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Eine scharf abgegrenzte Bedeutung sucht man vergebens bei dieser Interjektion; sie dient lediglich als Einleitungsformel und enthält auch nicht den leisesten Gefühlston. Zum Ausdruck des Erstaunens kann ei noch gebraucht werden, doch nur mehrfach wiederholt; hierbei wird es seltener nur zweimal gesetzt, und dabei ist eine kleine Pause zwischen den zwei ei vorhanden, vgl. ei-ei; häufiger wird es dreimal hinter einander gebraucht und dann in einem Zuge aus- gesprochen, vgl. eijeiſei.
Ausser ei kommt noch no als ein anderer Ausruf der Verwunderung in den mittelrheinischen Mundarten häufig am Anfange zur Verwendung, und zwar auch in sehr abgeschwächter Bedeutung, ohne jedoch so sehr zur Übergangs- oder Einleitungsformel herabgesunken zu sein wie ei. Wunqerlich(Umgangspr. S. 38) meint, dass no auf nun zurückgehe; doch widerspricht diese Ver- mutung den Lautgesetzen. Denn z. B. in der Mainzer Mundart entspricht niemals o einem früheren ², wie sunn(althochdeutsch sunnä) und vun(althochdeutsch fona) beweisen. Ausser no kommt in gleicher Bedeutung noch en no vor. Wahrscheinlich ist jenes durch Verkürzung aus diesem ent- standen; die letztere Form aber kann auf die Zusammenziehung von nun und aha oder ah zurück- gehen, und dies würde sowohl der Mainzer Mundart entsprechen, in der mittelhochdeutsch zu o geworden ist, als auch solchen Mundarten, die mittelhochdeutsch d erhalten haben und daher die Form na statt no besitzen. Es dient einerseits zur Bezeichnung der Verwunderung oder des Argers darüber, dass etwas Unerwartetes oder gar Unerwünschtes vorhanden ist; andererseits wird es aber auch gebraucht, wenn man bei einem anderen die Verwunderung oder den Arger dämpfen oder beschwichtigen will. Vgl. für den ersten Fall: No Karlchen bist du schon da? No Vater warum hast du ihn denn geschlagen. Für den zweiten Fall: No Kommen sie nur nichl aus dem Häuschen; No da wollen wir das Beste hoffen.*) Die Empfindung der Verwunderung. des Argers u. à. ist bei no in der Regel noch vorhanden, wenn auch häufig sehr abgeschwächt, so dass in einzelnen Fällen wohl schon die Entwicklung zu einer gewöhnlichen Ubergangspartikel vollzogen zu sein scheint. Doch ist dies verhältnismässig selten der Fall, während ei durchweg lediglich Übergangswort ist. Diese Art des Unterschiedes beider Wörtchen zeigt sich auch äusserlich, insofern zwischen no und dem darauf folgenden Satze noch eine ziemlich grosse Pause eintreten kann, z. B. in dem Satze no, was ist denn da los, während bei ei was ist denn da los die Worte ei was stets in einem Atem gesprochen werden.
Ausser diesen beiden Interjektionen werden noch ach, mei, ja und nein häufiger am Satz- anfang verwendet. Der Gebrauch von ach unterscheidet sich von der Schriftsprache darin, dass ein Schmerz- oder Unlustgefühl mit diesem Wörtchen durchaus nicht notwendig verbunden ist; es wird schon gebraucht, wenn das Gefühl unter dem Einflusse einer kleinen Uberraschung steht. Auch hierbei finden wir schon den Beginn der Entwicklung zu einem blossen Ubergangswort, doch steckt in der Interjektion immerhin noch wenigstens die Bedeutung des Nichtwollens, der Verneinung oder der Überraschung. So erwidert jemand bei der UÜberbringung einer Nachricht: ach es ist Ja nicht wahr; oder bei einem unerwarteten oder unerwünschten Wiedersehen: ach du bists. Bei mei, das wohl durch Verkürzung aus mein Gott entstanden ist, ist in der Mainzer Mundart ein starkes Gefühl der Verwunderung vorhanden, in anderen Mundarten dagegen hat es eine starke Abschwächung erfahren. Letzteres gilt auch von ja und nein. Jenes Wörtchen ist vielfach nichts anders als eine Einleitungsformel;„es gibt,“ sagt Wunderlich(Umgangssprache S. 35),„tatsächlich Menschen, die ihre Rede nicht ohne ein Ja beginnen können.“ Beispiele ebd. S. 30 ff. Eine vollere Bedeutung hat sich jedoch bei nein erhalten, das man als Einleitungsformel dann gebraucht, wenn die
*) Die Beispiele sind Niebergall, Der tolle Hund, entnommen.


