Aufsatz 
Das Frankfurter Gymnasium unter dem Rector Hirtzwig. Dr. Guil. Ern. Weberi Pror. et Prof. Carmen Saeculare : Mit hoher Genehmigung Eines Hochwürdigen ev. luth. Consistoriums zeigt Die Feyer des dreihundertjährigen Jubilaeums nebst den öffentlichen Prüfungen unseres Gymnasiums ... an / Johann Theodor Vömel Rector und Professor
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Facultäten zu Strafsburg und zu Giefsen, über sein eingereichtes Glaubensbekenntnils und über mehre deſsfalsige Verhandlungen. Am Ende wird er mit dem Senatszeugnisse einesehrbaren aufrichtigen Lebens entlassen und vom Grafen zu Erbach zum Rector ernannt d. 13. May 1621, also im 4ten Jahre der Streitigkeiten, während welcher Zeit wahrscheinlich Hirtzwig selbst so viel als möglich vicarirte, wie er zu thun pflegte, wenn ein Lehrer krank wurde.

Gewiſs aber ist sein bedeutendstes Verdienst das, dafs er die alte classische Bildung und den Humanismus gegen eine modische Philanthropie in Schutz nahm und rettete..

Wolfgang Ratich, ein Basedow seiner Zeit und der Stifter aller Tän- deley in der Erziehung, war schon im J. 1613 mit einem Empfehlungs- schreiben seiner grofsen Gönnerin, der Maria Dorothea verwittweten Herzo- gin von Weimar, an den Rath zum zweitenmale hierher gekommen. Dem Empfehlungsschreiben liegt ein Gutachten dreier Jenaer Professoren bey, welches besagt, daſs sein modus tractandi et docendi linguas facilitatem, jucunditatem et utilitatem habe und nicht zu verwerfen sey. Dies Gutach- ten ist 1614 auch gedruckt worden.

Seitdem nemlich der groſse Baco v. Verulam mit Recht geklagt hatte, daſs man in der Bildung die Jugend viel zu viel mit Sprachen beschäftige und darüber die Sachkenntnisse und, was für das Leben wichtig sey, ver- nachlässige, daſs die Philosophie statt nach Wahrheit zu suchen in scho- lastischen Unfug gerathen sey, dals es an freyem Untersuchungsgeiste fehle, daſs die Lehrer an dem Schlendrian des Alten und die Schüler an der Autorität der Lehrer hingen u. s. w. und nachdem er seine Idee der Ver- besserung aufgestellt hatte, schüttete, wie man im Sprüchworte sagt, der Deutsche das Kind mit dem Bade aus. Es ist wahr, der herrschende Pedantismus der Sylbenstecherey unter den Philologen und die traurige Zanksucht unter den Theologen erregten in den freyern Gemüthern die

Sehnsucht nach der reinern Höhe der Bildung; allein in der Grundlage 5