Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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16 König Ruprechts Abſichten auf Worms. Des Papſtes Innocentius VII. Ungnade.

Wiewohl aber die ſtadt Worms in dieſem krieg der geiſtlichen ſich wohl hätt können erwehren, ſo mußt ſie doch allweg könig Ruprechts, welcher zu der Zeit ſehr mächtig war und gern an Worms geweſen wäre, ungnad beſorgen. denn er den geiſtlichen gnädiger, dann der ſtadt, nit zwar darum, daß ſie etwas wider ihn gethan oder ihm etwas verſagt hätt(als er die ſtadt um 2000 fl. gebeten zu leihen, haben ſie ihm noch 500 fl. darzu geſchenkt, den krieg in der Wetterau zu vollführen) ſondern daß er etlich jahr mit biſchof Eckharden, ſeinem ſucceſſore(Matthäus) und den Domherrn umgegangen, daß ſie ihm ſollten geben alle die freiheiten und rechte zu Worms, die ein biſchof da hätt, damit etwa Worms ſein eigen möchte werden. Dargegen wollt er einem biſchof geben jährlich gült auf dem zoll zu Mannheim und Schriesheim, und ſolches mit bewilligung des pabſtes, wie dann zweifels ohn ſolches geſchehen wär, wo nit pabſt, kaiſer und biſchof kurz auf einander von dieſer welt abgefordert wären worden.

In dieſem lärmen ließen ſich die geiſtlichen des banns nit genügen, denn man ſich außer⸗ halb des bisthums nit viel dran kehrte; derowegen ſie einen brief herfür brachten, den nenneten ſie carolinas litteras, gaben für, daß kaiſer Karl IV. ihnen darin freiheit gegeben hätte, daß niemand wider ſie thun ſoll; ſchickten hierauf ihre botſchaft gen Rom an pabſt Innocentium VII., erhielten bei demſelbigen eine bull an den dechant zu St. Stephan zu Mainz, daß er die geiſtlichen zu Worms bei ihren freiheiten ſolle handhaben und die burger durch den bann dahin zwingen, daß man ihnen ihre vermeinte freiheit hielt Die Wormſererboten ſich des rechten, aber es half nit viel, ſondern ſie wurden immerfort verbannet. Derohalben danit ſie ſich gewalts erwehrten, appellierten ſie auch gen Rom, ſchickten eine ſtattliche legation von gelehrten und burgern, welche die ſtreit⸗ punkten fürbrachte, wie ſie ihr advocat magiſter Heinrich Brettheim, ein geiſtlicher von Mainz, geſtellt hat. aber man wollt ſie nit hören, denn pabſt Innocentius denen von Worms ungnädig war, der urſachen halben: zu der zeit, als die Wormſer Neuhauſen ſtürmten und plünderten, war er legatus Germaniae und lag allhier zur Dauben, ſah und höret alles, wie es der zeit er⸗ gieng. nun war der domprobſt indeſſen pabſt-kämmerer zu dieſem mal, wie denn ſonſt auch andere canonici mehr zu Rom waren, die erinnerten den pabſt dieſer geſchicht, daß er noch ver⸗ bitterter ward und ihnen keine audienz geben wollte, ſondern befahl noch ferner den ganzen handel Johann von Naſſau, biſchof zu Mainz, daß er die bänn, ſo über die von Worms vormals er⸗ gangen, ausführen und vollbringen ſolle. Es ſuchten die von Worms abermals hülf bei könig Ruprechten, vermeinten auch, er würde ſoviel bei den geiſtlichen erhalten, daß ſie abthäten, was ſie wider Worms gethan hatten. als er aber wußt, daß ſie die von Worms auch zu Rom in bann bracht und alle ſach hieaußen nach ihrem gefallen beſtellt und die Wormſer wohl hintergangen hatten, da ſagt könig Ruprecht aller erſt, daß es ihm nit gebühren wollte, ſich der ſachen anzu⸗ nehmen. biſchof Johann von Mainz, ob er ſchon vom pabſt mandata empfangen hatte, die Wormſer auch zu bannen, eilet er doch damit nit, ſondern hielt eine gute zeit in. ſolches als die geiſtlichen vermerkten, hielten ſie bei ihm mit ganzem ernſt an, daß er ſeinem empfangenen befehl vom pabſt wollte nachſetzen; darauf er geantwortet, was ihm der pabſt befohlen habe, das wollt er gern verrichten, doch ließ er ſie bitten, ſie wollten ihm bewilligen, die von Worms erſuchen zu laſſen, ob er die ſach gütlich möchte richten und ſchlichten. Damit waren die geiſtlichen zunächſt zufrieden. Aber wie frühere Ver⸗ handlungen zu Bingen und Eltville nicht zum Ziel geführt, weil die geiſtlichen merkten, daß Biſchof Johann von Mainz der Stadt Worms ſich annahm, damit ſie nicht der Pfalz zufalle, ſo vermochte Biſchof Johann erſt nach Abhaltung mehrerer Tage, zu Dieburg und Weinheim, den Frieden zwiſchen der Stadt und ihrer Geiſtlichkeit zu vermitteln.Die von Worms hielten mit ernſt bei biſchof Johannen von Mainz an, dieweil die ſach an ihn geſtellt, und er ſich der ſachen unternommen, wären ſie