der Mangel eines Bindewortes bei objektivem und atributivem Verhältnis des zweiten Satzes zum ersten ergibt sich in der gleichen Weise aus dem innigen Zusammenhang beider Sätze. In den Bei- trägen zur Geschichte der deutschen Sprache, Bd. 18, S. 507,§ 59 habe ich Beispiele aus der Mainzer Mundart angeführt: ich denk, er ist da; der Karl war da, er ist ein lieber Kerl. Dort ist auch schon hervorgehoben worden, dass ausserdem eine solche Anfügung von Sätzen in der Mundart nicht vorkommt.
6. Folgerungen.
Aus unseren Ausführungen geht hervor, dass in unserer Umgangssprache eine Mitteilung selten sich auf das beschränkt, was der Hörende als etwas ihm Unbekanntes kennen lernen soll; nicht selten vielmehr wird eine Aussage mit einer Interjektion begonnen, und mit besonderer Vorliebe werden hinweisende Worte oder Wendungen am Anfang und am Schlusse von Sätzen oder Ge- sprächen gebraucht. Wir haben ferner gesehen, dass diese dort auch entbehrt werden können, und zwar dann, wenn der Sprechende sich über den Inhalt dessen, was er sagen will, vollständig im Klaren ist. Kommt noch eine gewisse Lebhaftigkeit der Gemütsstimmung und im Inhalte der Rede eine sehr enge Verbindung des Folgenden mit dem Vorhergehenden hinzu, so wird diese kürzere Art und Weise des Sprechens leicht gebraucht werden. Aber selbst dann zeigt sich noch die Neigung zum Gebrauch hinweisendef oder rückweisender Worte, indem letztere an den Schluss der Aussage gesetzt werden.
Diese hinweisenden Ausdrücke haben die Wirkung, die Situation klarzustellen, an welche die neue Mitteilung anknüpft. Alle derartigen Situationsbezeichnungen hat Wegener in seiner Schrift „Grundfragen des Sprachlebens“ unter dem Namen Exposition zusammengefasst, er nimmt aller- dings hierbei an, dass eine Absicht des Sprechenden bestehe, mittels der Exposition die neue Mitteilung klarer zu machen. Und weiterhin kommt er dann zu der Anschauung, dass die Exposition die nachträgliche Korrektur des logischen Prädikats sei, dass letzteres, d. i. die Hauptmitteilung, ur- sprünglich seinen Platz an der Satzspitze gehabt habe, die Exposition aber hinter dieselbe getreten sei. Erst später, hauptsächlich durch logische Gründe veranlasst, habe dann die Exposition voran- treten können.
Demgegenüber ist als Ergebnis der vorausgehenden Untersuchungen festzustellen, dass die Voranstellung der sogenannten Exposition oder, wie andere diese Erscheinung nennen, des psycho- logischen Subjektes ebenso sehr aus dem Wesen der Sprache entspringt und gerade so ursprünglich ist, wie die Voranstellung des psychologischen Prädikates. Was aber die Häufigkeit des Vor- kommens betrifft, so ist wenigstens in unserer Umgangssprache die Anfangsstellung der hinweisenden Ausdrücke der Schlussstellung durchaus überlegen. Schlussstellung und Anfangsstellung entspringen beide der gleichen pleonastischen Beschaffenheit der Natur, wie es sich schon in der Tiersprache und erst recht in der menschlichen Sprache bei dem oftmaligen Wiederholen derselben Laute oder Worte zeigt(vgl. oben S. 6). Es wohnt dem Menschen ein überschäumendes Mitteilungsbedürfnis inne, das nicht in gedrängter Kürze des Ausdrucks Befriedigung findet, sondern doppelt und drei- fach und noch öfter mit denselben und mit anderen Worten das wiedergibt, was die Seele erfüllt. Mit zunehmender Erfahrung und Bildung wird der Mensch diesen Überfluss wohl etwas beschränken, vollständig beseitigen wird er ihn niemals, schon deshalb nicht, weil die Klarheit der Mitteilung dadurch beeinträchtigt wird. Daher wird auch die Häufigkeit des Vorkommens der Exposition sowie der beiden Arten ihrer Stellung vor und nach der Hauptaussage verschieden sein, je nach den Völkern, den Volksstämmen, den Bevölkerungsklassen, den Altersstufen. Doch dürfte sich das Überwiegen


