Aufsatz 
Nida-Heddernheim : ein populärwissenschaftlicher Führer durch die prähistorischen und römischen Anlagen im "Heidenfelde" bei Heddernheim / von F. Gündel
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Die Bronze⸗ und hallſtattzeit. 11

beſtehen aus eingeritzten charakteriſtiſchen Bändern und Spiralen. Doch finden ſich hier auch vereinzelt, und zwar merkwürdigerweiſe mit bandkeramiſchen Scherben zuſammen, Reſte von Gefäßen, die mitStichornamenten(Röſſen⸗Großgartacher⸗ Tupus) verziert ſind, einer Stilart, die man bisher zumeiſt als örtlich und zeitlich von der Spiralmäanderkultur getrennt annahm. So fanden ſich in der oben erwähnten Wohngrube im Gebiete der Praunheimer Villa viele Scherben mit Stichornamenten, während eine unweit derſelben gelegene, kleinere Kbfallgrube zahlreiche Scherben mit Bandornament enthielt. KUuch in Bonames und Berkers⸗ heim lagen bandkeramiſche Scherben mit ſolchen des Röſſener Tupus zu⸗ ſammen. Die auffallende Erſcheinung, daß hier zwei ſonſt örtlich getrennte Rulturen der Steinzeit zuſammen gleichzeitig auftreten, findet vielleicht eine Erklärung damit, daß entlang der Nidda, an welcher dieſe Funoͤſtätten, heddern⸗ heim, Bonames und Berkersheim, gelegen ſind, durch die Wetterau und die heſſiſche Senke vielleicht bereits in neolithiſcher Zeit eine uralte Dölkerſtraße vom Main nach Norddeutſchland beſtanden hat, welche dieUnnäherung und ſchließliche Verſchmelzung der urſprünglich donauländiſchen Spiralmäander⸗ und der von Norden her gekommenen Röſſen⸗Großgartacher Rultur ermöglichte).

Die Bronze⸗ und hallſtattzeit.

Reue Zeiten kamen. Der Menſch lernte die Metalle ſich dienſtbar machen, zunächſt die Bronze und ſpäter das Eiſen. Man nennt dieſe Perioden der Vor⸗ geſchichte die Bronzezeit und die Eiſenzeit und unterſcheidet bei der letzteren eine ältere Übergangsperiode, die hallſtattzeit, und eine jüngere, die Latène⸗Zeit, beide benannt nach wichtigen Sundſtätten. HKuch in Frankfurts Umgebung ſind zahlreiche Reſte dieſer Kultur zutage gekommen, welche beweiſen, daß auch in dieſen Zeiten die geſegneten Lande am Main und an der Nidda reich beſiedelt geweſen ſind. Ein Blick in die Schätze unſeres hiſtoriſchen Muſeums lehrt es und gibt zugleich ein Bild von der hohen Entwickelung jener frühzeitigen Metalltechnik, die in der hallſtattzeit auch auf die Formen der Ton⸗ waren ſichtlich eingewirkt hat.

Das Volk der hallſtattzeit, welches unſere Gegend bewohnte, ſcheint als Eroberervolk von außen eben wohl auf den beiden uralten, natürlichen Dölker⸗ ſtraßen durch die Wetterau und das KRinzigtal, die für die Geſchichte unſeres Ge⸗ biets zu allen Zeiten beſtimmend waren, eingedrungen zu ſein und die neolithiſche Bevölkerung mit ſeinen beſſeren Waffen unterworfen zu haben. Im Gegenſatz

¹) Wolff, Alt⸗Srankfurt II, pag. 120.