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Die Einwohner von Durazzo erkannten bald aus den Anstalten Robert's, dass er es auf ein ernsteres Unternehmen abgesehen habe, nicht abér, wie viele anfangs geglaubt haben mochten, auf einen blossen Streifzug, von welchem er, durch Beute bereichert, wieder in seine Heimat zurückkehren würde. Die Kunde von dem Schicksale benachbarter Orte, welche zerstört oder ausgeplündert worden waren, machte besonders die venetianischen und italiänischen Kaufleute, welche sich des Handels wegen in Durazzo nie- dergelassen hatten, für ihr Eigenthum und Leben besorgt, wenn die Stadt mit bewaffneter Hand eingenommen werden würde. Paläologus aber ermunterte Besatzung und Einwohner zum tapfern, ausdauernden Widerstande und richtete mit ausgezeichneter Thätigkeit und Umsicht Alles zu einer hartnäckigen Vertheidigung ein. Auch durch Gesandte verkehrte er mit Robert, und als ihm derselbe auf seine Frage nach der eigentlichen Ab- sicht seiner Unternehmung die Antwort ertheilte, dass er gekommen sei, um den Kaiser Michael auf den Thron, von welchem er unrechtmässiger Weise vertrieben worden, zurückzuführen, liess er dem Herzoge erwiedern, dass er, wenn der Fremde, der sich bei dem Heere der Belagerer beſinde, wirklich der Kaiser Michael sei, demselben unverzüglich die Thore der Festung öffnen werde. In prachtvoller Kleidung näherte sich nun, unter dem Klange der Trompeten und Cymbeln, der angebliche Michael der Stadt, musste aber hier die Demülhigung erfahren, dass man ihm unter höhnendem Gelächter von den Mauern herab zurief, er solle nur wieder dahin zurückkehren, woher er gekommen, und die Rolle eines Kaisers zu spielen auf- hören, da man in ihm nicht den Kaiser Michacl, sondern einen der minderen Mundschenken erkenne, der einst im Palaste zu Constantinopel gedient habe*)
Werfen wir nun einen Blick auf die Lage des Kaisers Alexius I und die Massregeln, welche er ergriff, um sich gegen die ihm von dem Normannenherzoge drohende Gefahr zu schützen. Der junge Kaiser hatte, obgleich er das drei und dreissigste Lebensjahr noch nicht überschritten, sich schon bei mehreren Veranlassun- gen, namentlich durch die Unterdrückung der von Nicephorus Bryennius und Basilacius gegen seinen Vorgänger erhobenen Aufstände, als tüchtigen Feldherrn und muthvollen Krieger bewährt und viele Proben seiner Wil- lenskraft und Entschlossenheit, seiner Umsicht und Staatsklugheit gegeben.**) Bei seinem Regierungsantritte fand er das von zwei Seiten, im Westen von den Normannen und im Osten von den Türken, bedrohte Reich in in der traurigsten Lage.**) Die Staatscasse war erschöpft, das Kriegswesen völlig in Verfall gerathen, das Heer wenig zahlreich, ungeübt, und entmuthigt.****) Dazu kam, dass Alexius auf die Treue mancher Befchlshaber und Statthalter in den Provinzen, welche ihn als einen zum Throne nicht berechtigten Empor- kömmling betrachteten, sich wenig verlassen konnte. Zu diesen gehörte auch Monomachates, der unter der Regierung des Kaisers Nicephorus in Durazzo, also gerade an der am meisten bedrohten Stelle des Rei- ches, den Oberbefehl führte. An ihn hatte sich Alexius, als er gegen Nicephorus die Waffen erhob, mit der Bitte um seine Anerkennung als Kaiser und um eine Geldunterstützung gewandt, Monomachates aber ihm die Antwort ertheilt, dass er dem Kaiser Nicephorus Treue geschworen und sich dem Alexius erst dann unterwerfen werde, wenn sieh das Kriegsglück für denselben entschieden haben würde, eine Geldunter- stützung aber zu gewähren völlig ausser Stande sei.*****) Als später Alexius als Sieger in Constantinopel
*) Guill. Ap. IV, 259 sq.(p. 284.): Unanimi cives, hunc ut videre, cachinno Visum derident dicentes: Iste solebat Crateras mensis plenos deferre Lyaeo, Et de pincernis erat inferioribus unus. **) Niceph. Bryenn. IV, 28.—***) Anna III, 9(p. 169 sq.). **) Anna a. a. O. sagt, das ganze Heer ihres Vaters habe aus 300 Mann aus Choma(Landschaft im alten
Lycien) bestanden.—*****) Anna I, 16(p. 79).


