Die Erforſchung der Römerſtätte. 71
Rnie des Steinbachs abzweigenden Seldwege; er ſtammt von der römiſchen Stadt⸗ mauer her. Der mächtige Steinblock aber, der die nördliche Brüſtungsmauer der Steinbachbrücke öſtlich von Praunheim deckt, dürfte wohl aus der Schwelle des ſüdlichen Weſttores der Stadt Nida herrühren.
Wer mit ſehendem Kuge und reger phantaſie die alte Römerſtätte durch⸗ wandert, für den wird ſich bald das heute eintönige klckergebiet des„heidenfeldes“ beleben. Mauern und ſtattliche Gebäude werden vor ſeinem(luge erſtehen, volks⸗ belebte Straßen, auf denen römiſche Rrieger und händler neben rieſigen Germanen dahinſchreiten, kurz das lebensvolle Bild einer blühenden Römerſtadt in Germanien. Gewiß, es iſt kein nordiſches Pompeji. Richt ſo mühelos gewinnt der Beſucher des Trümmerfeldes von Rida ſtarke, unmittelbare Eindrücke und gleichſam von ſelbſt ſich bietende Einblicke in antikes Leben, in römiſche Macht und Rultur, wie der Fremde, der die heute noch hochſtehenden Ruinen der ſonnigen Landſtadt bei Neapel durchwandert. Doch den Zauber, den der Gedanke erweckt, auf einem durch tauſendjährige Geſchichte geweihten Boden zu ſtehen, wird er hier wie dort emp⸗ finden. Die Trümmer von Pompeji und die ſpärlichen Reſte im„heidenfelde“ von heddernheim ſprechen beide dieſelbe Sprache. Sie erzählen von der Rultur und der Macht eines gewaltigen Volkes, das einſt die Welt beherrſcht hat und auf die Geſchichte und Rultur unſeres eigenen Volkes lange und nachhaltig eingewirkt hat.
Die wiſſenſchaftliche Erforſchung der Römerſtätte bei heddernheim.
Frühzeitig— ſchon vor der Entdeckung von Pompeji— machte ein wiſſen⸗ ſchaftlich intereſſierter Mann auf die römiſche Trümmerſtätte bei heddern⸗ heim aufmerkſam. J. J. Schudt ſagt 1714 in ſeinen„Jüdiſchen Merkwürdig⸗ keiten“, daß man„zu hedernheim, einem geringen Dorff, noch zu Zeiten Urnas, römiſche Müntzen u. dgl. finde, als eine gewiſſe Spur, daß die alte, heudniſche Römer daſelbſt ein Caſtell oder Lager gehabt“. Doch ſeine Stimme verhallte, und erſt 60 Jahre ſpäter hören wir wieder etwas vom Trümmerfelde bei heddern⸗ heim. ꝓ. J. Suchsin ſeiner„Elten Geſchichte von Mainz“ 1771 und hüsgen in den„Verrätheriſchen Briefen von hiſtorie und Kunſt“ 1776 und 1783, ſowie Gercken in ſeinen„Reiſen“ 1788 erzählen mancherlei über römiſche Reſte und Sunde im„heidenfelde“ bei heddernheim, doch an eine Unterſuchung des Gebietes ging man nicht.
Das Derdienſt, die wiſſenſchaftliche Erforſchung der alten Römer⸗ ſtätte bei heddernheim begonnen zu haben, gebührt dem Wiesbadener Krchivar S. G. habel. Er war auch der erſte, der die Ergebniſſe ſeiner Sorſchungen


