Aufsatz 
Nida-Heddernheim : ein populärwissenschaftlicher Führer durch die prähistorischen und römischen Anlagen im "Heidenfelde" bei Heddernheim / von F. Gündel
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10 Die prähiſtoriſche Zeit.

bisher die Sitte der Leichenverbrennung für die jüngere Steinzeit beſtritten. Durch dieſe Gräber wurde ſie ſicher als damals hier allgemein üblich bezeugt. Die Beigaben beſtanden regelmäßig aus halsketten oder amulettartigen Un⸗ hängern(Kbb. 2). Die erſteren waren aus ſorgſam ausgeſuchten ovalen, flachen Tonſchiefergeröllſteinchen gebildet, welche man, um ſie anreihen zu können, fein

Hbb. 2. Reolith. Unhänger aus Praunheim.

durchlocht hatte. Huf der einen Seite waren ſie mit vertieften punkten oder Strichen verziert, welche zu geometriſchen Ornamenten von großer Mannigfaltigkeit geordnet und, wie ſich bei einem beſonders glücklichen Sunde noch nachweiſen ließ, ehedem mit einer weißen Paſte ausgefüllt waren. In den weſtlichen Fundoͤſtätten unſeres Gebiets, wie z. B. im Praunheimer Selde und anderwärts, beſtanden dieſe Retten meiſt aus rotge⸗ glühten Tonperlen. Wer weiß, ob nicht mancher ſog. Spinnwirtel, der ohne ge⸗ naue Beobachtung der Fund⸗ umſtände früher im heddern⸗ heimer Selde erhoben wurde, ein Glied einer ſolchen neo⸗ lithiſchen Tonperlenkette war. Die Anhänger waren gleich⸗ falls derartige Steinchen oder zurechtgeſchnittene Schiefer⸗ oder Rnochenplättchen mit denſelben Ornamenten; auch

durchbohrte Tierzähne fanden ſich. Die damalige Bevölkerung unſerer Gegend war alſo über die erſten Unfänge einer primitiven Kultur bereits weit hinaus; Runſtſinn und Geſchmack war ſchon lebhaft entwickelt. Dies beſtätigt auch eine Betrachtung ihres zum Teil reich verzierten Tongeſchirres. Die Keramik der älteſten Bewohner der Lößſchwelle ſüdlich des Taunus gehört nach der hauptmaſſe der Reſte zur Gruppe der ſog.Bandkeramik(Spiralmäander); die Verzierungen