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Maria Augusta und den jungen Constantinus in ein Kloster verwies, Robert's Tochter aber in Constantinopel ge- fangen hielt,*) so erklärte dieser, dass es seine Ehre verlange, an dem Empörer Rache zu nehmen, und betrieb sofort zu einem Feldzuge gegen denselben die umfassendsten Rüstungen und Vorbereitungen, welche zwei Jahre hindurch seine Thätigkeit in Anspruch nahmen. Unterbrochen wurde dieselbe zwar durch die Em- pörungen einiger Städte Unteritaliens, welche sich nur mit Widerwillen der Normannenherrschaſt gefügt hatten; doch nachdem Robert Tarent und Castallaneta unterworfen(April 1080), Trani erobert und auch Bari, den vormaligen Sitz der griechischen Katapane, durch einen Sieg über den Grafen Petronius, der an der Spitze der Empörer stand, zum Gehorsam zurückgebracht hatte, war wenigstens äusserlich die Ruhe wiederhergestellt.**⁴)
Noch in demselben Jahre erfüllte sich der Wunsch Roberts, sein Zerwürfniss mit dem Papste Gregor VII, durch welches sein Ansehen bei seinen neuen Unterthanen sehr gefährdet wurde, beendigt zu sehen. Der Papst hatte 1074 den Bann über Robert ausgesprochen, weil derselbe sich weigerte, ihm gleich andern Fürsten Italiens den Lehenseid zu leisten*uε), und diesen Bannspruch 1078 auf der Kirchenversammlung zu Rom erneuert, weil Robert Benevent, über welches Gregor das Oberlehnsrecht in Anspruch nahm, be- lagerte und einige andere Landschaften, welche derselbe als Kirchengut betrachtete, in Besitz genommen hatte.***ε) Der berühmte Abt Desiderius von Montecasino vermittelte die Aussöhnung, welche auch für Gregor sehr erwünscht sein musste, da sich sein Gegner, der deutsche König Heinrich IV, bereits zu einem Feldzuge nach Italien anschickte und er gegen diesen und die zahlreichen Anhänger desselben eines mächtigen Be- schützers bedurfte. Zu Ciprano*rsRR) unweit Aquino fand die Zusammenkunft statt(29. Juni 1080), bei welcher die bisherigen Gegner sich versöhnten und eine Verbindung schlossen, die bis an ihren Tod nicht wieder gelöst wurde. Als Robert dem Papste zu Füssen gefallen war und um Vergebung gefleht hatte, hob dieser ihn auf und pflog mit ihm nach Entfernung des Gefolges eine lange Unterredung; worauf Robert dem Papste auf das Evangelienbuch Treue gelobte und den Vasalleneid leistete, dafür aber von diesem durch ein Fühnlein mit Calabrien und Apulien, mit Ausnahme jedoch von Salerno, Amalfi und einem Theile der Mark Fermo, belehnt wurde.*rrs) Noch bevor Gregor, der bereits im vorhergehenden Jahre
*) Gaufredus Malaterra III, 13(Historia Sicula ap. Murat. Scriptt. Rer. Ital. V, p. 579) sagt: Ipse quoque Allas (Constantinus) ne spe aliqua recuperandi palatii vel deductae uxoris procurandae propaginis reservaretur, turpiter eunuchizatus, usque ad exitum vitae exilio relegatus est. Die hier angegebene Verstümmelung Constantin's, welche nach Malaterra auch von neueren Schrittstellern(z. B. von Raumer Gesch. der Hohenst. I, 565) angeführt wird, ist ebenso unbegründet wie die Nachricht bei Ordericus Vitalis(VII, 640), dass Nicephorus den Constantinus habe blenden lassen. Letzterer wurde bekanntlich später verlobht mit Anna Comnena, welche ihn in der Alexias I, 10 p. 50 und I, 12 p. 57 erwähnt und als ein wahres Wunder von Schönheit beschreibt, starb aber noch vor der Hochzeit. S. auch Zonar. XVIII, 23 p. 234 Ven.
**) Chron. Brev. Nortm. a. 1080(Murat. V, 278); Lupus Protospat. a. 1080(Pertz V, 60); Anon. Bar. a. 1080(Murat. V, 158); Leo Ost. III, 44(Pertz VII, 734).
***) Die Beschlüsse bei Mansi Goll. Conc XX und die der römischen Kirchenversammlung v. J. 1078 bei Co- leti Coll. Conc. XII, 615.
.*) Amat. VIII, 32. Die Bannformel lautete: Excommunicamus omnes Nortmannos, qui invadere terram Sancti Petri laborant, videlicet marchiam Firmanam, ducatum Spoletanum et eos qui Beneventum obsident.
...*) Hier und nicht zu Benevent, wie Anna Comn. und Guill. Apul. irrthümlich angeben, fand die Zusam- menkunft statt. Der betreffende Brief Gregor's(lib. VIII) führt die Aufschrift: Actum Ciprani III. Kal. Julii. S. die Abhandlung von Dr. Roger Wilmans über Wilhelm von Apulien in Pertz Archiv X, 95.
*) Card. Nicol. Aragon. Vita Gregorii VII(Tom. III, part. I rer. Ital.); Guill. Ap. IV, 16 u. 69(p. 280 u. 281 Pertz); Chron. Nortm. a. 1080(p. 278 Murat.) 1*


