Aufsatz 
Nida-Heddernheim : ein populärwissenschaftlicher Führer durch die prähistorischen und römischen Anlagen im "Heidenfelde" bei Heddernheim / von F. Gündel
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Die Okkupation des Gebietes in der flaviſchen Zeit. 17

für die Knlage einer ſolchen Befeſtigung gegebenen Punkte. Die Südflucht des Spitzgrabens mit dem Tore und der Südweſtecke wurde feſtgeſtellt und im vorigen Jahre auch die bis jetzt über 300 m lange Weſtflucht verfolgt. Sie verläuft nicht geradlinig nach Rorden, ſondern iſtwohl etwa in der Mitte im ſtumpfen Winkel nach Nordoſten leicht geknickt, ſo daß möglicherweiſe auch ein polugonaler Grundriß ſich ergeben könnte. Die Nord⸗ und Oſtſeite ſind noch nicht feſtgeſtellt, doch iſt ſo viel ſicher, daß die Oſthälfte dieſes Erdlagers von dem ſpäteren Steinkaſtell überſchnitten wurde. Es gehörte alſo zu den älteren, vielleicht älteſten Befeſti⸗ gungen imheidenfelde von Heddernheim. Das iſt aber auch alles, was über die Datierung bis jetzt zu ſagen iſt, da bisher noch nicht eine einzige Scherbe oder ſonſt irgend ein chronologiſcher Unhalt in ſeinem Spitzgraben, deſſen Profil im Boden ein geübtes Kuge nur eben noch erkennen kann, gefunden wurde. Das Seld⸗ oder Marſchlager denn um ein ſolches kann es ſich nur handeln, eben weil in ſeinem Spitzgraben keinerlei Kleinfunde ſich fanden kann demnach der auguſteiſchen oder der claudiſchen oder der frühflaviſchen Zeit angehören; wir wiſſen noch nichts Beſtimmtes. So muß man alſo vorläufig noch dabei bleiben, daß ſichere Spuren römiſcher Beſetzung aus auguſtei⸗ ſcher und claudiſcher Zeit bisher im heddernheimer Gebiet nicht nachgewieſen worden ſind.

Die Okkupation des Gebietes in der flaviſchen Zeit. Die älteren Erdbefeſtigungen.

Unter den flaviſchen Kaiſern ergreifen die Römer wieder energi⸗ ſcher die Offenſive gegen die Germanen und beſetzen dauernd rechtsrheiniſches Gebiet. Nachdem bereits unter Deſpaſian durch die Unlage zweier Militär⸗ ſtraßen die eine führte von Straßburg über Rottweil nach Tuttlingen an der oberen Donau, die andere von Mainz über Cannſtatt nach Saimingen unterhalb Ulm der läſtige Winkel in der römiſchen Grenzlinie zwiſchen dem Oberlaufe der Donau und dem Mittelrhein beſeitigt und die Derbindung zwiſchen den rheiniſchen Legionslagern und den römiſchen Stellungen an der Donau hergeſtellt war, wird durch Domitian die Wetterau dem Reiche einverleibt. Im Jahre 85/84 n. Chr. be⸗ ſiegt Domitiandie Chatten, und wenn dieſer Krieg von der haßerfüllten römi⸗ ſchen Überlieferung verſchwiegen oder als bedeutungslos hingeſtellt wird, ſo be⸗ lehren uns dagegen die Ergebniſſe desſelben, die namentlich durch die Unter⸗ ſuchungen der Reichslimeskommiſſion feſtgeſtellt und in ihrem Umfange und ihrer Bedeutung erkannt worden ſind, eines Beſſeren. Die Main⸗ und RNidda⸗ ebenemit derfruchtbaren Wetteraubis an den TCaunuskamm

Gündel, Nida⸗Heddernheim. 2