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lassen werde, einen längeren Abschnitt kursorisch zu wiederholen, damit ein Totaleindruck bewirkt und der Schüler mit dem Geiste des Verfafsers vertrauter werde; er meint, niemand werde an einem Dialoge des Plato oder einem griechischen Trauerspiel Geschmack gewinnen, wenn er solches wie die Glieder des Absyrtus aufgesammelt habe. Wenn die älteren Humanisten den Grundsatz hegten, dals man einen klassischen Autor lieber zehnmal als zehn nur einmal lesen solle, so werde damit jeder Neuere, der Gründlichkeit als das rıπνοο τν ⁴ἀρνα ansehe, einverstanden sein, aber ebenso gewiſs müsse das statarische Erklären alles Auskramen der philologischen Gelehrsamkeit von Seiten des Lehrers, alles Herbeiziehen dessen, was nicht zum Verständnis des Gelesenen gehöre, ausschlielsen, und das kursorische Lesen der Schriftsteller sei nicht weniger wichtig und unentbehrlich. Nachdem Schellenberg dann die Notwendigkeit der Privatlektüre hervorgehoben und den Lehrern empfohlen hat, die Leitung des Privatfleiſses zu übernehmen, damit Ordnung und Zusammenhang darin entstehe, giebt er eine allgemeine Charakteristik der zum Humanitätsstudium geeigneten römischen und griechischen Schriftsteller. Mit den von ihm hierüber ausgesprochenen Ansichten kann man nicht in allen Stücken einverstanden sein. Manche Urteile, die er fällt, sind nicht völlig zutreffend; er empfiehlt einzelne Schriftsteller, die sich für die Schullektüre weniger eignen, und würdigt andere nicht in vollem Maſse. Für die vier Klassen des Pädagogiums bestimmt er die Benutzung folgender Bücher: In der untersten Klasse ist ein lateinisches Lesebuch zu gebrauchen, dann sollen die Schriftsteller gelesen werden und zwar in Kl. III: Eutropius, Kl. II: Justinus, Aurelius Victor, Cornelius Nepos, Phaedrus, Kl. I: Nepos, Suetonius, Julius Caesar, Ovids Tristien. Vergleicht man hiermit die Festsetzungen des Lehrplanes(s. oben S. 9), so ergiebt sich, dals Schellenberg an den darin gegebenen Normen nicht vollkommen festhält. Für das Unterrichtsverfahren in den anderen Sprachen und den wissenschaftlichen Lehrgegenständen sind den Lehrkollegien seitens der Regierung eingehendere Weisungen zunächst nicht erteilt worden. Hier war es also den Lehrern jeder Anstalt anheimgestellt nach eigenem Gutdünken zu verfahren. Nur bezüglich der einzuführenden Lehrbücher wurden gemäfs§ 18 des Edikts für alle Pädagogien gleichmäſsige Anordnungen getroffen. Demnach verfügte die Regierung am 9. September 1817, dals folgende Unterrichtsmittel einzuführen seien: 1. Kleine theoretisch-praktische deutsche Sprachlehre für Schulen und Gymnasium von Theodor Heinsius. 6. Ausg. Berlin 1817. 2. Lateinisches Lesebuch nach der Stufenfolge der Formenlehre für die ersten Anfänger von J. P. Krebs. Dritte Aufl. Gieſsen 1816. 3. Lateinische Schulgrammatik für die mittleren und unteren Klassen von J. P. Krebs. Giefsen 1817. 4. Griechisches Lesebuch nebst einer Grammatik für die Anfänger von J. P. Krebs. Dritte Ausg. Frankfurt 1815. 5. Kleine französische Sprachlehre von Daulnoy. Achte Aufl. Dortmund 1813. 6. Lehrbuch der Geographie nach den neuesten Friedensbestimmungen von Cannabich. Dritte Aufl. Sondershausen 1817. 7. Zweiter Leitfaden zum Schulunterricht nach seiner technologischen Naturgeschichte von Funke. Vierte Aufl. Braunschweig 1814. 8. Kurzgefalste Geschichte der Deutschen zum Gebrauch beim Unterricht in Gymnasien von Milbiller. München 1804. 9. Chronologischer Abriſs der Weltgeschichte für die Jugend von Kohlrausch. Zweite Aufl. 1815. 10. Lehrbuch der Naturlehre für Anfänger von Kries. Dritte Aufl. Gotha 1817. 11. Lehrbuch der deutschen Schreibart von Snell. Dritte Aufl. Prankfurt 1817.
Für den allgemeinen Religionsunterricht wurde kein Leitfaden vorgeschlagen.(„Jeder würde auch Anstoſs verursachen.“) Die Wahl eines Religionslehrbuches für den konfessionellen Unterricht blieb den Geistlichen überlassen. Für die Geometrie wurde die Wahl eines Lehrbuches vorderhand verschoben; später erfolgte die Einführung von Hoffmanns geometrischer Anschauungs- und Wissenschafts- lehre. Zu Klassiker-Ausgaben wurden die Zweibrücker und die Mannheimer Ausgaben empfohlen.


