Aufsatz 
Nida-Heddernheim : ein populärwissenschaftlicher Führer durch die prähistorischen und römischen Anlagen im "Heidenfelde" bei Heddernheim / von F. Gündel
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Die Latène-Zeit. 13

Lößplateau am Südfuße des Taunus ſelbſt beſiedelt, welches 1500 Jahre früher ſchon einmal mit neolithiſchen RNiederlaſſungen bedeckt geweſen war. Es waren alſo wieder klckerbauer, wie jenes DVolk der grauen Vorzeit. Ihre hüttengruben überſchneiden ſogar bisweilen die ſteinzeitlichen Wohnungsreſte derart, daß Scherben und ſogar Gräber beider Perioden mitunter in ſchier verwirrendem Gemiſch hier in derſelben Wohngrube zuſammen vorkommen.

Im heddernheimer Felde ſind Reſte aus der Latène-Zeit keine Seltenheit. Charakteriſtiſche Scherben fanden ſich z. B. im weſtlichen Graben des Steinkaſtells und in dem ſüdlichen Straßengraben der älteren der beiden nach Weſten führenden hauptſtraßen der Stadt, der platea praetoria. Latène⸗Gräber wurden im öſtlichen Graben des Erweiterungslagers entdeckt. Vor zwei Jahren wurde ſchließlich auch dicht ſüdlich des chriſtlichen Friedhofes die erſte Wohngrube ausgegraben. Sie hatte elliptiſchen Grundriß und war an der einen Schmalſeite durch eine Seuer⸗ ſtätte erweitert, in der noch im rotgeglühten Boden die derben Scherben des großen herdkeſſels lagen. Eine zweite Latène⸗Wohngrube wurde in allerjüngſter Zeit bei der Unterſuchung des ſüdöſtlichen Teiles der Stadt feſtgeſtellt. Die römiſche Stadtmauer durchſchnitt ſie und zerſtörte ſo ihre Oſthälfte. Die Beſiedelung des Heidenfeldes in jener Zeit iſt alſo ſicher bezeugt. Die beherrſchende Lage des Ortes und der fruchtbare Boden lockten eben zu jeder Zeit den(lckerbauer dorthin. Daß nicht noch mehr Reſte einer dauernden Beſiedelung in damaliger Zeit im römiſchen Stadtgebiete nachgewieſen wurden, erklärt ſich eben wohl dadurch, daß die Römer, durch ſtrategiſche Rückſichten geleitet, ihre Befeſtigungen und ſpäter die Stadt gleichfalls auf dem die Gegend beherrſchenden hügel anlegten, auf welchem nach Maßgabe der Funde wahrſcheinlich die Latène-Niederlaſſung ge⸗ ſtanden hatte, ſo daß deren Spuren bis auf dürftige Reſte verſchwunden ſind. Die eben genannte Wohngrube, die von der Stadtmauer halb zerſtört wurde, iſt ein ſprechendes Beiſpiel, und auch die Erhaltung der zuerſt erwähnten Latène⸗Grube im römiſchen Stadtbezirk iſt nur dem Umſtande zu verdanken, daß ſie zufällig im Gebiete des großen Sorumshofes der Römerſtadt lag, der von Gebäuden frei war. Die ganze Umgebung dieſes platzes aber war, wie ein Blick auf den Plan zeigt, in römiſcher Zeit, da ſie im verkehrsreichſten Teile der Stadt lag, ungemein intenſiv bebaut, und die Unlage der modernen Friedhöfe vollends hat ſicherlich hier noch die letzten Spuren einer etwa vorhandenen Latène⸗Siedelung völlig ver⸗

wiſcht.

Dieſe letzte prähiſtoriſche Periode wird bereits vom Dämmerlichte der Ge⸗ ſchichte matt beleuchtet, ſo daß es möglich iſt, die Ergebniſſe der Bodenforſchung mit den Schriftſtellerberichten der klaſſiſchen Literatur zu kombinieren. Wir wiſſen heute, daß die Träger der Latène⸗Kultur die Relten geweſen ſind und