18 prädikativen Ausdrücke, z. B. Infinitive und Participia. Beispiele für diese allgemein bekannte Erscheinung sind wohl überflüssig.
Wenn nun anstelle dieser Wortarten eine andere Wortklasse an das Satzende tritt, so haben wir eine Durchbrechung der sprachgeschichtlich überlieferten Wortfolgeregel durch die aus rein psychologischen Gründen hervorgehende Folge der Vorstellungen.„Selten, sagt Ries(Quellen und Forschungen 41, S. 95) hat man, wenn man zu reden einsetzt, alle Bestimmungen, die zu geben als erwünscht oder notwendig sich herausstellen kann, begrifflich bereits vorrätig; weitere Glieder schliessen sich an den bereits vorläufig geschlossenen Satz, wie sie in Gedanken erst später hinzutreten, gewissermassen als Nachfragen“.
Eine Art von Nachtrag können wir schon in den S. 12 angeführten Beispielen erblicken, in denen hinweisende Wendungen u. ä. am Satzende stehen. Wie diese Worte, so dienen auch andere als Nachtrag verwendete Ausdrücke lediglich dazu, das Bekannte oder Anwesende, woran die Mitteilung des Neuen anknüpft, entweder überhaupt erst mitzuteilen oder in der der Umgangs- sprache eigentümlichen pleonastischen Art zu wiederholen. Z. B. Niebergall S. 17 es sieht so schlampig aus in der Stube. S. 58 ehrliche Leute, die da draussen. S. 58 Ich werde mich heim Vater darüber beschweren, der Grobian. S. 58 Ich weiss es, dass Sie es sind mit ihren Zu- dringlichkeiten. S. 60 sollt es wirklich seinen Grund haben mit dem Kammmacher. S. 70 Was ist er angelaufen mit seinen Lügen. S. 72 ich möchte Purzelbäume schlagen vor Freude über den guten Einfall.
Der Nachtrag kann auch teilweise interjektionalen Charakter haben und Empfindungen wiedergeben, die der Sprechende bei der neuen Aussage hat. Vgl. Niebergall S. 16 ich alterier mich, dass mir alle Glieder eittern, über so einen Schlüffel. S. 25 sie wird es satt Kriegen an dem sauberen Musjeh. Beide Male bezieht sich der Nachtrag auf eine vorher genannte Person, und hiermit verbindet sich die Empfindung des Unwillens, die zu dem Gebrauche eines Schimpfwortes führt. Ausdrücke rein interjektionalen Charakters dürften jedoch nur selten als Nachtrag gebraucht werden.
Diesem Nachtrag, der die Satzaussage erläutert und erklärt und keine neue Mitteilung bringt, sondern nur auf Bekanntes und Anwesendes hinweist, steht eine andere Art des Nachtrages entgegen, wodurch die Satzaussage ergänzt und erweitert werden soll. Zwar keine neue Mitteilung, wohl aber eine Vervollständigung der Satzaussage liegt in folgenden Beispielen vor: Niebergall S. 11 Die Kinder haben gar keinen Respelct mehr vor den Pltern. S. 25 und wenn sie verberstet vor Zorn. 8. 38 das ist der gesündeste Trank für so junge Leute. S. 41 du bist hohl bis in die grosse Zehe u. a. Häufiger wird eine neue Mitteilung durch den Nachtrag gegeben; z. B. Niebergall S. 6: wenn Sie ein ordentlicher Mann wären und ein reputier- licher Meteger; S. 26 die Leute wissen, dass es ein Drache ist und eine Räsonniererin. S. 27 erst kriege ich das Fleisch zurückgeschicht mit den impertinentesten Grohheilen; S. 61 dass du mich noch kot ärgerst mit deinem schlurigen Wesen; S. 81 wie es mein Vater nicht zugehen wollte, aus kriftigen Gründen; S. 82 da hab ich einen Brief gelrriegt von einem guten Freund in Dieburg; S. 88 da käte man sich an seinen Professor wenden in einem höflichen Schreiben.
Das formale Verhältnis des Nachtrags zum obigen Satzinhalt kann doppelt sein: der Nachtrag kann völlig unabhängig von den übrigen Satzteilen sein und steht dann im Nominativ, so in dem angeführten Beispiel: ich werde ſmich beim Vater darüber beschweren, der Grobian. Die Regel ist jedoch, dass der Nachtrag auch formal sich eng an den vorgehenden Satz anschliesst und in eine Form gekleidet wird, die durch die Formen des durch ihn ergänzten
Satzes bedingt ist. So richtet sich vor allem der Casus des Nachtrags nach dem Zeitwort des Satzes, wie die obigen Beispiele vielfach zeigen.


