Aufsatz 
Die Feldzüge Robert Guiscard's gegen das byzantinische Reich : nach den Quellen dargestellt / Karl Schwartz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15

gestritten, indem die grössere Gewandtheit der in Seetreffen geübten Venetianer der verwegenen Kühn- heit und handfesten Tapferkeit ihrer Gegner lange das Gleichgewicht hielt. Mit der sinkenden Sonne neigte sich endlich der Sieg entschieden auf die Seite der Normannen. Die erschöpften Venetianer baten um einen Waſfenstillstand bis zum folgenden Tage, mit der Erklärung, einen billigen Frieden mit dem Herzoge unterhandeln und in die Forderungen desselben sich bereitwillig fügen zu wollen. Bohemund gewährte ihre Bitte und führte seine Flotte zu ihrem Ankerplatze zurück, wo seine Krieger des stolzen Gedankens sich freuten, mit der ersten Seemacht der Welt ihre Kräfte gemessen zu haben und ihr nicht unterlegen zu sein.

Die Venetianer aber trafen in der Nacht alle Vorbereitungen, am folgenden Tage den Kampf mit besserem Erfolge erneuern zu können. Da die gegen Abend eingetretene Windstille sie dem Ufer sich zu nähern hinderte, so bildeten sie, indem sie ihre grösseren Schiffe mit Tauen an einander befestigten, einen sogenannten Meerhafen. Die Kriegsschiffe wurden aller Vorräthe und aller Gegenstände, welche die leichte Bewegung derselben hindern konnten, entladen; die Kähne, welche die grösseren Schiffe begleiteten, wur- den mit Stricken an den Masten der letzteren hinaufgezogen und an denselben befestigt. Jeder dieser Kähne erhielt, nachdem er mit Steinen, Wurfspiessen und schweren, ellenlangen, mit eisernen Spitzen be- schlagenen Klötzen beladen war, eine Besatzung von zwei bis drei Mann, welche gleichsam wie von den Thürmen einer Festung aus den Kampf ihrer Waffengefährten unterstützen und jene Wurfgeschosse auf die feindlichen Schiffe schleudern sollten. Als nun in der Frühe des folgenden Tages Bohemund an der Spitze seiner Flotte den Venetianern sich näherte und sie zur Erfüllung ihrer am gestrigen Tage gegebenen Zu- sage aufforderte, wurde er mit schallendem Hohngelächter empfangen und sogleich mit Ungestüm ange- griſfen Die auf den Kampf nicht vorbereiteten Normannen zogen sich nach schwachem Widerstande in ihren Hafen zurück, die Venetianer aber liefen ungehindert in den Hafen von Durazzo ein, wo sie von den Einwohnern und der Besatzung mit Jubel empfangen wurden. Den ganzen Tag hindurch herrschte nun in der Stadt und auf den venetianischen Schiffen ein lauter, fröhlicher Verkehr zwischen den Belagerten und ihren mit Sehnsucht erwarteten Befreiern. In der Nacht aber rüsteten sich die Venetianer beim Scheine des Mondes zu einer entscheidenden Seeschlacht, bei welcher sie sich die völlige Vernichtung der Feinde, zu der auch Palaeologus durch einen nachdrücklichen Ausfall der Besatzung mitzuwirken sich anschickte, zum Ziele setzten.

Mit Tagesanbruch setzten sich die Venetianer unter dem Schalle der Trompeten gegen die feindliche Flotte in Bewegung, während zugleich Paläologus an der Spitze der Besatzung zum Kampfe ausrückte und auch Herzog Robert mit seinen Truppen die Verschanzungen des Lagers verliess, um den Seinigen jede mögliche Unterstützung zu gewähren. Ein hartnäckiger, erbitterter Kampf erhob sich, bei welchem die Normannen die Vortheile, welche die Venetianer in der grösseren Geschicklichkeit ihrer Seeleute sowie in der besseren Beschaffenheit und Ausrüstung ihrer Schiffe hatten und trefflich zu benutzen verstanden, durch Muth und Ausdauer auszugleichen sich bemühten. Ein für die Normannen ungünstiger Umstand war es, dass die ragusanischen Fahrzeuge nur aus der Ferne durch Wurfgeschosse an dem Kampfe sich betheiligten und sich vom Ufer nicht zu entfernen wagten, wo ihnen das Landheer des Herzogs Schutz gewährte, aber gleichwol nicht verhindern konnte, dass einige jener Fahrzeuge von ihren Tauen losgeschnitten und von den Venetianern fortgeführt wurden. Auch von dem griechischen Feuer, welches in jener Zeit sowol bei Belagerungen von Städten als auch bei Seegefechten mit so entscheidendem Erfolge angewandt wurde, machten die Venetianer Gebrauch, und namentlich war es ein vortreffliches normannisches Schiff,der Kater genannt, welches durch dieses furchthare Zerstörungsmittel völlig vernichlet wurde; was indessen die Nor-