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Bezeichnung, so sollen wir uns wohl hüten, den Spielraum, den er der Phantasie des Hlörers lässt, durch willkührliches Deuteln zu beengen. Gibt er aber durch umschreibende Wiederholung oder durch den sachlichen Zusammenhang der bei dem Wort erweckten Vorstellung eine be- stimmte Färbung, so sollen wir zunächst durch sorgfältige Vergleichung des Homerischen Sprach- gebrauchs, ja wo dieser nicht ausreicht, durch besonnene Benutzung der späteren griechischen Erklärer den vagen Umriss zu einem deutlichen Bild zu gestalten suchen. Letronne hat meiner Meinung nach in beiderlei Hinsicht sich nicht ganz tadelfrei bewahrt, vgl. a. a. O. S. 304. In Er- klärung der Homer. Stellen nimmt er z. B. 06d. 14, 78 und 112 ohne weitere Begründung*ιοσοιεονο und axgoc mit Eustathius für ein und dasselbe Gefäss, nicht etwa bloss für einerlei Geräthe, wäh- rend doch der Zusammenhang eine Unterscheidung zu verlangen scheint.(S. unten.) Bei Ver- gleichung des späteren Sprachgebrauchs und der Erklärungen der Grammatiker ist er aber mehr bemüht, die Widersprüche hervorzuheben, als durch Ausscheidung des Unwesentlichen oder zu allgemein Gehaltenen etwas Positives zu ermitteln.
Wir befolgen also zwar Letronne's Princip, nicht willkührlich den allgemeinen Ausdruck eines Dichters einer bestimmten technischen Form anzupassen, lassen uns aber nicht einreden, dass*εοαοαtονo für den Dichter oder seine Hörer ganz unbestimmt„ein ländliches, wahrscheinlich hölzernes Gefäss“ gewesen. Wenn auch immerhin dasselbe Wort nach Gebrauch und Grösse verschiedene Gefässe desselben Grundtypus bezeichnen kann, wie diess Gerhard(Berlin's antike Bildwerke Th. I. Anhang) in so vielen Beispielen nachgewiesen hat, so verlangen doch die einzelnen Stellen des Dichters eine bestimmtere Vorstellung. Wir müssen wissen, ob man bei dem Wort z. B. an einen Becher, an eine Kanne oder an einen Melkkäbel zu denken habe, oder, wenn an mehreres zugleich, in wieſern und warum dieses.
1) Entscheidend kann bei der ganzen Untersuchung über das Homerische ιιασαεον nur das sein, was aus Homer selbst oder der Natur der Sache folgt.
2) Dann gilt es, die verschiedenen Nuancen des späteren Sprachgebrauchs mit dem Ergeb- niss aus den Glossen alter Grammatiker zusammenzustellen, die gerade diess Wort zu erklären bemüht waren. ²)
3) Endlich mögen auch Ueberreste antiker Kunst verglichen werden, insofern sie zur Ter- anschaulichung der in n. 2. gewonnenen Resultate dienen können.
Die Ergebnisse von n. 2 und 3, wiewohl sie nur in soweit Werth haben, als sie mit n. 1. in Einklang zu bringen sind, sind deshalb keineswegs zu verschmähen. Geben sie doch die Vorstellung der späteren Griechen von ihrem Homer und diese ist in Dingen, die sich nicht àa priori oder aus dem Schriftsteller selbst ermitteln lassen, unsere beste und einzige Quelle. Vorsichtige Benutzung derselben ist ebenso zu empfehlen, als man es tadeln muss, wenn wir misstrauisch gegen alles daraus Abgeleitete sind, weil Einzelnes offenbar unrichtig, Anderes wenigstens mit unserer vorgefassten Meinung in Widerspruch ist.
2) Dass man schon im Alterthum eacißtov nicht ganz allgemein als ein ländliches hölzernes Gefäss, sondern für eine bestimmte Art Trinkgefäss genommen, lehren die Worte des Athenäus p. 477, a: Eöhoxwoc 5½ Tvoο ¹ woriipioo, 1o²c, Prai, zar d́gydc ix iodi o arao*²ao—y 65Lon, noch deutlicher aber die folgenden Worte des Etymol. Graeci Parisiensis cod. 2631 bei Cramer Anecd. Paris. vol. IV.„. 36, die eine recht gute Ueber- sicht über die verschiedenen Erklärungsarten des Wortes geben KIExV'BION;'Ex zll*αο ewotnhévov woriptov, voha zptov wornpion, c pizXetov, † kxov uocbv 3adev, † cirha Jd)axroc,(oder soll 6. z. sein= wap 5yGba 2t pvladvoy O„i*eo*).


