Aufsatz 
Untersuchungen über die Wortfolge der Umgangssprache / von Hans Reis
Entstehung
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nicht in der Erziehung absichtlich auf deren Ausrottung hingearbeitet worden ist. Dies geschieht selbst bei Gebildeten in beschränktem Masse und wird beim Volke natürlich noch weniger ge- schehen. Daher finden sich noch heute Interjektionen als Mittel zum unmittelbaren Ausdruck von Empfindungen, und die ganze Satzaussage sowie einzelne Teile derselben sind von hinweisenden Worten begleitet, die bald vor, bald hinter jenen stehen. Abgesehen von der Macht der Gewohn- heit, müssten sich diese Erscheinungen schon deswegen in der Sprache des Erwachsenen finden, weil in dessen Seele vielfach die nämlichen Voraussetzungen wie beim Kinde vorhanden sind.

2. Interjektionen am Satzanfang.

UÜber die Neigung, am Anfang des Gespräches Interjektionen zu gebrauchen, sagt Wunderlich(Unsere Umgangssprache S. 2):Wir finden in der Umgangssprache am Beginn des Gesprächs, in der Eröffnung des Dialogs fast immer Formen, die weit abstehen von jeder Reflexions- tätigkeit, die vielmehr ganz und unmittelbar einen äusseren Eindruck, eine innere Empfindung wiederspiegeln.Das Organ der Umgangssprache, die Stimme, gewinnt meist erst in Anläufen die Modulationsfähigkeit, sie setzt vielfach mit unartikulierten Lauten ein, ehe sie die volle Herrschaft über die Sprache gewinnt. Mit dieser rein lautlichen Erscheinung geht eine seelische Hand in Hand. Gar häufig ist sich der Sprechende noch nicht klar über das, was er sagen will; auch durch Hinzutritt neuer Vorstellungen kann Zerstreuung und Unklarheit in der Seele hervorgerufen werden. Dann nimmt man seine Zuflucht nicht nur zu den geläufigen allgemeinen Wendungen, sondern oft auch zu ganz unartikulierten Tönen, wie öh, hm. Selbst Volks- und Parlamentsredner verschmähen letztere nicht allerdings wider Willen. Laute, die gar keinen Zweck haben können, als den, das Bedürfnis nach einer Xusserung zu befriedigen, wie und ö, werden in solcher Weise vor einer Mitteilung gebraucht oder auch mitten in einer Aussage, wenn der Sprechende den Faden verloren hat. Solche Laute verdecken eine längere Pause, die bei einem lebhaften Mit- teilungsbedürfnis von dem Sprechenden sowohl am Anfang wie in der Mitte seiner Rede unangenehm empfunden würde. In der Zeit aber, in welcher sie ausgestossen werden, kann in dem Bewusst- sein des Sprechenden Klarheit eingekehrt sein, und die Mitteilung kann begonnen oder fortgesetzt werden.

Ausser diesen unartikulierten Tönen können jedoch auch Interjektionen mit ursprünglich fester Bedeutung in solcher Weise verwendet werden. Der frühere Sinn ist dann teils vollständig ver- loren gegangen, teils sehr abgeschwächt worden; die Worte dienen der Sprache in erster Linie als Einleitungsformeln des Gespräches oder des Satzes. Ihrer Natur nach können sie wohl auch in der Mitte des Gespräches oder der Rede auftreten, aber nie inmitten eines Satzes.

In der Mainzer Mundart kommt unter diesen Interjektionen in erster Linie ei(dem mittel- hochdeutschen 7 entsprechend) in Betracht; man vgl. folgende Unterhaltung eines Mainzers mit seinem Sohne am Morgen vor dem Schulanfang: Vater: Ei, du bist ja noch nicht in der Schule? Sohn: Ei, ich habe noch keinen Kaffee getrunken. Vater: Es ist aber hoch Zeit. Marie, ei, warum hahen Sie noch nicht den Kaffee gebracht, es ist ja schon halb acht vorbei. Marie: Ei, ich habe nicht gewusst, dass es schon so spät ist. Folgende Art des Gespräches kann man am Mittelrhein oft hören: A.: Nikolaus! B.: Ja, was willst du denn? A.: Ei, der Briefträger ist da. Auch in Darmstadt ist der Gebrauch von ei ziemlich häufig. Vgl. Niebergall, Der tolle Hund S. 15: Was ist denn das für ein Ding? Ei, das ist so ein Schnürrock. S. 35: Warum hast du dir den Hund angeschafft? Ei, vor kurzem sind in Giessen so viele Diebstähle vorgefallen!