Aufsatz 
Untersuchungen über die Wortfolge der Umgangssprache / von Hans Reis
Entstehung
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IV. ur Geschichte der Anstalt.

1. Der Übertritt des seitherigen Direktors in den Ruhestand.

Das bedeutungsvollste Ereignis des Schuljahres 1905/06 war der Übertritt des seitherigen Leiters der Anstalt in den Ruhestand, zu dem er sich mit Rücksicht auf seine Gesundheit schweren Herzens entschliessen musste. Herr Geh. Oberschulrat Georg Weihrich, Direktor des Ostergymnasiums und ausserordentliches Mitglied der Abteilung für Schulangelegenheiten im Grossherzoglichen Ministerium, wurde durch Allerhöchste Entschliessung vom 25. März 1905 unter Anerkennung seiner langjährigen treuen und erspriesslichen Dienste und unter Verleihung des Ehren- kreuzes des Verdienstordens Philipps des Grossmütigen auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. Mai 1905 ab in den Ruhestand versetzt, nachdem er seit dem 1. September 1891 die Leitung des Gymnasiums zu Mainz(seit Herbst 1900 diejenige des Ostergymnasiums) innegehabt hatte.

Herr Geh. Oberschulrat Weihrich war als Schulmann und Direktor infolge seiner vorzüglichen Eigenschaften überall beliebt, und deswegen sahen ihn Lehrer, Schüler und deren Eltern nicht ohne grosses Bedauern von seiner bisherigen Wirkungsstätte scheiden. Sein Name wird mit der Geschichte des Ostergymnasiums für immer aufs ehrenvollste verbunden bleiben. Die dankbare Gesinnung einer grossen Zahl tüchtiger Männer, die einst seine Schüler waren, und ebenso die treue Anhänglichkeit der ihm unterstellten Lehrer werden sein Bewusstsein stets heben als schönster Lohn des Lehrers und Erziehers und des seiner Aufgabe als Anstaltsleiter voll gewachsenen Mannes.

Nun hat sich Herr Geh. Oberschulrat Weihrich in die ländliche Stille nach Gonsenheim zurückgezogen. Dort hat er sich an einem herrlichen Waldplätzchen ein in anmutenden Formen gehaltenes Landhaus bauen lassen, wo er in wissenschaftlichem Studium und in philosophischer Beschaulichkeit, aber auch beschäftigt mit der Pflege und dem Ausbau seines geliebten Sabinums, die Tage der Ruhe zu verleben gedenkt. Hoc erat in votis.

Möge die Erholung und Kräftigung, die er erfreulicherweise bereits gefunden hat, noch mehr zunehmen und ihn instand setzen, zur Freude seiner Angehörigen und aller seiner Verehrer das häusliche Glück und die wohl- tätige Wirkung der lauschigen Umgebung noch eine recht lange Reihe von Jahren zu geniessen.

Verschiedene ihn ehrende Veranstaltungen hat der Scheidende in seiner anspruchslosen Weise abgelehnt; jedoch haben es sich die Lehrer des Oster- und Herbstgymnasiums nicht nehmen lassen, ihm zum Ausdruck ihrer Verehrung und Hochachtung und in dankbarer Erinnerung an die Zeit seines Direktoriums ein prächtiges Album zu überreichen, das unter der bewährten Leitung des Herrn Professors Kübel, Direktor der Kunstgewerbeschule in Mainz, von Schülern dieser Anstalt mit hohem, künstlerischem Verständnis ausgeführt worden ist. Das Album enthält ausser der Widmung eine Reihe von Blättern, die in zeitlicher Anordnung Ansichten aus den Städten bringen, wo der Gefeierte im Lauf seines Lebens gewirkt hat, während der zweite Teil die Photographien der Lehrer in sinniger Gruppierung mit Bildern der Stätten seiner Tätigkeit einnehmen.Jedes Blatt so spricht sich Herr Geh. Oberschulrat Weihrich in seinem Dankschreiben an die Spender selbst ausruft mir in der sinnigen Anordnung des Bilderschmucks die Erinnerung an teuere persönliche Beziehungen ins Gedächtnis, sodass das Werk für mich und meine Angehörigen als Gegenstand freudigen Rückblicks immer höchst wertvoll bleiben wird.

2. Die Einführung des neuen Direktors.

An Stelle des in den Ruhestand tretenden Direktors wurde zufolge Allerhöchster Entschliessung vom 25. März 1905 mit Wirkung vom 1. Mai der seitherige Direktor der Realschule und des Progymnasiums zu Bingen, Dr. Franz Helm, zum Direktor des Ostergymnasiums ernannt. Seine Einführung erfolgte Dienstag den 2. Mai in Gegen- wart zahlreich erschienener Ehrengäste durch Herrn Geh. Oberschulrat Nodnagel. Nach einem einleitenden Ge- sang des Schülerchors feierte der Vertreter der Regierung zunächst mit Worten hoher Anerkennung die Verdienste des Herrn Geh. Oberschulrats Weihrich um das Schulwesen Hessens. Sodann stellte er den neuen Direktor unter Hinweis auf dessen Amtsführung und Tätigkeit in Bingen als des allgemeinen Vertrauens wert hin und gab der sicheren Hoffnung Ausdruck, dass es diesem ebenso wie seinem Vorgänger gelingen werde, das Vertrauen der Lehrer, der Schüler und Eltern sich zu erwerben und volle, segensreiche Frucht zu ernten.

Im Namen der Lehrerschaft des Ostergymnasiums gedachte sodann Herr Professor Klein mit warmen, tief- empfundenen Worten des früheren Leiters der Anstalt, des väterlichen Freundes seiner Schüler, des treuen Beraters seiner Mitarbeiter. Den neuen Direktor, dessen Persönlichkeit ihm schon seit langen Jahren bekannt sei, hiess er in zu Herzen gehender Weise willkommen und versprach, dass das Lehrerkollegium jederzeit bestrebt sein werde,