Aufsatz 
Nida-Heddernheim : ein populärwissenschaftlicher Führer durch die prähistorischen und römischen Anlagen im "Heidenfelde" bei Heddernheim / von F. Gündel
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18 Die römiſche Zeit.

wird unter Domitian römiſcher Beſitz und nun durch ein geradezu modern anmutendes Vorpoſtenſuſtem geſchützt. Stark befeſtigte heer⸗ ſtraßen werden im neueroberten Gebiete von Mainz aus nach Oſten bis in die Wetterau gebaut. Eine führte am rechten Mainufer hin über Caſtel, höchſt, Frank⸗ furt nach Reſſelſtadt, eine zweite am Fuße des Taunus entlang über Wiesbaden, hofheim, Soden, homburg nach Langenhain, eine dritte am hochufer der Nidda entlang von höchſt über Nied, heddernheim, Dilbel, Okarben nach Friedberg. Dieſe Straßen mit den Steinkaſtellen, die an den genannten Orten erbaut wurden, bildeten damals die römiſche Verteidigungslinie. Eine Vorpoſtenkette aber wird auf den Taunuskamm ſelbſt vorgeſchoben; es ſind kleine Erdkaſtelle, die für ein Wachtkommando beſtimmt ſind, und zwiſchen ihnen hölzerne Wachttürme für Poſten. Bei vielen Limeskaſtellen ſind dieſe älteſten Erdbefeſtigungen nach⸗ gewieſen worden, z. B. auf der Saalburg und der KRapersburg. So ſah damals der Limes aus, er war eine Kette von Erdſchanzen und holztürmen, die wohl auch durch einen Weg verbunden waren; ein Wall mit Graben und Paliſade aber fehlte damals noch. Mit den Raſtellen der Main⸗ und Niddaebene waren dieſe Erdlager auf dem Taunuskamm durch Straßen verbunden, ſo z. B. die Erd⸗ befeſtigung auf der Saalburg mit dem Kaſtell bei heddernheim, die Rapers⸗ burg mit dem von Okarben. Die Rückzugslinie bildeten zunächſt die Heerſtraßen nach Mainz, doch ward auch der uralte, bereits in der Steinzeit benutzte Main⸗ übergang bei Srankfurt für alle Sälle mit Beſchlag belegt. Römiſche Sunde, die 1894 in der Nähe des Domes gemacht worden ſind, Ziegel mit dem Stempel der XIV. Legion und RKeſte eines Kaſtellbades,machen es wahrſcheinlich, daß auf dem Domhügel in Frankfurt ein flaviſches Kaſtell geſtanden hat. Es iſt ein großzügiges Vorpoſtenſuſtem, deſſen ganze AUnlage an die modernen Verhältniſſe mit Vor⸗ poſtenkompagnien, Seldwachen und Doppelpoſten lebhaft erinnert.

Mit dieſer Zeit beginnen die ſicheren Spuren dauernder römiſcher Beſetzung und Beſiedelung im heddernheimer Selde.

Der älteſte Reſt iſt abgeſehen von dem oben beſchriebenen, noch nicht genauer datierten Feldlager ein großes Erdlager, das im Rorden des Gebietesam holzweg undam Zeilweg 1903 nachgewieſen und in den folgenden Jahren weiter erforſcht wurde, deſſen Unterſuchung jedoch, namentlich im Rorden und Oſten, noch nicht beendet iſt). Daß es der flaviſchen Zeit zu⸗ gehört, beweiſen die Scherben, die in ſeinem Spitzgraben ſich fanden. Ihre geringe Knzahl aber zeigt, daß es wohl nur kurze Zeit belegt war. Es liegt an einer ſtrategiſch völlig bedeutungsloſen Stelle, welche von den in dieſer Hinſicht ſo ſcharfblickenden Römern wohl kaum für ein Lager gewählt worden wäre, wenn nicht die taktiſch bedeutſamſte Stätte im ganzen Gebiet die Knhöhe der beiden Friedhöfe bereits beſetzt war oder für ein demnächſt zu erbauendes Kaſtell ſchon in Kusſicht

*) Kuf dem planeproviſoriſches Erdlager genannt.