Aufsatz 
Die Feldzüge Robert Guiscard's gegen das byzantinische Reich : nach den Quellen dargestellt / Karl Schwartz
Entstehung
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theilte er die gesammien Streitkräfte mit Bohemund, welcher die seinem Oberbefehle anvertraute Abthei- lung auf dem Landwege nach Durazzo führen sollte, während der Herzog zur See mit der andern Ab- theilung ebendahin aufbrach. Schon hatte Robert die Insel Korfu im Rücken, als er in der Nähe des Vor- gebirges Glossa, bei den schon im Alterthume von lden Seefahrern so gefürchteten akroceraunischen Felsen*), von einem heftigen Sturme befallen wurde. Ein tobender Südwind empörte die Wogen des adria- tischen Meeres; viele Schiffe wurden gegen die Felsen geschleudert, andere von den Wellen verschlungen, nachdem der Sturm Maste und Ruderbänke zerschmettert oder weggerissen hatte; die See und die Küslte waren weithin mit Trümmern der Fahrzeuge, mit Waffen und Leichnamen bedeckt. Von den Transport- schiſfen wurden nur wenige gerettet und der grösste Theil der Vorräthe war entweder zu Grunde gegangen oder verdorben, ein Verlust, der allein schon für das Unternehmen verderbliche Folgen haben musste, wenn er nicht glücklicher Weise durch die bevorstehende Ernte hätte ersetzt werden können. Der Herzog, dessen Galere halbzertrümmert aus den Wellen hervorgezogen wurde, liess sich durch dieses erste Miss- geschick nicht niederbeugen und bemühte sich auf jede Weise, den Muth seiner Krieger wieder zu beleben. In der Stadt Glabinitza, welche früher deu Namen Akroceraunia führte und Valona gegenüber auf dem Vor- gebirge Glossa lag, verweilte er sieben Tage, um die Schiffe nach Möglichkeit auszubessern und dem Heere die nöthige Erholung zu Theil werden zu lassen, und brach dann, nachdem er sich mit dem unter Bohe- mund's Anführung heranziehenden Heerestheile vereinigt hatte, mit seinen gesammten Streitkräften gegen Durazzo auf, dessen Einnahme er als entscheidend für den nächsten Erfolg des Feldzuges betrachtete.**)

Diese Stadt, der Schlüssel des griechischen Reiches von der Westseite, liess einen hartnäckigen Wi- derstand erwarten, da die Tapferkeit der Albanesen, welche durch alle Zeiten bis auf die Gegenwart den Ruhm ausgezcichneter Soldaten behauptet haben, durch die vortrefflichen Festungswerke noch unterstützt wurde, und überdies der Stadt, wie der Herzog bereits bei seiner Anwesenheit in Brindisi erfahren hatte. vor kurzem das Glück zu Theil geworden war, in der Person des Prinzen Georg Paläologus einen Com- mandanten zu erhalten, der alle Eigenschaften in sich vereinigte, welche seine schwierige Stellung erheischte. Der Herzog bezog in Entfernung eines Pfeilschusses von der Stadt, gegenüber dem Platze wo seine Flotte vor Anker gegangen war, an einer sehr günstig gelegenen Stelle, ein Lager, und nachdem er das- selbe durch Verschanzungen befestigt und Alles zum Sturme Erforderliche vorbereitet und hergerichtet hatte, eröffnete er die Belagerung der Stadt am 16. Juni 1081, um sich, wenn irgend möglich, bevor von aussen irgend eine Hilfe nahte, des wichtigen Platzes zu bemächtigen.***)

erwähnte Orte. Die Stadt Bronditza, welche auf der Karte Nr. 61 im Innern von Epirus vorkommt, kann unser Bundicia nicht sein, da diese Stadt, wie sich aus obigen Stellen ergibt, an der Meeresküste lag. Sie ist in der Nähe von Oricus zu suchen, welche Stadt bei den Schriftstellern des Mittelalters gewöhnlich Jericho heisst. Auffallend ist der Irrthum Niebuhr's(Länder und Völkerkunde Bd. 1, S. 50), welcher angibt, dass Robert Guis- card auch Korinth eingenommen habe. Dahin ist derselbe nie gekommen. Vielleicht ist dieser Irrthum durch eine Verwechselung von Korypho(Korfu) mit Korinth veranlasst worden.

*) Hor. carm. I, 3, 20: Infames scopulos Acroceraunia.

**) Die Beschreibung des Sturmes bei Anna III, 12(p. 183 sq.). Das bei Spruner auf der Karte Nr. 5 nörd- lich von Durazzo angegebene Vorgebirge Glossa(jetzt Capo di Durazzo) kann natürlich hier nicht gemeint sein, sondern bei dem weiter südlich bei Acroceraunia gelegenen Vorgebirge Glossa(mehrere Vorgebirge führten die- sen Namen), welches jetzt C. Linguetta heisst und bei Spruner nicht angegeben ist, wurde Robert vom Sturme befallen.

*½) Anna IV, 1(p. 187); Anon. Bar, a. 1081(p. 153 Mur); Lup. Prot. a. 1081(p. 60); Ord. Vit. 7(Ducange

not, ad Alex. p. 48 Ven.). 4* 92