„Römiſche Niederlaſſungen und Denkmäler nördlich und ſüdlich von unſerer Stadt „erinnern an die Zeit der Römerherrſchaft; die alte Veſte Schwabsburg und der frühere „Grenzſtrich zwiſchen den Schwaben⸗Allemannen und den Franko⸗Chatten und Heſſen „führen die Zeit der alten Stammeskämpfe herauf und der Verſchiebung fränkiſchen „Einfluſſes weit nach Süden hin. Aus dieſem Gebiete entwickelt ſich hauptſächlich die „Pfalz, der ſpäter Oppenheim vom Jahre 1402 an bis zu ihrer Auflöſung angehört.
„Aber erſt ſichern ſich die Karolinger das umliegende Gebiet, wichtige geiſtliche „Herrſchaften ausſtattend wie Lorſch, den Herrn des Dorfes Oppenheim bis zum Jahre „1226, dann ihre Erben, die Salier und nochmals deren Erben, die Hohenſtaufen, „die ſich wieder mit der älteſten pfalzgräflichen Geſchichte berühren und verknüpfen.— „Einer der erhebendſten Momente der alten deutſchen Kaiſergeſchichte, die Erwählung „Konrads des Zweiten, die von Wipo ſo anſchaulich beſchrieben und von Ludwig „Uhland dichteriſch verherrlicht worden iſt, ſpielt ſich nach früherer Auffaſſung unſerer „Stadt gegenüber, nach den Forſchungen von Herrn Kollegen Prof. Dr. Schädel „in Mainz aber auf der Lörzweiler Höhe, alſo eine Stunde nördlich von hier, „eine halbe Stunde von Nierſtein, ab, und die Nierſteiner Warte wäre zum Teil aus dem „Lörzweiler Königsſtuhle erbaut worden. Dies erinnert zugleich an das ehrwürdige Alter „und die ſchon unter den Karolingern vorhandene Blüte unſerer Nachbargemeinde Nierſtein.
„Unſerem Oppenheim aber gegenüber entwickelt ſich aus altem Königsgute die „obere Grafſchaft Katzenelnbogen als Stammland des ſpäteren und jetzigen Großherzogtums „Heſſen, und der Sitz der Herrſchaft rückt vom alten Tribur mit der längſt verſchwundenen „kaiſerlichen Pfalz zuerſt nach Dornberg lälteſtes Katzenelnboger Schloß in der Ober⸗ „grafſchaft! und Groß⸗Gerau, und dann nochmals weiter öſtlich nach Darmſtadt*) das „wir wie die eben genannten Orte und noch zwei Kreisſtädte, Bensheim und Heppenheim, „mit der Starkenburg und einer großen Menge Flecken, Dörfer und Höfe der nach dem „gleichnamigen Kurmainziſchen Oberamte benannten Provinz ſo deutlich ſehen können.**) 6„Auch die traurigſten Zeiten der deutſchen Geſchichte berühren ſich eng mit unſerer „Gegend.
„Von der rheiniſchen Pfalz aus züngelt die Flamme des dreißigjährigen Krieges wieder „empor und hinüber nach Böhmen, und elf Jahre ſpäter erſcheint hier der nordiſche Held „Guſtav Adolf bei ſeinem Erfelden—Oppenheimer Rheinübergang auf der Höhe ſeines „Ruhmes und ſeiner Erfolge, aber auch auf gefährlicher und Schwindel erregender Höhe.
„Mitten durch die ſchöne, ſo viele Erinnerungen wach rufende rheiniſche Heimat zieht „der ſtolze Strom, oft zwar ein ſtörriſcher, gefährlicher Nachbar, und doch wiederholt und „immer wieder von wälſcher Habgier bedroht.— Das ſchwach gewordene Reich kann „1689 die Verwüſtung der Pfalz nicht hindern; wir ſehen im Geiſte den Mittelpunkt der „Landſchaft, Oppenheim, in Flammen aufgehen; mächtige Feuerſäulen kennzeichnen die „Verwüſtung von Worms und Speier, der Pfälziſchen Hauptſtädte Heidelberg und Mannheim, „und ſo vieler anderer Städte, auch des Kurmainziſchen Bingen.
„Noch hundert und einige Jahre, und das linke Rheinland geht verloren, wird aber „gerade in Teilen wie dem jetzigen rheiniſchen Heſſen um ſo wohlhabender durch Beſeitigung „unhaltbar gewordener Verhältniſſe— man möge zum Beiſpiel nur das jetzt ſo blühende „Guntersblum mit der Leiningenſchen Zeit vor rund 100 Jahren vergleichen.
„uUnd wieder nach 20 Jahren überſchreiten die Preußen unter Blücher bei Caub und „die anderen Verbündeten hier und bei Mannheim den Rhein, unter ihnen Prinz „Wilhelm, der dann 57 Jahre ſpäter aus nochmals von Frankreich uns aufgedrungenem „Kriege mit den unter ſeiner Führung ſo raſch geeinigten deutſchen Heeren die neue „Reichseinheit und die deutſche Kaiſerkrone heimbringt.
„Und dieſe Zeit der wieder erkämpften Einheit ſendet einen hellen Strahl beſonders „auch nach unſerem Oppenheim.
*) Der Gedanke aus W. H. Riehl's Wanderbuch, VII. Abſch.: Das Gerauer Land und ſeine Kaiſerſtätten.
**) Auch die altpfälziſche Veſte Otzberg, nahe an Erbacher Grenzmarke, ſchaut oft herüber, wie Dieburg durch Rauch bei Meſſel u. Offenbach durch ſeine Schornſteine markiert iſt.
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