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der damaligen Schulbildung war doch noch ein guter Keim, welcher ent- wickelt, aber nicht gestört werden mufste. So wurde ein Conflict herbey- geführt, dessen Folgen noch jetzt fortdauern.—
Wolfgang Ratich aus dem Holsteinischen wollte die Methode ver- bessern und glaubte nach 13 jährigen Reisen die einzig wahre gefunden zu haben. Ich übergehe das Weitere, welches in Schwarz ens Geschichte der Erzieh. Th. II. S. 386. ff. und von den daselbst angeführten Ruh- kopf und Maſsmann umfassend erzählt ist. Hierher gehört nur, daſs Ratich versprach die Wissenschaften und die Sprachen auf die leichteste, ange- nehmste und kürzeste Art zu lehren, das Kunststück aber hielt er geheim. Aus unsern Acten ersieht man Folgendes, worin Gutes und Schlechtes ge-
mischt ist: er wollte weniger Lehrgegenstände(man lehrte wenige genug) und weniger Lehrstunden, der Unterricht müſste vereinfacht und successive vorgenommen, das Dictiren abgeschafft und fleiſsige Repetitionen veran- staltet werden. Nun aber wollte er auch in Deutschland den Meiſsner Dialect allgemein einführen, und einerley Regiment und einerley Religion war sein Losungswort. Was er in der Religion verändern wollte, konnte ich mir nicht deutlich machen, da er sich mehrmals widerspricht. Nach seiner Vertheidigungsschrift v. 17. May 1612 macht er zwar den Eindruck eines redlichen und warmen, aber sehr unklaren Menschen; nicht anders erscheint er in der auf dem hiesigen Wahltage(des Kaisers Matthias) übergebenen Memorial den ½6 May 1612.
Einige Monate nach seiner Ankunft baten die sämmtlichen hiesigen ev. luth. Prediger den Rath, daſs er dem Ratichius erlauben möchte vor Sachkundigen seine Lehrkunst zu zeigen, der in kurzer Zeit Griechisch, Hebräisch, Lateinisch und andere Sprachen mehr, alle Künste und Facul- täten in kurzer Zeit lehren und propagiren wollte. Wenn er die Probe bestanden, so möge ihm der Rath erlauben, sein Werk hier einzurichten. Frankfurt sey ihm wegen der Messen besonders gelegen, in welchen er


