Aufsatz 
Untersuchungen über die Wortfolge der Umgangssprache / von Hans Reis
Entstehung
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Um die Grundlagen der Wortfolge herzustellen, muss man auf die einfachsten Sätze zurück- gehen. Der einfachste Satz aber, wie ihn das Kind bildet, ist das Wort. Wie Wegener(Grund- fragen des Sprachlebens S. 12 ff.) ausführt, zeigen solche Wortsâtzedieselben temporalen Nuancen, welche die ausgebildete Sprache aufweist: Präsens, Putur, Perfekt, Aorist, die Begehrungsform, doch nicht das Imperfektum.Nicht das Wort als solches, nicht der Wortkörper bildet den Satz; neben diesem ist der Ton oder die Art des Vortrags, die actio, wie es die römischen Rhetoren nennen, ein zweites wesentliches Element dieses Wortsatzes. Während aber diese Unter- schiede des Tones durch das ganze Leben hindurch sich wenig ändern, ruht die Fortbildung der Sprache hauptsächlich in den Wortkörpern. Das Kind durchläuft dabei die drei Entwicklungs- stufen der Interjektion, der hinweisenden Ausdrücke allgemeiner Art und der Einzelbezeichnungen (hauptsächlich durch Substantive).

Die Interjektionen sind die ursprünglichsten Laute und nicht nur dem Menschen, sondern auch dem Tiere eigen. Sie bezeichnen eine bestimmte Empfindung, und mittels derselben die in der Aussenwelt liegende Tatsache, durch welche die Empfindung hervorgerufen worden ist. Eine Absicht jedoch, diese Tatsache zu bezeichnen, hat bei dem Gebrauche von Interjektionen selbst der erwachsene Kulturmensch unserer Zeit in der Regel nicht.

Die Kindersprache entwickelt sich weiter zum Gebrauch des Demonstrativums, wenn sich aus den Empfindungen die Vorstellungen der Aussendinge gebildet haben. Ein notwendiges Hilfsmittel bei der Bezeichnung derselben ist die Gebärdensprache. Mit der hinweisenden Gebärde verbindet sich aber auch der hinweisende Laut. Anfangs ist dieser so wenig artikuliert, wie die ersten Interjektionen, doch lernt das Kind bald die von der Umgebung so oft gebrauchten hinweisenden Worte das, da. Diese ahmt es leicht und fast von selbst nach, während ihm die ersten Sub- stantive von den Eltern mit grösserer Mühe beigebracht werden müssen. Die Zahl der erlernten Substantive ist natürlich ebenso klein als die Zahl der kennengelernten Dinge. Ein fremder, noch nie gesehener Gegenstand wird von dem Kinde durch die hinweisende Gebärde mit dem hinweisenden Worte bezeichnet. Diese Worte werden auch gebraucht, wenn die Bezeichnung für ein Ding dem Kinde nicht sofort zur Verfügung steht. Wenn das Substantiv nachher jedoch im Gedächtnis auftaucht, so wird es noch nachträglich genannt. Häufig merkt das Kind, dass ein Substantivum in der Regel infolge der noch undeutlichen kindlichen Sprache von dem Hörenden nicht verstanden worden ist oder auf den vom Kinde bezeichneten Gegenstand nicht bezogen wird. Als- dann tritt nachher das hinweisende Wort und die Gebärde ein. In diesem Falle tritt ein Demon- strativ hinter das Substantiv, während in dem ersten Falle das Substantiv an den Schluss gesetzt wird. Aber beide Fälle können auch zusammen auftreten, zuerst die Unklarheit des Redenden und dann die des Hörenden. Alsdann können zugleich vor und hinter das Substantivum hin- weisende Worte treten, z. B. da, das Ding da.

Man braucht übrigens nicht eine grosse Rücksichtnahme auf die Unklarheit des Hörenden anzunehmen. Ein gewisses Streben nach Klarheit und Deutlichkeit ist der Sprache von Haus aus eigen. Schon bei den unartikulierten Lauten des Tieres finden wir ähnliches; z. B. der Hund bellt nicht einmal, sondern mehrfach hintereinander. Auch das Kind spricht oft genug dieselben Worte mehrfach hintereinander aus, ohne einen besonderen Zweck damit zu verfolgen; anstatt jedoch dasselbe Wort noch einmal zu wiederholen, kann es ein anderes Wort von gleicher oder ähnlicher Bedeutung oder auch ein hinweisendes Wort von mehr allgemeiner Bedeutung hierfür verwenden. Die Neigung zu Pleonasmus(Verschwendung) scheint also eine wesentliche Eigentümlichkeit der organischen und der geistigen Natur überhaupt und daher im besonderen auch der Sprache zu sein.

Die Sprachgewohnheiten des Kindes werden sich auch bei dem Erwachsenen finden, so lange