Aufsatz 
Nida-Heddernheim : ein populärwissenschaftlicher Führer durch die prähistorischen und römischen Anlagen im "Heidenfelde" bei Heddernheim / von F. Gündel
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Die Steinzeit. 9

meintlich ſonſt völlig freiem Gebiete, wenig beachtet. heute iſt er ein willkommenes Bindeglied in der langen ſteinzeitlichen Siedelungskette am Südfuß des Taunus, die offenbar hier nur deshalb unterbrochen ſcheint, weil ihre Reſte durch die ſpäteren Knlagen zerſtört worden ſind. Es iſt ſehr wahrſcheinlich, daß auch im heddern⸗ heimer Felde außerhalb des römiſchen Gebietes in Zukunft ſich wohl noch weitere und feſtere Unhaltspunkte finden werden.

Die Steinzeitbevölkerung unſerer Gegend war bereits ein ſeßhaftes Bauern⸗ volk, das llckerbau trieb. Die Reſte ihrer Wohnungen ſind flache, muldenförmige Gruben von ovalemoder unregelmäßigem Grundriß(Kbb. 1). Oft ſind mehrere kleinere Vertie⸗ fungen zu einem größeren Unweſen vereinigt, ſo daß man an herdgruben und primitive Vorratsräume denken möchte. Zeltartig zuſammengeſtellte Stangen, die mit Reiſig oder Schilf verflochten und mit Lehm beworfen waren, bildeten den Oberbau, deſſen Reſte als rotgebrannte, mit den Röhren der kiſte und Schilf⸗ ſtengel durchſetzte Lehm⸗ brocken im Boden noch ge⸗ funden werden. In den Grundder hütten aberbettete man die llſche des haus⸗ herrn ein und legte ſeinen Lieblingsſchmuck bei, den er vielleicht ſelbſt in mühſamer Krbeit verfertigt hatte: die Kbb. 1. Neolithiſche Wohngrube bei Praunheim. Halskette, die er einſt mit Stolz getragen hatte, oder das mulett, das ihm oft hilfe gewährt hatte im Kampfe mit den Wölfen und Bären des Waldes oder ſonſt in des Lebens krauſem Spiele. Dieſe neolithiſchen Gräber in der Umgegend von Frankfurt mit ihren ganz eigenartigen Beigaben haben der geſamten prähiſtoriſchen Forſchung neue und weite perſpektiven eröffnet, zunächſt ſchon deshalb, weil ſie ſämtlich Brandgräber waren. hatte man doch