Aufsatz 
Nida-Heddernheim : ein populärwissenschaftlicher Führer durch die prähistorischen und römischen Anlagen im "Heidenfelde" bei Heddernheim / von F. Gündel
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Die Okkupation des Gebietes in der flaviſchen Zeit. 19

genommen war. Man erklärt dies paſſend mit der Knnahme, daß dieſes Lager zunächſt als Seld⸗ oder Marſchlager von einer am Chattenkriege Domitians beteiligten Truppenabteilung angelegt wurde, die dann den Auftrag erhielt, auf der unweit ſüdlich gelegenen, die Gegend beherrſchenden Anhöhe das Stein⸗ kaſtell zu erbauen. Durch die Knnahme, daß das Lager nur proviſoriſch war, erklärt ſich auch die merkwürdige Tatſache, daß es durch einen vom Weſttore an ſchnurgerade nach der Südoſtecke gezogenen Spitzgraben ſpäter aber noch in flaviſcher Zeit bedeutend reduziert wurde. Das urſprüngliche Seldlager war eben nach dem Kbzug der Linientruppen für das zurückbleibende Baudetachement zu groß, und ſo ſchnitt man einfach die der Bauſtätte am nächſten gelegene Süd⸗ weſtecke mit dem Weſttore durch einen Spitzgraben und Erdwall ab und erhielt ſo als Unterkunft für die Bautruppe einreduziertes Erdlagen, deſſen dreieckiger Grundriß freilich dem ſonſt üblichen Lagerſchema nicht entſpricht; doch die KRömer waren Leute, die gegebenen Salles das Schema den praktiſchen Bedürfniſſen opferten.

Kus den RKeſten im Boden ließen ſich immerhin einige Anhaltspunkte über die Größe und Bauart des Lagers gewinnen. Die beiden Südecken wurden ſicher feſtgeſtellt und damit auch die Länge der Südflucht von 420 m (Mitte des Spitzgrabens) ermittelt. Die NRordweſtecke bedarf noch 5 weiterer Klärung; liegt ſie da, wo bei den Grabungen vor 2 Jahren eine Biegung des die Weſtſeite be⸗ grenzenden Spitzgrabens nach Oſten einzuſetzen ſchien, ſo ergibt ſich für die Weſtſeite des Lagers eine Länge von 280 m und unter Unnahme rechtwinkligen Grundriſſes ein Slä⸗ cheninhalt von über 11 Hektar; das Lager war alſo für eine größere Truppenabteilung, etwa für ein kombiniertes Rorps, beſtimmt ge⸗ A weſen. Sür dasreduzierte Erd⸗ lager ergibt ſich ein Kreal von etwa 4 hektar.* om

Der Spitzgraben war 3,50 m gbb. 3. Weſttor des proviſoriſchen Erdlagers. breit und 1,70 m tief. Die Umwal⸗ lung des Lagers beſtand aus einer nach außen durch eine holzpaliſade verſteiften Erdanſchüttung. Denn in einem Kbſtande von nur 2m von der Grabenſpitze be⸗

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