Aufsatz 
Untersuchungen über die Wortfolge der Umgangssprache / von Hans Reis
Entstehung
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Mitteilung genügen, wie ja auch durch eine blosse Gebärde irgend eine Mitteilung gemacht werden kann. Ist diese Kürze zwar nicht als Regel zu betrachten, so kommt sie doch nicht gar zu selten vor. Wunderlich(Umgangssprache S. 67) sagt:Vor allem das in der Umgangssprache so viel verwendete da ist oft nur ein Begleiter der Gebärdensprache, und führt hierfür folgendes Beispiel an:do, se reisst de Häckla uff und schmeisst's Leible zum Jacha;do, und der Sunntigrock fluigt au derzua;do macht se furt in ihrem Zorn. Anstatt etwas sinnlich Wahrnehmbares ausführlich mitzuteilen, begnügt man sich eben mit dem Hinweis. Ausdrücke wie sieh einmal hier, da musst du hinsehen, dort ist es, sieh einmal dies da ersetzen jedes Eingehen in die Einzelheiten einer Schilderung. Ein ungewandter Gastwirt auf dem Lande setzt die Speisen vor den Gast mit dem einen Wörtchen so; manchmal sagt er vielleicht auch so da ist es.

Da bei vielen Mitteilungen dieser allgemeine Hinweis zum Verständnis ungenügend ist, wird zu den allgemeinen Wendungen noch eine besondere Aussage hinzugefügt. In solchem Falle steht also am Anfang des Satzes ein hinweisendes Wort oder ein Wort von ähnlicher Bedeutung, und hierauf folgt die Satzaussage im besonderen. Z. B.: da, der Onkel ist fort; da, jete=t schlägt es acht Uhr; so, da ist der Wein. Formen von sehen und von Zeitwörtern der gleichen Bedeutung werden in demselben Sinne gebraucht, z. B.: nu sehen sie doch bloss, die reinen Banditen; süh mal, da buten is't smuch(Wunderlich, Umgangssprache S. 58). In rheinhessischen Mundarten hat sich in dieser Bedeutung der mittelhochdeutsche Imperativ sich erhalten(vgl. meine syntaktischen Studien, Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache Bd. 18, S. 477). Diese und andere Imperativformen sind deshalb in stärkerem Masse in den Gebrauch gekommen, weil die alten hin- weisenden Worte da und so vielfach zu reinen Einleitungsformen und die Casus des Pronomens der zu den Formen des Artikels erstarrt sind und daher nicht nur inhaltlich, sondern auch lautlich eine solche Schwächung erfahren haben, dass mit ihnen nur ungern die Geltung eines ganzen Satzes verknüpft wird.

Eine Eigentümlichkeit der Darmstädter Mundart, die sich übrigens wohl auch bei benacl barten Mundarten finden dürfte, sei hier erwähnt. Gemäss der Lautentwicklung ist dort mittelhochdeutsch zu o geworden; für neuhochdeutsch da heisst es also do. Im Zusammenhang des Satzes kommt dieses do auch häufig vor, sowohl am Satzanfang wie in der Mitte und am Ende. Wenn aber das hinweisende Wort an der Satzspitze von den folgenden Satzteilen durch eine Pause getrennt ist und nach seiner Bedeutung im Zusammenhang gewissermassen einen Satz für sich bildet, so wird die schriftdeutsche Form da gebraucht. Besonders bezeichnend sind solche Beispiele, in denen da und do nebeneinander gebraucht sind. Vgl. Niebergall, Des Burschen Heimkehr oder Der tolle Hund S. 5: da, do schlehkes schun drei; S. 10: da, do is der Vadda schunt widder; S. 16: da, do henkt ebbes eraus; S. 26: da, do les de Briaf vor; S. 43: da do is er; S. 75: da, do host de Satisfaktion. Mit Ausnahme eines Falles(S. 43), in dem wohl nur ein Versehen vorliegt, hat der Dichter nach da stets ein Komma gesetzt, wodurch die grössere Selbständigkeit dieses Wortes gegenüber dem folgenden sowie die Notwendigkeit einer Pause klar an- gedeutet wird. Die Form da könnte man in doppelter Weise erklären; entweder als Entlehnung aus der Schrift- sprache oder als Entwicklung aus mittelhochdeutsch. Im letzteren Falle müsste man aber annehmen, dass das mittelhochdeutsche à eine Verkürzung bereits erfahren hätte, bevor die lautliche Entwicklung von d zu ö ihren Anfang nahm. Eine solche Verkürzung wäre aber nur denkbar, wenn eine Tonschwäche eingetreten wäre; bei dem erwähnten mundartlichen Gebrauche ist aber im Gegenteil eine stärkere Betonung vorbanden, daher müssen wir die Möglichkeit einer Entwicklung aus dem Mittelhochdeutschen ablehnen und den andern Fall, die Entlehnung aus der Schriftsprache, annehmen.

Ahnliches finden wir in der Mainzer Mundart, wo neben der Partikel a auch 7o gebraucht wird. Ersteres ist in der sogenannten besseren Bevölkerung die gebräuchlichste Bejahungsform, letzteres wird in ironischem Sinne zur Verneinung gebraucht. Das Landvolk kennt Jo in der einen wie in der andern Bedeutung.

Indem solche Hinweisungsformeln, die für sich einen Satz bilden, auch noch zum Ausdruck von mehr oder minder lebhaften Empfindungen dienen, haben sie zugleich einen gewissen inter- jektionalen Charakter. In dem Satze da, der Onkel ist fort kommt dem gedehnt und tief