Aufsatz 
Untersuchungen über die Wortfolge der Umgangssprache / von Hans Reis
Entstehung
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ihm durch treue und gewissenhafte Mitarbeit, durch vertrauensvolles Entgegenkommen die Leitung der Schule zu erleichtern und mitzuwirken bei der Heranbildung tüchtiger und frommer Männer zum Segen der Gesamtheit.

In seiner Erwiderung sprach Direktor Helm zunächst allseitig seinen pflichtschuldigen Dank aus. Darauf widmete er seinem von ihm hoch verehrten Vorgänger herzliche Worte der Erinnerung und des Abschieds. Unter anderem führte er aus:Ich weiss nicht, was ich an diesem Manne mehr rühmen soll, seine wissenschaftliche und schul- männische Befähigung, oder seinen sicheren Griff im Organisieren, oder sein klares Urteil, oder seine Herzensgüte, oder seine Versöhnlichkeit beim Ausgleichen von Gegensätzen, oder seinen köstlichen Humor, der auch manches ordnen half. Vielleicht bedauere ich am meisten, dass mit ihm einer von den Männern aus dem Schulleben scheidet, die es früher viel gegeben hat, deren Zahl aber immer geringer wird. Ich meine diejenigen, welche für beide Richtungen in der Jugendbildung, für die gymnasiale und die realistische, weitgehendes Verständnis und empfängliche Liebe in einem Kopf und einer Brust vereinigten. Dafür war er schon als Gymnasiast Schüler eines der bedeutendsten Männer, welche die deutsche Lehrerwelt kennt, des Dr. Franz Xaver Stoll, Professor am Gymnasium zu Bensheim, der ein Mainzer Kind war und dessen ich, gleichfalls einer seiner Schüler, in diesem Zusammenhang pietätvoll gedenke; denn dieser beherrschte mit bewundernswerter Meisterschaft gleichmässig die Antike, die Mathematik und die Naturwissenschaften. Schliesslich gelobte der neue Direktor, das viele Schöne und Treffliche, das sein Vorgänger in der ihm unterstellten Anstalt geschaffen, zu hegen und zu pflegen.

Sodann kam er auf das Gymnasium als Schulgattung zu sprechen, schilderte in grossen Zügen den Ent- wicklungsgang des deutschen Gymnasiums im verflossenen Jahrhundert, kennzeichnete die Eigenart der heutigen höheren Schulen, des Gymnasiums, des Realgymnasiums und der Ober-Realschule und erörterte besonders ihre Wechsel- wirkung auf einander. Der Einfluss dieser beiden Arten von Schulen auf das Gymnasium sei im allgemeinen nicht ungünstig gewesen; er habe, ohne den Schwerpunkt der humanistischen Bildung zu verrücken, die Möglichkeit ge- schaffen, das alte, aber immer jugendkräftige Gymnasium zur modernen Kultur in richtige Beziehung zu setzen und den unabweisbaren Forderungen unserer Zeit anzupassen; gerade dadurch habe das Gymnasium seine unerschöpfliche Lebenskraft bewiesen. Es vertrete nach wie vor eine ideale Lebensauffassung, die sich nicht aus der Welt schaffen lasse, und es sei getragen von der Huld und Zuneigung der auserlesensten Geister der Nation. Freilich sei es nicht notwendig, ja nicht einmal angezeigt, dass in Hinsicht auf die neuere wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands der breite Strom der Bevölkerung sich gerade durch die Bildungswege des Gymnasiums dränge. Andererseits müsse der Ruf der extremen Gegner des Gymnasiums:Stirb und werde! entschieden zurückgewiesen werden, aber auch für den Grundsatz:sint ut sunt, aut non sint könne er sich nicht aussprechen, vielmehr rufe er: Bleibe und werde, bleibe! d. h. bestehe immer fort in deutschen Landen, werde! d. h. entwickle dich, nimm die eine oder andere Wandelung an, wenn es sich wirklich herausstellen sollte, dass der innere Verband mit unserem modernen Kulturleben es notwendig erscheinen liesse. Wie ein grosser Teil unserer heutigen Städte am Rhein und anderswo aus einem germanischen Keim hervorgegangen sei, der in römische Erde gesenkt worden, so stehe das deutsche Gymnasium in seiner Eigenart auf altklassischen Grundmauern in deutschem Boden, aber mit urdeutschem Aufbau. Und in dieser wenn auch alten Unterrichtsanstalt herrsche nicht dieModerluft, einer abgetanen Welt, sie sei nicht denabgebauten Schächten einer versunkenen Herrlichkeit vergleichbar, sondern auch sie erstrahle im Glanze des Lebenslichtes unserer Zeit, auch im Gymnasium herrsche Hochlandluft, wo die Kraft wohne und die Freiheit.

Von der Wechselwirkung der verschiedenen Schulgattungen leitete dann der Unterzeichnete auf die Wechsel- beziehung zwischen den einzelnen Unterrichtsfächern über. Kein wahrer Schulmann dürfe sich heutzutage kalt und ablehnend gegen andere Fächer verhalten. Jeder Lehrer solle vielmehr neben seinem Fach auch die übrigen Wissenschaften in ihren Grundzügen soweit verstehen, dass er seine Spezialwissenschaft in den richtigen Zusammen- hang mit den anderen zu setzen wisse. Hier gelte so recht das Wort: Alles muss ineinander greifen, eins durchs andre gedeihen und reifen. Wenn der Lehrer an jedem passenden Punkt seiner eigenen lieben Fachwissenschaft die verbindenden Fäden aufnehme, welche zu den übrigen Wissenschaften hinführten, auch wenn sie in den Lehrplänen nicht besonders berücksichtigt seien, dann werde das Gymnasium zum Schlusse den Schüler und den Menschen herausgebildet haben, der für die Gesamtheit unserer Zeitbestrebungen ein offenes Auge und klares Verständnis habe, dem aber im Gegensatz zu anderen das Glück beschieden gewesen, dass ihm Jahre lang die Sonne Homers gelächelt habe, wovon er fürs ganze Leben die ασρπ mitnehme, d. i. eine ganz eigene, köstliche, das Bewusstsein erwärmende Kraft.

Zum Schlusse seiner Rede wandte sich der neue Direktor an die Schüler. Unter anderem legte er ihnen die Pflichten der Gottesfurcht, des Gehorsams, des Fleisses, des Pflichtgefühls und vor allem der Wahrheitsliebe dringend ans Herz. Er verglich die deutschen Schulen mit den englischen und berief sich auch auf ein Urteil Moltkes, der