Aufsatz 
Die Feldzüge Robert Guiscard's gegen das byzantinische Reich : nach den Quellen dargestellt / Karl Schwartz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

20

Als die ernste Stunde herannahte, versammelte Herzog Roberi den normannischen Kriegsadel von neuem zu einer letzten Berathung um sich und sprach:*)Ihr wisset, Waffengefährten, warum wir unser Beimatland verlassen und den Boden, auf welchem wir jetzt stehen, betreten haben. Die Schmach wollten wir rächen, welche der Thronräuber Nicephorus dem Kaiser Michael, mit welchem ich ein enges Verwandt- schaftsband zu knüpfen gedachte, und meiner Tochter Helena zugefügt hatte. Dieser Nichtswürdige hat nun den verdienten Lohn empfangen; aber uns steht jetzt ein viel gefährlicherer Feind gegenüber, der junge Kaiser Alexius, der auf einer so kurzen Heldenlaufbahn schon so viele Proben gegeben, dass er den Krieg aus dem Grunde versteht und Tapferkeit mit Vorsicht und Entschlossenheit verbindet. Ungeheuer ist, ihr schet es, die Uebermacht, mit welcher wir den Kampf zu bestehen haben; rings um uns her sind die Anhöhen mit Fahnen und Waffen bedeckt, und Niemanden kann es entgehen, dass eine entscheidende und gefahrvolle Stunde für uns herrannaht. Wir sind in eine Lage gerathen, in welcher offenbar nichts Rettung zu bringen vermag als feste Einigkeit und unbedingter Gehorsam. Wo viele gebieten, da herrscht Unordnung und Verwirrung, wie sie aus dem Widerstreite der Meinungen und Wünsche nothwendig entspringen muss.**) Wir müssen einen Anführer uns wählen, zu dem wir volles, unbeschränktes Vertrauen haben, dem wir in Allem, was er von uns verlangt, um uns aus solcher Lage zu retien, unverweigerlich zu folgen entschlossen sind. Dieser Anführer soll aber nicht in vermessenem Uebermuthe den Andern nach Willkür Befehle ertheilen, son- dern, bevor er einen Entschluss fasst, die Meinung seiner Untergebenen erforschen; diese sollen freimüthig sagen, was ihnen das Beste scheint, dann aber auch den Befehlen des Anführers sich unbedingt unterwerfen, sobald dieser, nachdem er Alles aufs sorgfälltigste geprüft und erwogen, seinen Entschluss gefasst hat. Wohlan, Kriegsgefährten, vergesset in diesem Augenblicke, dass ich euer Herzog bin, und wählet den aus eurer Mitte zu eurem Oberfeldherrn, in dessen Kopf und Arm ihr das meiste Vertrauen setzet. Ihm, der durch eure Wahl zu unserem Oberhaupte erhoben sein wird, will ich mich freudig unterwerfen und allen seinen Befehlen unweigerlich gehorchen. Da erklärten alle Ritter mit lautem, einstimmigem Zurufe, dass sie der Führung des Herzogs sich auch fernerhin mit Freuden überlassen und alle seine Befehle mit vollem Vertrauen vollziehen würden.Wohlan denn, Waffengenossen«, fuhr jetzt der Herzog fort,»vernehmet meinen Rath. Lasset uns an nichts denken als an Kampf und Sieg, und zum Beweise, dass wir nur noch im Siege Ret- tung hoffen, lasset uns unser Lager und unser ganzes Gepäck verbrennen, unsere Lastschiffe aber durch- bohren und versenken. Das Alles, was wir jeizt vernichten, ist für uns werthlos, wenn wir besiegt wer- den; verleihet uns aber Gott den Sieg, so haben wir Alles, was wir wünschen, in Ueberfluss und reichen Ersatz für das, was wir verloren. Der nächste Morgen bringt uns den Tag der grossen Entscheidung. Wohlan! Lasset uns die Schlacht gegen Alexius so schlagen als ob der Wahlplatz, auf welchem wir stehen, der Ort unserer Geburt wäre und unserer Bestattung.**ε*α) Auch dieser Rath des Herzogs wurde durch einstim- migen Zuruf gebilligt und ohne Verzug traf man die zur Ausführung desselben erforderlichen Anstalten. Bis um Mitternacht wachte der Herzog, mit den Vorbereitungen für die Schlacht beschäftigt; dann wurde er von Bohemund abgelöst und gönnte sich eine kurze Ruhe. Mit dem ersten Schimmer des Tages er- hob er sich und begab sich mit seinen Getreuen in die an der Meeresküste gelegene Kirche des heiligen

*) Anna IV, 5(p. 205 sq.). 4 A .c) Anna IV, 5(p. 206): Gnov ydo o⁵αανονρα, νε α σενννοσ⁸, s*αmσον ν⁴υμρμννν mσμρνð(ό xoε⁵λιν ꝙτα Ty&fGνονς. *) Anna IV, 5(P. 206): nœl oires ri her' doν dvadtᷣᷣeodat ernr, de ThricotaerrnOderae van reOofevorg.