14 auf S. 5 f., so finden wir, dass von acht im Zusammenhang(nicht am Anfang) stehenden Sätzen sechs mit rückweisenden Worten eingeleitet sind(der, die und da).
Da jedoch, wo die Mitteilung des Neuen am Anfang steht, hat sich die neue Vorstellung im Bewusstsein so vorgedrängt, dass die andern vor ihr zurückweichen mussten. Aber es war nur ein Zurückweichen, nicht ein Untergang der alten Vorstellung, denn wir finden das rückweisende Wort dann hinter dem neu Mitgeteilten(er, da). Ein gelinder Affekt ist es in der Regel, der heutzutage die Voranstellung des hin- oder rückweisenden Wortes hindert. Der ruhig Sprechende sagt: hier, das ist ein hübsches Bild oder auch das ist ein hübsches Bild hier; grössere Lebhaftigkeit aber zeigt sich, wenn man sagt: ein hübsches Bild das da. Noch lebhaftere Gemütsbewegung verrät aber der Satz sieh einmal hier, was ein schönes Bild da; die höchsten Grade des Affektes bringen also den Hinweis, und zwar mit interjektionaler Nebenbedeutung (vgl. S. 10 f.), wieder an die Satzspitze. Dies ist leicht zu erklären; denn bei gelinder Gemüts- bewegung wird durch die Freude infolge der im Bewusstsein neu auftauchenden Vorstellung diese so sehr in den Vordergrund der Teilnahme gedrängt, dass die andern Vorstellungen vor ihr zurücktreten müssen. Bei starken Gefühlen dagegen wird die Empfindung der Freude oder des Schmerzes im Bewusstsein zur Herrschaft kommen und alle übrigen Vorstellungen, alte und neue, in den Hintergrund drängen.
Die gebräuchlichste unter den rückweisenden Wendungen in der Umgangssprache ist und da. Dieses kehrt in einer Erzählung mindestens bei jedem vierten Satze wieder, überaus häufig ist es insbesondere bei Kindern. Die jüngeren Schüler gebrauchen es bei einer Erzählung noch viel häufiger als bei jedem vierten Satz. Wir finden dieses und da allerdings in den Dramen und Romanen der modernen Realisten ziemlich selten, obwohl diese ja auch die Umgangssprache nach- ahmen wollen. Verschiedene Erklärungen wären hierfür möglich. Entweder ist dieses und da eine besondere Eigentümlichkeit der mittel- und rheinfränkischen Mundarten, und dann kann man es nicht bei Schriftstellern finden, welche die Berliner, die schlesische oder die bayrisch-österreichische Mundart wiedergeben. Oder da dieses und da doch nur ein Eigentum der unteren Volksklassen ist, haben es die den gebildeten Ständen angehörenden Schriftsteller übersehen. Oder ästhetische Rücksichten sind wirksam gewesen und haben die häufige Wiederholung einer und derselben Wortverbindung verboten. Das blosse und dagegen wird überaus häufig verwendet. Nach Wunder- lichs Beobachtungen(Umgangssprache S. 250) hat die Copula und„überhaupt in neuerer Zeit und vor allem in der Umgangssprache an Ausdehnung gewonnen.“ Die Häufigkeit ihres Vorkommens in der Gegenwart scheint auch mir nicht bezweifelt werden zu können; wie es in früheren Zeiten war, darüber fehlen noch die Untersuchungen, und was die frühere Umgangssprache betrifft, auch die sprachlichen Quellen. In dem Berichte der Jungfrau von Orleans über die ihr aufgetragene Mission sehen wir eine Erzählung, die in der schlichten Sprechweise des Landmädchens der gewöhnlichen Redeart mit Glück nachgebildet ist, und hier finden wir fortgesetzt die Anknüpfung der neuen Sätze durch und. Wie ganz anders ist dagegen die schwungvolle Sprache bei dem Berichte des schwedischen Hauptmanns in Wallensteins Tod! Ohne sich an Übergangswörtchen aufzuhalten, eilt der Sprechende von dem einen zum andern; immer drängt sich die Vorstellung dessen, was weiterhin geschehen ist, in den Vordergrund, so dass sich die Begeisterung und die Lebhaftigkeit des Redenden auch auf alle Zuhörer überträgt. Während hier kein einziger neuer Satz mit und begonnen wird, beginnen in dem Bericht der Jungfrau von Orleans nicht weniger als zehn Sätze mit diesem Bindewort.
In diesen zwei einander gegenüber gestellten Beispielen sehen wir also deutlich, wie durch die Gemütsstimmung der Sprechenden die Häufigkeit der Ubergangsformeln bestimmt wird. Wenn


