Aufsatz 
Das Frankfurter Gymnasium unter dem Rector Hirtzwig. Dr. Guil. Ern. Weberi Pror. et Prof. Carmen Saeculare : Mit hoher Genehmigung Eines Hochwürdigen ev. luth. Consistoriums zeigt Die Feyer des dreihundertjährigen Jubilaeums nebst den öffentlichen Prüfungen unseres Gymnasiums ... an / Johann Theodor Vömel Rector und Professor
Einzelbild herunterladen

19

die nöthigen Bücher kaufen und in den Druckereyen andere herausgeben könnte.

Erst im J. 1617 finde ich seinen Namen wieder in den Acten; mitt- lerweile war er in Cöthen, wo er eine Lehranstalt gründete, für welche der dortige Herzog Häuser baute, Lehrer besoldete und eine kostbare Druckerey anlegte. Deutschland erwartete jetzt von Cöthen die neue Bildung.

D. 15. Apr. 1617 hielt Ratich, welcher zur gewaltigen Förderung seines Unternehmens überall herumreistte und Proben seiner Künste an Er- wachsenen ablegte, bey hiesigem Rath an, daſs etliche Personen aus dem Senatsmittel, auch aus dem Ministerio und sonst deputirt würden, denen er sein Didacticum und Lehrkunst anzeigen und entdecken möge. Es wurde eine ansehnliche Commission dazu ernannt, bestehend aus Hr. Joh. Hector zum Jungen, Hr. Niclas Greiff aus E. E. Rath, beneben den Hrn. Advo- caten(Syndikern), zwey aus dem Ministerio und dem Rectori Scholae, wie auch dem Stadt- und Rathschreiber. Diese statteten eine leider nicht mehr vorhandene schriftliche Relation ab, welche bey Rath verlesen wurde, worauf dieses Decret erfolgte:soll man auf allerhand vorgebrachten Ur- sachen und Motiven dem, der Herren Deputirten zu Ende gedachter Rela- tion angehefteten, Gutdünken nachkommen und also Ratichio seine Gelegen- heit fürderlich anderer Orten zu suchen auferlegen und anzeigen lassen.

Diese langen und bedeutenden Kämpfe waren zwar beendiget, allein

Hirtzwig's hiesige Thätigkeit war überhaupt in sehr bedrängte Zeiten gekom- men: ein heftiger Religionskrieg entflammte die Gemüther und ver- wüstete die Länder, in seinem Gefolge war groſse Theuerung und verhee- rende Seuche. Im Sommer 1622 starb ein groſser Theil der Schüler, die Lehrer erkrankten und Unruhe und Tumult herrschte überall. Hiervon ist unter andern ein characteristisches Zeichen die Schlägerey, welche in der Herbstmesse 1619etliche Fremde vom Adel im Schulgebäude und in der Wohnung des Rectors mit solchem Tumult und Unfug anfingen

B6O