Die Wormſer im Bann 1404— 1407. 15
geben und nehmen vor dem heiligen vater, dem papſt, oder ſonſt an allen den enden, da ſie es billig thun ſollten; ſie wollten auch bei ihren burgern und allen Zünften beſtellen, daß ſie oder die ihrigen niemand beleidigen ſollen, weder mit worten oder werken; aber ſie gaben auf ſolches freundliches erbieten der ſtadt gar nichts, ſondern beharreten in ihrem fürnehmen und brachten bei könig Ruprechten brief und mandata aus, darinnen er der ſtadt heftig gebot, daß ſie bei ſeiner und des reichs hulden und verluſt aller ihrer freiheit und rechten die geiſtlichen keineswegs in ihren freiheiten ſollten hindern. hierauf ſtellten ſie das recht zu beiden theilen an könig Ruprechten, derowegen er denn auch von beiden theilen anſpruch und verantwortuͤng in ſchriften nahm, ließ auch alle freiheiten beider theile ex originali abcopieren, dadurch dann die ſach in die vier monat aufgeſchoben und verhindert worden. der zeit war biſchof Eckhard von Derſch, ein achtzigjähriger mann und derowegen etwas kindiſch, und wiewohl er ſich anfänglich hat merken laſſen, er wolle mit der ſache nichts zu ſchaffen haben, wie denn auch ſein nie, bis man die burgerſchaft in bann that, gedacht worden: jedoch dieweil ihm die domherren für und für zu Ladenberg in ohren lagen, brachten ſie ihres gefallens an alle pfarrherr im ganzen bisthum einen brief aus, durch welchen die Wormſer ganz und gar excomuniciert worden. es ſupplicieren die Wormſer an könig Ruprechten, er wölle den bann abſchaffen, bis die ſach vertragen wäre.— wiewohl er ihnen aber gute vertröſtung gab, ward doch bei ihm wenig hülf gefunden, denn er die von Worms alſo hoch verbannt achtet, daß er auch ihre legaten keineswegs für ſich ließ kommen. hierzwiſchen als noch die ſach alſo ſchwebt, blieben außerhalb der canonicorum viel geiſtliche zu Worms, aßen und tranken mit den burgern, bekannten frei öffentlich, nit allein ſie, ſondern auch andere gelehrte mehr hie und anderswo, daß die Wormſer nit mit recht gebannt wären. als ſolches die ausgezogene gewahr worden, brachten ſie ſo viel zu weg bei ihnen, daß ſie auch auf Scholaſtica anni 1405 auszogen und bis auf Jacobi 1407 außerhalb der ſtadt verharreten und vermeinten, hiedurch die burgerſchaft dem rath feindſelig zu machen, dieweil durch dieſen auszug den handwerkern an ihrem täglichen gewinn nit ein geringes abging, vermeinten derowegen, dieweil ſie der geiſtlichen ſchwerlich entbehren könnten, es würde rath und gemein deſto eher ihren willen thun und folgen; aber unangeſehen den ſchaden, den eine burgerſchaft hierüber litt, vergaß ſie doch ihres eids und pflicht nit, damit ſie einem rath zugethan, ließen ſich auch kein geſchrei von den mönchen irre machen, welche in ihren ohrenbeichten den rath bei der burgerſchaft heftig verunglimpft. da nun alle geiſtliche bis auf die vier pfarrherrn aus⸗ gezogen, hielt man kein geſang in keiner kirchen, ſondern verkündigte ihre bannbrief; das ließ ſich der rath und gemein nit irren. als ſie aber in ihren öffentlichen predigten dahin geriethen, daß ſie den rath ſchmählich antaſteten und die gemein an ihn zu hetzen ſich unterſtunden, auch ſonſt viel unziemlicher reden auf der kanzel gebrauchten, die nirgends zu, als zu einer aufruhr dieneten, als das ſie faſt in allen predigten fürbrachten, daß der rath dem römiſchen könig um 100 pfund löthigs golds verfallen wär, und daß die gemein thörlich thäte, daß ſie dem rath ſo viel glauben gäb, hat ſie der rath von ſolchen ungereimten reden abzuſtehen freundlich gebeten. als aber ſolches nichts bei ihnen wollte verfangen, hat ſie ein rath zuletzt auch heißen ausziehen, allermeiſt darum, daß ihnen von der burgerſchaft kein ſchmach widerführe und alſo der ſtadt nit zum unglimpf würde. hierauf als nun auch die vier pfarrherrn ausgezogen waren, beſtellt der rath vier fremde prieſter, die verrichteten alle gottesrecht mit ſingen und leſen; dazu dann die burger und ihre kinder halfen, ſo viel ſie konnten. aus den drei bettelorden, obwohl aus mangel der proviant viel perſonen aus⸗ gezogen, ſo blieb doch der Convent und ſangen meß mit beſchloſſenen thüren auch zu oſtern, weih⸗ nachten, pfingſten und aſſumptionis Mariä.— die Carmeliter waren gleich anfänglich ausgezogen und ließen das kloſter leer ſtehen, dieweil ſie macht haben, im dom zu predigen vor anderen orden.—


