, feierliche Stille ein, als er das Rednerpult beſtiegen hatte. Seine große Rede begann er mit folgender Einleitung:

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