Ausbildungsſtätten ſteigerten, brachten dieſe in Mißkredit und ſchließlich zu Fall. Wenn einmal ihre Geſchichte geſchrieben worden iſt und man die nunmehrigen Lehrerbildungsſtätten und ihre Erfolge mit denen der Seminare vergleichen kann, dann wird ſich höchſt wahrſcheinlich heraus⸗ ſtellen, daß dieſe beſſer waren als ihr Ruf, der übrigens bis heute noch im Ausland von ſehr gutem Klang iſt— es ſei nur an die be⸗ geiſterten Berichte der franzöſiſchen Kommiſſion erinnert, die auf Ver⸗ anlaſſung Guizots die preußiſchen Seminare und Volksſchulen beſucht hatte, und an das überaus günſtige Urteil des Amerikaners Thomas Mann über die deutſche Volksſchule, in dem den Darm⸗ ſtädter Lehrern ein beſonderes Lob geſpendet wird, und in jüngſter Zeit an das Urteil des amerikaniſchen Schulmannes Prof. Noß aus Cali⸗ fornia bei Pittsburg, der im Auftrag ſeines Staates im Sommer 1907 eine Studienreiſe durch Deutſchland unternahm, um das Se⸗ minarweſen der verſchiedenen deutſchen Länder kennen zu lernen und auch unſerer Anſtalt einen Beſuch abſtattete. Und wenn bis zum heutigen Tag der deutſche Lehrer von keinem anderen in der Welt erreicht, viel weniger noch übertroffen wird, ſo dürfte das in erſter Linie dem deut⸗ ſchen Seminare zuzuſchreiben ſein.
Die Großtaten des deutſchen Volkes in den Befreiungskriegen hatten gezeigt, daß es mündig geworden war. Die Mündigkeitserklärung durch die Verfaſſungen forderte aber eine erhöhte Volksbildung, die nur von Lehrern im Sinne Peſtalozzis gewährt werden konnte; darum die große Zahl der Seminargründungen unmittelbar nach den Befreiungskriegen.
Stiefmütterlich wie die Frauen überhaupt wurden damals auch die Lehrerinnen behandelt. Die Frauen waren zwar von der Lehrtätigkeit, die für ſie ſchon bis in die älteſten Zeiten zurückgeht, nicht ganz aus⸗ geſchloſſen; man forderte, den neuen Verhältniſſen entſprechend, von ihnen eine fachliche Ausbildung, ſah aber dieſe als eine private, rein perſön⸗ liche Angelegenheit der Bewerberinnen an. So„können nach Art. 11 des Schuledikts von 1832 an Elementarmädchenſchulen ausnahmsweiſe Lehrerinnen angeſtellt werden, wenn dieſelben vorher geprüft und zur Erteilung des Unterrichts fähig befunden worden ſind. Wie die Lehrer haben auch ſie zwei Jahre nach dieſer erſten noch die ſogenannte Definitorialprüfung zu beſtehen.“
Bis zum Erlaß des Volksſchulgeſetzes von 1874 war die Zahl der Lehrerinnen an Volksſchulen verhältnismäßig ſehr klein, da kaum Be⸗ dürfnis für ihre Verwendung vorlag, die private Vorbereitung aber ſchwierig und meiſt recht koſtſpielig war. Dies änderte ſich jedoch, als die Beſtimmungen des neuen Schulgeſetzes in Kraft traten, das eine weſentlich niedrigere Höchſtzahl von Schülern für jede Klaſſe zuließ. Nach Durchführung dieſer Beſtimmungen ſtieg die Zahl der Schul⸗ ſtellen ganz bedeutend, und es trat Lehrermangel ein, den man durch Errichtung von Doppelklaſſen am Friedberger Seminar und durch die Gründung des Alzeyer Seminars(1880) zu heben ſuchte. Die Errich⸗ tung eines Lehrerinnenſeminars an der Darmſtädter höheren Mädchen⸗ ſchule(1877) hat auch manche Lehrerin aus dieſer Anſtalt der Volks⸗ ſchule zugeführt; allein die Vorbildung dieſer Lehrerinnen und ihre Ausbildung im Seminar waren in erſter Linie für Sprach⸗ und Ge⸗ ſchichtsunterricht und damit für den Unterricht an höheren Mädchen⸗ ſchulen berechnet. Darum iſt es wohl begreiflich, daß die meiſten dieſer Damen ihre Verwendung an der Volksſchule nur als vorübergehend, als Notbehelf anſahen und jede Gelegenheit zum Äbertritt in den Dienſt der höheren Mädchenſchule herbeiſehnten und benutzten. Infolge ihrer
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