Aufsatz 
Das Frankfurter Gymnasium unter dem Rector Hirtzwig. Dr. Guil. Ern. Weberi Pror. et Prof. Carmen Saeculare : Mit hoher Genehmigung Eines Hochwürdigen ev. luth. Consistoriums zeigt Die Feyer des dreihundertjährigen Jubilaeums nebst den öffentlichen Prüfungen unseres Gymnasiums ... an / Johann Theodor Vömel Rector und Professor
Einzelbild herunterladen

20

und verübten, daſs etliche darüber verwundet und in Verwahrung gebracht wurden. Der Kriegsaufwand überdies und die Unordnung, in welcher sich der Münzfuſs befand, drückte die ökonomischen Umstände; die Besoldung war nicht mehr im richtigen Verhältniſs zu den Preisen der Lebensmittel, Hirtzwig mufste schon 1618 ein Capital aufnehmen und erst später wurde einigemal decretirt, folglich nicht immer ausgeführt, dafs die Besoldung jedesmal in harten Münzsorten ausbezahlt werden sollte. Diese Angelegen- heit zog sich in die Länge, vom 19. Jan. 1619 bis 19. Dec. 1622, dann kommt sie wieder vor d. 9. Nov. 1626, wo die Besoldungen erhöht wurden.

Aber nicht zufrieden mit dem, was Hirtzwig in vorigen Jahren schon gewirkt hatte, ordnete er mitten in diesem Gedränge immer noch uner- müdet und fortwährend nach innen und nach aufsen: Eine groſse Wohlthat erzeigte er dem Gymnasium durch die Einführung von Decurionen oder Classenaufschern, welche aus den Schülern gewählt, in augenblicklicher Abwesenheit des Lehrers seine Stelle vertreten, Ruhe und Ordnung erhalten und mancherlei dahin einschlagende Geschäfte versehen. Er brachte die sogenannte nota morum et linguae wieder in Gang. Die Ordnungen der Classen wurden erweitert, und in jeder Woche ein Tag festgesetzt, an welchem eine allgemeine Wiederholung alles dessen, was die Schüler die Woche über gelernt hatten, angestellt wurde. In der obersten Classe wurde im Hebräischen Unterricht gegeben, welches bisher gar nicht gelehrt worden war. Er ordnete das Stipendienwesen: seine defsfallsigen Vorschläge wurden von den Scholarchen und dem Rathe gebilligt, von dem Ministerium gemiſs- billigt, und sollten daher unterbleiben. Doch findet sich bald darauf ein Verzeichnifs von elf Stipendiaten bey den Acten, von welchen die meisten 60 90 fl. haben. Die Vorschläge müssen also dennoch zu Stande ge- kommen seyn, Seine andern Verbesserungen, z. B. die mit dem Chor, sind jetzt ohne Interesse, wenn nicht das bemerkenswerth ist, daſs d. 1. Sept. 1623 Joh. Andr. Herbst aus Nürnberg als Praefectus Musices hierher berufen wurde, damit er die Musik in der Barfüſser-Kirche leitete, und dazu 68

ᷣVVV:.