Aufsatz 
Festschrift zur Gedenkfeier des fünfzigjährigen Bestehens der Anstalt / Königliches Gymnasium Wiesbaden
Entstehung
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Zöglingen der Püdagogien den Besuch des Schauspielhauseswegen der vielen widrigen Einflüsse in physischer und moralischer Hinsicht schlechthin untersagte und den Eltern,welche etwa die Frequenz des Theaters als einen erheblichen Vorteil für die Bildung ihrer Söhne ansehen wollten, nur die Wahl zwischen dem Besuche der Pädagogien und des Theaters liefs, indem beide Bildungsanstalten für Knaben von zehn bis zu fünfzehn Jahren gänzlich unvereinbarlich bleiben. So gut die Absicht sein mochte, welche bei diesen und anderen Bestimmungen die Behörde leitete, so läſst sich doch nicht verkennen, dafs damit eine übermäſsige Einschränkung der natürlichen Rechte der Eltern verbunden war.

Wenn die Regierung in der angegebenen Weise die hinsichtlich der Disciplin festzuhaltenden Grundsätze für alle höheren Schulen aufstellte, so strebte sie auch dahin, dafs der Unterricht wenigstens in den alten Sprachen überall nach gleicher Methode erteilt werde. Deshalb entwarf der Oberschulrat Schellenberg eine Anleitung über dieAuswahl der zu lesenden alten Klassiker und die Methode bei dem Vortrage, die dem Direktor des Gymnasiums und den Rektoren der Pädagogien unter dem 30. August 1817 zur Kenntnisnahme mitgeteilt wurde. Die Regierung berichtete dies dem Staatsministerium am 26. September 1817 mit dem Bemerken:Wir hielten es für wesentlich notwendig, sowohl hierbei als bei der Disciplin den Lehrern keine zu engen Schranken zu setzen, sondern ihnen einigen Raum zur freien Bewegung zu lassen. Die fortdauernde Aufsicht, welche wir führen werden, wird uns jede schädliche Abschweifung von den ihnen mitgeteilten all- gemeinen Ansichten bald entdecken, und wir werden alsdann sachgemäls einschreiten. Schellenbergs Anleitung betont zunächst die Bedeutung der klassischen Bildung für die Erziehung der heran- wachsenden Jugend.Alle gründlichen Pädagogen stimmen darin überein, dafs nur durch die litteras humaniores seu humanitatis besonders in unseren bildungssüchtigen Tagen kraftvolle Männer erzogen werden, da sie an den Geisteswerken der kraftvollen Römer und der gemütlichen Griechen ihre geistige Thätigkeit am sichersten entwickeln, ihre Seelenkräfte harmonisch üben, wahre Auf- klärung begründen, sich zu einem gründlichen Studium jeder Wissenschaft vorbereiten und den Zweck der Universitätsstudien, nämlich Auffassen der höheren Idee der Wissenschaft, geistige Selbstthätigkeit und selbständigen Kraftgebrauch glücklich zu erreichen, sich geschickt machen. Damit aber dieser Zweck erreicht werde, ist es erforderlich bei der Lektüre der alten Klassiker richtig zu verfahren, die zu lesenden Werke an sich und in Beziehung auf die Leser und deren Befähigung zweckmälfsig zu wählen und in die Folge der Schriftsteller, ihre Verbindung und Behandlung eine glückliche Harmonie zu bringen. Der Verfasser führt dann aus, wie wichtig das Studium der Grammatik sei. Das Erlernen der alten Sprachen ist nicht Zweck an sich, sondern nur Mittel, um die Geisteswerke der Griechen und Römer zu verstehen. Dem Lehrer wird daher bei dem Unterricht das Verhältnis lebhaft vor Augen schweben, worin die Grammatik zu dem höheren humanistischen Gesichtspunkt steht, dafs letzterer ohne erstere eines sicheren Fundamentes entbehrt und erstere ohne letzteren, wenn sie sich nicht wie ein Teil zum Ganzen fügt, ohne lebendiges Bilden bleibt. Dem Lehrer, welcher Gründ- lichkeit bezweckt, wird die Vorschrift Quintilians wichtig seinGrammatica nisi oratori fundamenta fideliter iecerit, quidquid superstruxeris corruet. Des Weiteren werden dann Vorschriften gegeben, wie der Anfangsunterricht in den alten Sprachen zu betreiben sei. Gewarnt wird davor, den systematischen Gang der Grammatik einzuhalten, da es ermüde und verwirre, die Regeln mit allen ihren Ausnahmen der Reihe nach durchzunehmen. Man soll mit der Etymologie so schnell als möglich leichte syntaktische Regeln verbinden; diese selbst sind so zu behandeln, dals man die kurzen Regeln an die Tafel schreibt, sie durch Beispiele erläutert und dann abschreiben läfst, damit sie sich tiefer einprägen und die Anfänger sich ihre erste Grammatik selbst anfertigen. Der Verfasser steht hier durchaus auf dem Boden der synthetischen Methode. Er geht nicht vom Satze, sondern von der Regel aus. Sieht man von diesem Grundfehler ab, so sind seine weiteren Ratschläge, insbesondere über die zweckmälsigste Art die Lektüre zu betreiben, als im wesentlichen angemessen anzuerkennen, so z. B. wenn er betont, daſs man nach einer statarischen Erklärung des Schriftstellers nicht unter-