14 Vertragswidriges Streben der Geiſtlichkeit nach völliger Steuerfreiheit.
geſuchten Stadt keinerlei Abgaben zahlen. Die Stadt gerieth nun in einen Conflict mit der Geiſtlichkeit und dem Biſchof, der für die Freiheit der Stadt Worms verhängnißvoll geworden wäre, wenn es dem Kaiſer Ruprecht, der Worms gern zur Hauptſtadt ſeiner pfälziſchen Lande gemacht hätte und nun in die Wormſer Irrungen eigennützig eingriff, gelungen wäre, von dem altersſchwachen Biſchof Eckhard die Rechte, welche derſelbe zu Worms hatte, gegen Anweiſung einer jährlichen Rente auf die Zölle zu Mannheim und Schriesheim einzutauſchen. Als nach Eckhards Tode deſſen gelehrter Nachfolger Matthäus von Krakau durch Aufhetzung der Zünfte den Rath in Sachen des Weinſchanks und der Beſteuerung der Geſſttlichkeit zu beſiegen hoffte, ſchrieben die Zünfte in einem ſtolzen Briefe an Herrn Matthäus:„Was unſere Herren, der Rath, bisher in dieſen Sachen gethan hant oder noch thun, da wollen wir feſtiglich und ungezweit bei bleiben“. Und ſie riethen dem Biſchof, die Pfaffheit anzuweiſen,„daß ſie Weinſchenkens und anderer ſolcher Sachen, die Prieſtern doch nicht zugehören, gut ſein ließen“. Der Streit wurde beſchloſſen durch die ſog. Pfaffenrachtung vom Jahre 1407, die wiederum für die Stadt ſo ungünſtig war, daß ſich ſpäter die Kaiſer Friedrich III. und Maximilian veranlaßt ſahen, die älteren Privilegien der Stadt zu erneuern und dieſelbe als Reichsſtadt zu erhalten, während Mainz ſeine Freiheit vollſtändig an den Biſchof verlor.
Die Wormſer Chronik erzählt dieſe T Vorgündge und die Geſchichte der Stadt im 15. Jahrhundert und zu Anfang des ſechzehnten, namentlich die Verwickelungen, die der Einführung der Reformation vorangehen, mit größerer Ausführlichkeit. Ueber die Bewegungen, die zur ſog. Pfaffenrachtung des Jahres 1407 führten, ſchreibt Flersheim.„Als biſchof Eckhards regiment faſt zum end eilet, hat ſich abermal des weinſchanks und anderer beſchwerung halben zwiſchen der geiſtlichkeit und burgerſchaft großer unwill zugetragen, derowegen alle ſtift ſich innerhalb der ringmauern mit einem aufgereckten eid zuſammen verpflichtet, bei einander bis zu austrag der ſachen ſteif und feſt zu halten, den krieg nit fallen zu laſſen bis zu end des ganzen handels, als ſie auch thaten; wählten aus ihrem mittel dreizehn, hinter dieſelben gelobten ſie, was dieſe 13 im krieg von anfang bis zu end thäten, das ſollt den andern wohl und wehe thun. Neuhauſen, der ſtift, hat ſich in dieſe bündnis nit wollen begeben, dieweil, als ſie vor 20 jahren von wegen der bach Pfrimmen, welche ihnen die ſtadt abgegraben hatte, mit ihr in unwillen ſtunden und von den bürgern in Worms heftig beſchädigt wurden, ſie auf ihre eignen koſten, ohn der andern hülf, mit Worms hätten müſſen kriegen und handeln. über das ſo beſorgten ſie auch, wo ſie in dieſem geiſtlichen krieg den andern ſtiften beiſtünden, es möcht ihnen wiederum wie vormals ergehen, ſchickten derhalben Helmannen Wonnenberger dechant und Johann Wachenheimen ſcholaſten, welche dem rath ihr gemüth zu erkennen geben, daß ſie mit dieſem krieg nichts wollten zu ſchaffen haben, wie ſie denn daſſelbig gleicher maßen auch zuvor den andern fünf ſtiften in der ſtadt zu verſtehen geben hatten. Als ſie ſich der ſachen alſo verglichen, wußten ſie kein beſſern rath zu finden, denn ſo ſich aus der ſtadt begeben. hierauf auf pfingſten anno 1404 haben ſich des mehrertheils Canonici gen Ladenberg*) begeben. ſolches als ein rath. gewahr war worden, hat er an die ganz cleriſei, ſo im dom verſammelt, geſchickt, ihnen laſſen anzeigen, wie ſie von ihrem fürnehmen vernommen; hierauf ließen ſie ſie bitten, ſie wollten ruhig ſitzen bleiben, ihres gottesdienſtes auswarten, damit nit von ihnen etwan ein ſolch geſchrei ausgieng, welches beiden theilen möchte nachtheilig ſein; wo ſie etwas an gemeine ſtadt zu fordern oder hier⸗ gegen die ſtadt an die geiſtlichkeit, das wollten und ſollten ſie mit einem freundlichen gleichen rechten mit ihnen austragen; und im fall die ſach nicht gütlich möchte gerichtet werden, ſo wollten ſie recht
*) Ladenburg.


