Aufsatz 
Nida-Heddernheim : ein populärwissenschaftlicher Führer durch die prähistorischen und römischen Anlagen im "Heidenfelde" bei Heddernheim / von F. Gündel
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16 Die römiſche Zeit.

heere durch das Main⸗ und Niddagebiet, das damals vielleicht auch der Schauplatz heißer Kämpfe geweſen iſt; doch zu einer dauernden Okkupation unſerer Gegend kam es nicht, wenn die Römer ſie auch als ihren Beſitz betrachten mochten. Die weiten Entwürfe des Kuguſtus, deren Durchführbarkeit ſchon die Varusſchlacht bedenklich in Srage geſtellt hatte und die auch durch die glänzenden, aber verluſt⸗ reichen Waffentaten des Germanikus nicht für die Dauer gefördert ſchienen, wurden von ſeinem Rachfolger, dem Kaiſer Tiberius, aufgegeben; im Winter des Jahres 16 n. Chr. wurden alle römiſchen Stellungen im Innern Germaniens geräumt. Der Rhein blieb die Grenze des Römerreiches. Nur einige wenige Plätze im rechtsrheiniſchen Grenzlande hielten die Römer auch jetzt noch feſt, 3. B. in unſerem Gebiete Caſtel, den Brückenkopf des Legionslagers von Mainz, und Wiesbaden mit ſeinen heilkräftigen Quellen.

So blieb es auch im weſentlichen unter den kraftloſen Kaiſern des juliſch⸗claudiſchen hauſes, wenn wir auch von einzelnen Rämpfen mit den unruhigen Chatten hören. Im letzten Regierungsjahre des Kaiſers Caligula kämpft der ſpätere Kaiſer Galba erfolgreich gegen die Chatten. Die Beſetzung von hofheim in dieſer Zeit beweiſt, daß der Wunſch der Römer, rechts des Rheins feſten Suß zu faſſen, noch immer lebendig iſt. Unter Claudius ferner erwirbt ſich Pomponius Secundus durch einen ſiegreichen Chattenkrieg die Criumphalabzeichen. Doch zu einer Unterwerfung des Main⸗ und Niddalandes kam es auch in der claudiſchen Zeit nicht, und bald darauf bedrohte der UKufſtand des Batavers Civilis ſogar die Herrſchaft Roms an der Rheinlinie ſelbſt.

Wir dürfen hiernach für unſer Gebiet Spuren einer dauernden römiſchen Beſetzung oder Beſiedelung in der auguſteiſchen und claudiſchen Zeit nicht erwarten. Und dem entſpricht auch der Befund. Unter den rieſigen Maſſen römiſcher Gefäß⸗ reſte, die im Heddernheimer Selde zutage gekommen ſind, iſt bisher nicht eine

einzige Scherbe auguſteiſcher Zeit. Das praesidium in monte Tauno des Druſus

und des Germanikus iſt alſo ſicherlich hier ebenſowenig zu ſuchen, wie an der Stätte der Saalburg. Wir wiſſen nicht, wo es lag. Trotz der großen Zahl der im heidenfelde von heddernheim nachgewieſenen Feldbefeſtigungen und Kaſtelle hat ſich bisher nicht der geringſte feſte Knhaltspunkt für die Innahme einer militäri⸗ ſchen Beſetzung von einiger Dauer oder gar einer Beſiedelung des Gebietes in auguſteiſcher oder claudiſcher Zeit ergeben.

Kllenfalls könnte ein vor 2 Jahren gefundenes, anſcheineno ziemlich großes Erdlager)) deſſen Unterſuchung noch nicht beendet iſt, mit den Rämpfen dieſer Zeiten in Zuſammenhang gebracht werden. Es lag auf der die ganze Gegend beherrſchenden höhe der beiden Sriedhöfe, alſo an dem durch die natura loci

¹) Kuf dem Plan iſt ſein Graben durch die BeiſchriftLagergraben nördlich vom chriſtlichen Sriedhofe bezeichnet.