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gesprochenen da neben seiner hinweisenden Bedeutung auch noch die Aufgabe zu, die Empfindung des Bedauerns auszudrücken. In entgegengesetzter Weise kann durch solche Worte natürlich auch die Empfindung der Freude ausgedrückt werden.
Ein gewisser interjektionaler Charakter kommt den Vokativen zu, die hier deshalb auch erwähnt werden müssen, weil die angeredete Person im Kreise der sinnlich gegebenen Anschauung sich befindet und ihre Bezeichnungen, d. i. die Vokative, daher zu den hinweisenden Worten gerechnet werden müssen. Die Anredeformen sind durch die Neigung entstanden, die Person. der man eine Mitteilung zu machen hat, jedes Mal auch klar von andern zu scheiden. Diese Not- wendigkeit musste bei sehr vielen Unterhaltungen eintreten, da solche gar oft in einem Kreise von mehr als zwei Personen, nàmlich in der Familie, geführt werden. Z. B.: Karl, komm einmal schnell her; Mama, der quält mich immer so; Wilhelm, hären Sie mich, Wilhelm, Sie haben furcht- har gefehlt.*) In diesen Verwendungen der Vokative am Anfang der Gespräche oder der Sätze sehen wir ihre ursprüngliche Natur noch klarer als da, wo sie am Ende stehen. In der Regel bilden sie am Anfange noch einen Satz für sich und sind von dem folgenden durch eine deutlich merkbare Pause getrennt. In den zwei ersten Beispielen ist ihr Zweck, die Aufmerksamkeit der Person, der man etwas mitteilen will, auf sich hinzulenken. Im letzten Beispiel dagegen ist der Vokativ rein pleonastisch und wird nur durch die stark erregte Empfindung veranlasst. Die Ab- schwächung zu bloss gewohnheitsmässigem Gebrauche kann auch bei der Stellung am Anfang eintreten, obwohl sie am Ende viel häufiger vorkommt. Beispiele bietet fast jede Unterhaltung; unter den obigen Beispielen könnten die zwei ersten Sätze auch gesprochen werden, wenn nur zwei Menschen im Zimmer wären, über die Person des Angeredeten also nicht der geringste Zweifel bestehen könnte.**)
Besonders häufig sind die Vokative der Pronomina der zweiten Person, vgl. du, der ist todesfroh; no du, Sonntags halten wir keine Maulaffen feil(Wunderlich, Umgangssprache S. 45). In dieser ganz freien Weise als Anredeform verwenden jedoch die rheinhessischen Mundarten weder ihr noch Sie. Ihr ist nämlich in diesen Mundarten teils mit er, teils mit dir zusammengefallen, konnte also nicht so unzweideutig zu einer Anrede dienen wie du, zumal da es in dieser Ver- wendung, ähnlich wie es jetzt noch bei du möglich ist, tonschwach und halblang gesprochen wurde. Dem Beispiele von ihr ist offenbar später das Fürwort der höflichen Anrede gefolgt. Man kann also wohl sagen: du, das Haus auf dem Eeld ist abgebrannt, dagegen fügt man bei einer Mehr- heit von Personen Formen von horen, wissen u. a. hinzu; z. B. ihr, hört einmal, das Haus ist abgebrannt oder ihr, habt ihr es schon gehört u. a. Khnlich sagt man auch: Sie, haben Sie es schon gehört u. s. w.
Dagegen können du, ihr und Sie ohne Unterschied überall da am Anfang stehen, wo im folgenden das Fürwort noch einmal vorkommt, z. B.: du— du hast es mal wieder gepacht, ihr— ihr wisst nichts; ach Sie, was wissen Sie denn. Khnlich werden auch hinweisende Fürwörter ge- braucht, doch meist nur im Nominativ und in solchen Casus, die lautlich mit diesem zusammen- gefallen sind; z. B. das, das sehe ich; der da, der hat schon viel auf dem Gewissen.
*) Das letzte Beispiel ist Wunderlich(UImgangssprache S. 41) entunommen.
**) Vokativ und Imperativ werden häufig zu den Interjektionen gerechnet, jedoch nach meinem Dafuürhalten mit Unrecht; denn beide Wortformen werden nicht häufiger zum Ausdruck von Empfindungen gebraucht als andere Wortarten. Während der Vokativ als hinweisendes Wort anzusehen ist, bildet der Imperativ— ausser bei hinweisenden Zeitwörtern— in der Regel die Hauptaussage des Satzes, wie aus manchen der früher angeführten Beispielen leicht zu ersehen ist.
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