Aufsatz 
Untersuchungen über die Wortfolge der Umgangssprache / von Hans Reis
Entstehung
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wir aber den Gebrauch hinweisender Wendungen am Anfang eines Gespräches oder eines Satzes zwar als das Häufigere und daher als das Regelmässige bezeichnen können, so ist auf der anderen Seite die unvermittelte Anfügung einer Mitteilung zwar als Ausnahme anzusehen, aber als eine nicht gar zu seltene Ausnahme. Sie wird, wie wir gesehen haben, durch grössere Lebhaftigkeit des Sprechenden bewirkt, aber ausserdem dadurch, dass die Vorstellungen leicht in Worte über- tragen werden können. Das ist aber um so eher der Fall, je klarer die betreffenden Vorstellungen sind, und je grösser die Zahl der Worte ist, über die der Sprechende verfügt. In der Redeweise des gewöhnlichen Mannes und in Zeiten einer minder entwickelten Kultur werden diese Voraus- setzungen seltener vorzufinden sein; da kann auch eine Sparsamkeit des Ausdrucks nicht häufig sein, welche ohne jede Ubergangspartikel Mitteilung an Mitteilung reiht. Mit der steigenden Kultur wächst also die Sparsamkeit des Ausdrucks; je naiver dagegen die Gesittung des Volkes ist, um so gehäufter sind die Partikeln in der Sprache. Die Zeit Homers z. B. zeigt eine naivere Gesittung als die heutige Zeit. Die homerische Sprache ist aber so reich an Partikeln, dass man diese gar nicht alle übersetzen kann, ohne der deutschen Sprache förmlich Gewalt anzutun. Das Althochdeutsche steht zu dem Spätlateinischen in einem ähnlichen Verhältnis wie das Homerische zur neuhochdeutschen Schriftsprache. Der althochdeutsche Isidor hat daher eine viel grössere An- zahl von Partikeln als seine lateinische Vorlage. Vgl. S3, 10: dhas suohhant avur nu ithniuzwwes (illud denuo quaeritur) mit Hinzufügung von avur nu; 21, 17: dhuo sär dhärafter für lateinisch rursus; 37, 29: hwanda dhär ist in rehteru chilaubin allero wesan Thimeini(quia in fide com- munis est conditio omnium) mit Hinzufügung von dhär. In dem Satze Christ avur sus quam fona fater ziwäre so selp so(Christus autem ita ex patre emicuit ut) entsprechen dem lateinischen ut die drei Wörter so selp so, und eiwäre ist hinzugefügt. Vielfach sind ganze Sätze in einleitender Weise vorgefügt worden, so 37, 5: dhis quhad ir bidhiu hwanda ir was chiwisso fona Betlémes lantscafft(fuit enim de patria Betleem). 21, 1: meinida dher forasago chiwisso in dheru Chrisles lyuzilun(parvulus enim Christus). Auch zurückweisende Hauptwörter werden hinzugefügt, so 27, 7: beit noh dhuo dher alwaldendeo dhazs(exspectans ut); 17, 11: quhad got see min chnehl(ecce inquit puer meus) u. v. a.

Einen Einwand hiergegen könnte man finden, wenn man folgende scheinbare Sparsamkeit der Umgangssprache im Gebrauche der bei- und unterordnenden Bindewörter mit der Schriftsprache vergleicht. Letztere hat bekanntlich eine viel grössere Mannigfaltigkeit der verschiedensten Binde- wörter als die Mundarten. Aber die wenigen mundartlichen Konjunktionen werden trotzdem viel häufiger gebraucht, als die vielen und mannigfaltigen der Schriftsprache zusammengenommen. Der Zweck der Bindewörter ist zudem in der Literatursprache ein anderer als in der Umgangssprache. Die Mundarten verwenden diese ohne jede Absicht, weil sie den gleichwertigen Ausdruck für die vielen unbestimmten und unklaren Vorstellungen bilden, die sich im Bewusstsein des Redenden vorfinden. Bei höherer Gesittung ist natürlich die Zahl solcher Vorstellungen geringer. In der Literatursprache werden aber die Bindewörter in der Absicht gebraucht, die Beziehungen zwischen zwei Sätzen möglichst genau zu präzisieren. Wenn nämlich zwei Gedanken innig mit einander verbunden sind, so hat die Schriftsprache die Aufgabe, dieser Gedankenverbindung auch äusserlich durch bestimmte Adverbia, z. B. die begründenden denn, daher, einen Ausdruck zu verleihen. In der naiven Sprache ist dagegen der zweite Gedanke infolge seines innigen Zusammenhangs mit dem ersten in der Seele des Sprechenden schon ganz klar, bevor der erste überhaupt fertig aus- gedrückt ist. Der Sprechende eilt daber schnell und lebhaft zu dem zweiten Ausdruck und nimmt sich keine Zeit, die sonst gewohnte UÜbergangspartikel zu gebrauchen. So erklärt sich die unver- mittelte Anfügung, besonders bei kausalem Verhältnis des zweiten Satzes zum ersten. Auch