Aufsatz 
Die Feldzüge Robert Guiscard's gegen das byzantinische Reich : nach den Quellen dargestellt / Karl Schwartz
Entstehung
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(Mitte November 1079) auf einer Synode zu Rom den Bann über den Thronräuber Nicephorus ausge- sprochen hatte,*) nach Rom zurückkehrte, suchte er das von Robert beabsichtigte Unternehmen dadurch zu fördern, dass er in einem eindringlichen Schreiben an die Bischöfe von Apulien und Calabrien die Ermahnung richtete, nach allen Kräften dahin zu wirken, dass die Truppen, welche der Herzog Robert zur Wiedereinsetzung des wider alles Recht seiner Herrschaft beraubten Kaisers Michael verwenden würde, in der Treue gegen den Herzog ausharrten und das Unternehmen desselben mit muthigem Eifer unterstützten.**)

Diese Mitwirkung der Bischöfe musste dem Herzoge um so erwünschter sein, als sich in seinen Staaten nur wenig Eifer für seine Unternehmung zeigte, indem Viele aus dem normannischen Adel sich den ruhigen Genuss ihrer mit so vieler Anstrengung erkämpften Besitzthümer wünschten, die unkriegerischen Apulier und Calabrier aber sich sehr vor den Gefahren eines Feldzuges jenseit des Meeres fürchteten. Der Herzog musste, wo seine Bitten und Versprechungen nicht halfen, zu Drohungen und harten Massregeln

schreiten, und so gelang es ihm, durch das Anschen der Kirche unterstützt, seinen Werbungen allmählich

einen günstigen Fortgang zu verschaffen.***)

Bevor noch diese beendigt waren, erschien am Hofe des Herzogs zu Salerno ein unbekannter Grieche, welcher unter vielen Thränen betheuerte, er sei der von Nicephorus entthronte Kaiser Michael, und komme jetzt, nachdem es ihm gelungen, aus dem Kloster, in welches ihn der Empörer verwiesen habe, zu entfliehen, nach Ialien, um Robert's Schutz und Unterstützung zu erflehen. Der Herzog empfing den Fremdling mit freundli- cher Güte, liess demselben kaiserliche Ehren erweisen und ihn in feierlichem Aufzuge durch alle Städte Apu- liens und Calabriens führen, wo er ihn dem versammelten Volke als den unglücklichen Kaiser Michael zeigte, dem er den verlornen Thron wiederzuerkämpfen entschlossen sei. Zwar äusserten an Robert's

*) Die Beschlüsse dieser Synode bei Mansi XX, 508 ff. *) Regest. Greg. VII lib. VIII, epist. 5 u. 6. Dass übrigens Gregor dem Normannenherzoge auch die Zusage gegeben habe, ihn auf den rõmisch-deutschen Kaiserthron zu erheben, was ausser Anna I, 13 p. 65 und Guill. Ap. IV, 30 u. 31(p. 280 Pertz) auch noch zwei spätere Chronisten, Richard Cluniac. und Ptolem. Lucens. ange- ben, ist höchst unwahrscheinlich und wird von Wilhelm von Apulien auch nur als ein Gerücht angeführt: Romani regni sibi promisisse coronam Papa ferebatur. **⁸½) Guill. Ap. IV, 128(p. 282 Pertz): Insolitum multis iter illud et acre videtur; Praecipue quibus uxores et pignora cara In domihus fuerant, non exercere volebant Militiam talem; sed verba minantia blandis Dux addens precibus, multos properare coegit. Anna I, 14 p. 68 u. 69 trägt bei Schilderung der Gewaltmassregeln, deren sich der ihr so verhasste Robert bediente, um ein möglichst zahlreiches Heer zusammenzubringen, die Farben, wie gewöhnlich, zu stark auf: a Ir doeer xal adxe aud ueiεασα⁵ρανσ ᷣν»έονte drνοοονε oiεou, ol ud O- 6elOιςσς Ʒναιο εεα 7uεντο, Trs O&*εεfe ove ddœed va donlo aœτoras nc rôsoy duε‿ς πἀern ννμννμά relvovrag a xar drονμαα αᷣovrag, Sreidd Sadeir eEiv. Dies sind lächerliche Uebertreibungen. Malaterra III, 24(p. 582) spricht zwar ebenfalls von einem imbecille vulgus, cuius pars maxima in expeditione erat; doch meint er hier offenbar die grosse Masse des Heeres im Gegensatze zu den normannischen Rittern, welche den Kern desselben bildeten. Die Prinzessin Anna vergisst hier einmal, dass der Ruhm ihres Vaters, des Kaisers Alexius, den sie doch so oft auf Kosten der historischen Wahrheit zu erhöhen bemüht ist, unmöglich dabei gewinnen konnte, wenn derselbe einem so elenden Heere unterliegen musste.