Aufsatz 
Die Feldzüge Robert Guiscard's gegen das byzantinische Reich : nach den Quellen dargestellt / Karl Schwartz
Entstehung
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Jahren nicht nur ganz Apulien und Calabrien seiner Herrschaft unterwerſen, sondern auch noch seinen jüngern Bruder Roger in der Eroberung Siciliens, welches dieser nach dreissigjährigen schweren Kämpfen den Arabern entriss, unterstützen konnte. Der Besitz der schönen Landschaſten, den er wenigstens von aussen als völlig gesichert betrachten konnte, da er weder von dem deutschen noch von dem griechischen Kaiser irgend etwas zu fürchten hatte, befriedigte indessen weder seinen Ehrgeiz noch seine Unterneh- mungslust und anstatt den Rest seines bewegten Lebens der Befestigung seiner Macht und der Verwal- tung seiner Staaten zu widmen, dachte er vielmehr darauf, seine Eroberungen auch jenseit des adriatischen Meeres auszubreiten und in der Unterwerfung des griechischen oder oströmischen Kaiserthums, dessen Ohnmacht er bereits bei seinen Kämpfen in Italien kennen gelernt hatte, das Ziel seiner Thaten zu finden. Die beiden Feldzüge des berühmten Normannenherzogs gegen das byzantinische Reich, welche unstreitig als die bedeutendsten und ruhmvollsten seiner Unternehmungen zu betrachten sind, da er hier Gefahren und Schwie- rigkeiten zu überwinden hatte, wie sie ihm in seinen früheren Kriegen nie entgegengetreten waren, und zu- gleich auf mächtigere und gefährlichere Gegner stiess als er nach seinen bisherigen Erfahrungen erwarten konnte, bilden den Gegenstand der vorliegenden historischen Monographie, welche eine auf prüfende Verglei- chung der Berichte und Angaben der Quellenschriften gegründete Darstellung dieser wichtigen Begeben-

heiten versuchen wird.

Das byzantinische Reich, gegen welches Robert's Unternehmungen gerichtet waren, befand sich schon

seit langer Zeit im Zustande äusserster Verwirrung, welcher sich schon daraus erkennen lässt, dass in einem Zeitraume von 260 Jahren nicht weniger als zwei Kaiserinnen und vier und zwanzig Kaiser in Constanti- nopel regierten, von welchen einer dem Throne entsagte, sechs ermordet, vier geblendet und sechs abge- setzt wurden, und verdankte sein Fortbestehen bei völliger innerer Erschöpfung nur der Gunst äusserer verhältnisse. Michael VII Dukas, der vorletzte in der erwähnten Reihe jener meist unglücklichen Kaiser, ein gutmüthiger, aber schwacher, verzagter und völlig unfähiger Mann,*) verlor den Thron an Nicephorus III Botoniates, der sich gegen seinen Vorgänger empört und an der Spitze eines türkischen Heeres Con- stantinopels bemächtigt hatte(25. März 1078)**). In dieser Thronumwälzung fand Robert Guiscard einen erwünschten Vorwand für seine Unternehmungen gegen das oströmische Reich. Er hatte nämlich mit dem Sohne Michaels, Constantinus Porphyrogenitus, seine Tochter Helena verlobt und diese vorläufig nach Constantinopel gesandt, wo sie später mit ihrem Bräutigam, der sich noch in sehr jugendlichem Alter be- ſand, vermählt werden sollte.***) Da nun Nicephorus den entthronten Michael sowie dessen Gemahlin

und Tiremaeus, der erste Herausgeber dieses für die normannische Geschichte so wichtigen Schriftstellers bemerkt dass man noch zu seiner Zeit(lim sechzehnten Jahrhundert) in der Normandie schlaue und hnternehmende Men schenguischards genannt habe. Nach Guilielm. Gemet. VII, 30 und Robertus de Monte a. 1129 erhielt Robert n Beinamen von seinem Bruder Humfred, während Leo Ost. Chron. Mon. Casin. III, 15(Pertz VII, 707) an- derselbe sei ihm von Girardus de bono alipergo beigelegt worden, weil er den Petrus von Tyra auf so0

jene

ibt kanllau Weise gefangen genommen habe. *) Von Zonaras XVIII, 15 fin.(p. 224 Ven.) wird er als ein schwacher und völlig unfähiger Mann geschil-

der auch nicht das unbedeutendste Geschäft zu besorgen im Stande gewesen sei.

**) Die Nachrichten über diesen Thronwechsel finden sich bei Zonaras XVIII, 18(p. 229 Ven.) und bei Ni- rus Bryennius III, 24(p. 61 Ven.).

***½) Guill. Ap. III, 502(p. 275 Pertz); Amat. VII, 26(L'ystoire de li Normant et la Chronique de Robert Viscart par Aimé, moine du Mont-Cassin; publiées pour la première fois par M. Champollion-Figeac); Anna Comn. I, 10(p. 49 vol. I ed. Schopen im Bonner Corpus Scriptt. Hist, Byzant.); Zonar. XVIII, 17(p. 227 Ven.) nach welchem Helena diesen Namen erst in Constantinopel erhielt.

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