72 Die nachrömiſche Zeit.
genauer aufnahm und die erſte— zum Teil wenigſtens— auf eigenen Vermeſſungen beruhende Geſamtkarte der Römerſtadtim Maßſtab 1: 1000 zeichnete. Dieſer Plan, deſſen Original ſich in Wiesbaden befindet, bildete die Grundlage der Unterſuchungen im heddernheimer Gebiet bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Die Karten des römiſchen heddernheim, die ſich in hammerans„Urge⸗ ſchichte von Frankfurt a. M. und der Taunusgegend“ und in dem ſeinerzeit bedeutenden Werke v. Cohauſens,„Der römiſch e Grenz⸗ wall in Deutſchland“ finden, beruhen auf dieſem Plan. Wenn ſich auch heute zeigt, daß Habels Rarte im einzelnen manche Ungenauigkeiten aufweiſt, da die Eintragungen zum Teil nicht immer auf eigene Meſſungen, ſondern auch auf Mitteilungen der Bewohner oder Beobachtungen im Gelände ſich gründen, ſo wird er doch auch heute noch immer herangezogen. habel war endlich auch der erſte, der weitere Kreiſe für die Trümmerſtätte zu intereſſieren wußte. Die zufällige KHuffindung des prachtvollen Mithrasreliefs, das jetzt das Glanzſtück des Wiesbadener Muſeums bildet, erleichterte ihm dies und veranlaßte eine rege Husgrabungstätigkeit, deren Ergebnis die Kufdeckung des 1. und 2. Mithreums im Nordweſten der Stadt war.
Nach habel ruhte die Kusgrabungstätigkeit in heddernheim nicht mehr. Doch ſind die zum Teil ſehr intereſſanten und ſchönen Funde vielfach in Privat⸗ hände gekommen und jetzt verſtreut. Nach der Reugründung des Frankfurter hiſtoriſchen Muſeums und den politiſchen Deränderungen des Jahres 1866 trat die heddernheimer Lokalforſchung in ein neues Stadium. Die Frank⸗ furter Muſeumsverwaltung übernahm jetzt die Erforſchung des Trümmerfeldes, die bisher der Wiesbadener Muſeumsdirektion obgelegen hatte. Der Derein für das hiſtoriſche Muſeum wurde gegründet, und eine lebhafte Tätigkeit begann. Die durch planmäßige Kusgrabungen gefundenen Gebäudereſte wurden jetzt ordentlich vermeſſen und in eine Kopie des habelſchen Planes im Maßſtab 1:500 eingetragen. Die herren Geometer Schlemmer, AKrchitekt Thomas, der Konſervator des Muſeums Otto Cornill, Donner von Richter und prof. Dr Rieſe ſind hier als verdienſtvolle Förderer der heddernheimer Lokalforſchung zu nennen. Die große Gigantenſäule und die Jupiterſäule, die 1884 ausgegraben wurden, vor allem aber die hochbedeutenden Skulpturen des 3. Mithreums, die 1887 zum großen Teil wenigſtens für das Muſeum ge⸗ rettet wurden, legen Zeugnis ab für die erfolgreiche Kusgrabungstätigkeit in dieſer Zeit. Huch der Grundriß des Forums und anliegender Teile des Sorums⸗ bades wurde damals ermittelt und veröffentlicht.
Eine neue Epoche in der Erforſchungsgeſchichte der alten Römerſtätte bei heddernheim aber begann im Jahre 1889, als herr Prof. Dr Georg Wolff nach Frankfurt berufen wurde und die Leitung der Kusgrabungen in die hand nahm. Er iſt der Begründer derplanmäßigen Erforſchung von heddern⸗


