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5. Die Schreibbücher werden vom Lehrer mit nach Hause genommen und da korrigiert, am folgenden Tage zurückgebracht und über die Fehler die nötigen Bemerkungen gemacht; dies kann am füglichsten Mittwochs und Samstags geschehen.
Nachmittags: 1. Geschichte der Deutschen nach Seiler. 2. Rechnen. 3. Orthographie. Es wird etwas, ein Brief, eine Quittung diktiert und mit Anwendung orthographischer Regeln korrigiert.
4. Wenn noch Zeit übrig ist, wird etwas aus einem der Kapitel II—IX im Seilerischen Lesebuch gelesen und erklärt.
Morgens: Mittwochs:
1. Lesen in der Bibel und Aufschlagen in derselben.
2. Die Hauptstücke des Katechismus Luthers und die Ordnung des Heils stückweise auf- gegeben und das Spruchbuch repetiert.
3. Die ganze Schule wird im Deklinieren und Conjugieren geübt.
4. Kalligraphie.
Donnerstag wie am Montag. Freitag wie am Dienstag. Sonnabend wie am Mittwoch.
Aus diesem Plane ist zur Genüge ersichtlich, wie engbegrenzt die Ziele der Schule waren. as nimmt daher nicht Wunder, daſs bei der allmählich fortschreitenden Entwickelung der Hauptstadt des Fürstentums, zumal nachdem dieses infolge des Hauptschlusses der aufserordentlichen Reichs- deputation vom 25. Februar 1803 eine nicht unbeträchtliche Vergröfserung erfahren hatte, der Wunsch nach einer Verbesserung und Erweiterung der Anstalt sich immer lebhafter geltend machte. Ins- besondere wurde diese Forderung aus den Kreisen der zahlreicher gewordenen Beamtenschaft laut, die auch verlangten, daſs eine Schule für Töchter aus den gebildeten Ständen mit der Lateinschule ver- bunden werde. Das geschah durch die Prrichtung der Friedrichsschule im November 1806. Ihren Namen erhielt sie nach dem Fürsten Friedrich August von Nassau-Usingen, der zufolge des Artikels 5 der Rheinbundesakte vom 12. Juli 1806 als der Senior seines Hauses den Titel „Herzog von Nassau'“ annahm. Als Lehrer wirkten an dieser Schule aufser dem Rektor Schellenberg ein Konrektor und ein Schreibmeister, einige Jahre auch ein französischer Sprachmeister, ferner ein Rechenmeister und ein Zeichenmeister. Sie zerfiel in 3 Klassen, zwei Knabenklassen und die Mädchenschule. Gegen die frühere Lateinschule erweiterte sich die Aufgabe der Schule insofern, als nunmehr auch Julius Caesar und Ovids Tristien gelesen wurden. Als die Frequenz stetig wuchs, ging man im Jahre 1816 dazu über, noch eine dritte Knabenklasse einzurichten und demgemäls auch einen dritten Hauptlehrer zu berufen. Auf eine ausführlichere Darstellung der Entwicklung der Priedrichs- schule können wir hier verzichten, weil dieselbe bereits von Otto in der Programmabhandlung vom Jahre 1880(Geschichte der Friedrichsschule zu Wiesbaden) geliefert worden ist. Es war der Anstalt keine lange Lebensdauer beschieden, sie wurde infolge der durchgreifenden Neuordnung aller Schul- verhältnisse, die das Edikt vom 24. März 1817 brachte, aufgehoben. Diese Neuordnung stand in engem Zusammenhange mit den politischen Veränderungen, welche nach der Napoleonischen Zeit für Nassau eingetreten waren. Als Herzog Friedrich August am 24. März 1816 ohne Hinterlassung von Nachkommen das Zeitliche gesegnet hatte, übernanm Wilhelm, der Sohn des am 8. Januar 1816 verschiedenen Fürsten Friedrich Wilhelm von Nassau-Weilburg, die Regierung des vereinten Herzog-
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