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pörer den Thron des unwürdigen Kaisers befestigt hatte, aber für seine Verdienste mit Undank belohnt und überdies durch Misstrauen und Kränkungen vielfach gereizt worden war, der Herrschaft beraubt worden. Von den Legionen in Thracien zum Kaiser ausgerufen, drang der kühne Alexius, der, ein Neffe des vormaligen Kaisers Isaac Comnenus, diesem an kriegerischer Tüchtigkeit gleichkam und bei dem Heere in grossem An- schen stand, an der Spitze einer Schaar deutscher und slavischer Söldlinge gegen Adrianopel vor, wo er zum Kaiser gewählt wurde, zog dann(am 1. April 1081) als Sieger in Constantinopel ein, welches drei Tage hindurch von seinen Kriegern geplündert wurde, und liess sich feierlich zum Kaiser krönen. Seinem feigen Gegner Nicephorus, der sich in die Sophienkirche geflüchtet hatte, wies er ein Kloster zum Aufenthalte an; dagegen behandelte er die Familie des vormaligen Kaisers Michael mit ausgezeichneter Grossmuth, wie er denn namentlich der Witwe desselben, Maria Augusta, welche der nichtswürdige Nicephorus nach seiner Thronbesteigung und zwar noch bei Lebzeiten Michael's gezwungen hatte, sich mit ihm zu vermählen, seinen vollkommenen Schutz verhiess und ihrem und Michael's Sohne, dem jungen Constantin, die Erlaub- niss ertheilte, eine Krone und Purpurschuhe zu tragen, sich des Kaisertitels zu bedienen und Antheil an der Regierung zu nehmen.*) Mit der freundlichsten Güte benahm sich der neue Kaiser auch gegen die junge Helena, Constantin's Verlobte, welcher er die grössten Ehrenbezeugungen erwies, in der Hoffnung, dadurch ihren Vater, den Herzog Robert, von dessen Rüstungen er vernommen hatte, von der Ausführung seiner Pläne auf das griechische Reich abzulenken.**)
Aber weder diese Thronveränderung noch selbst die bedenkliche Verwickelung, welche durch das Erscheinen des deutschen Königs Heinrich's IV in den politischen Verhältnissen der Halbinsel herbeigeführt wurde, brachte in den Entschliessungen Robert's irgend eine Veränderung hervor. Heinrich hatte im März 1081 den Feldzug nach Italien angetreten und das Osterfest bereits zu Verona gefeiert, war von da über Ravenna nach Rom gezogen, welches er am Tage vor Pfingsten zu belagern begann, in der Absicht, den Erzbischof Guibert von Ravenna, der bereits am 25. Juni auf der von deutschen und italiänischen Bischöfen sowie von Heinrich selbst besuchten Synode zu Brixen an die Stelle Gregor's, dessen Absetzung zugleich ausgesprochen wurde, zum Papste gewählt worden war, in diese Würde einzusetzen. Schon von Ravenna aus hatte Heinrich(April 1081) mit dem mächtigen und gefürchteten Normannenherzoge durch Gesandte Unterhandlungen angeknüpft und ihm, in der Hoffnung, die Hilfe desselben gegen Gregor und dessen An- hänger in Italien zu erhalten, einen Theil des päpstlichen Gebietes als Lehen angeboten, auch sich eine Tochter des Herzogs zur künftigen Gemahlin für seinen damals erst siebenjährigen Sohn Konrad erbeten. Robert liess sich auf keinen dieser Anträge ein und ertheilte den Gesandten des Königs eine höflich ab- lehnende Antwort.“***) Ebensowenig aper konnte er durch Gregor's dringende Bitten, welcher, als Heinrich an der Spitze seines Heeres sich Rom näherte, durch Gesandte den Herzog um Hilfe bat und ihn durch den Abt Desiderius an seine Lehenspflicht erinnern liess,****) bewogen werden, die beschlossene Unternehmung
*) Zonaras XVIII, 20(p. 231 Ven.); Anna II, 10 p. 123 und III, 4 p. 150; Guill. Ap. IV, 142 sd.(p. 282 Pertz). **) Guill. Ap. IV, 155 p. 282 Pertz):
Roberti genitae non parvum blandus honorem
Exhibet, audierat quem volle venire, laborans
Pacificare ducem, quo sic aveèertere mentem Posset ab inceptis.
⁴) Guill. Ap. IV, 171(p. 283 Pertz). .*) Regest. Greg. IX, 4 u. 11.


