Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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Verfolgung der vertragsbrüchigen Geiſtlichkeit und die fünfte Rachtung 13841386. 1396. 13

Getreuen. So wahrte er der Stadt die Reichsunmittelbarkeit, und dann erſt beſtätigte er, am 27. Februar 1366, die von Pfalzgraf Ruprecht vermittelte Rachtung.*) Bald verbündete ſich der Pfalzgraf mit der Stadt.

Auch von den Greueln erzählt Zorn, die in den Jahren 13841386 begangen wurden, als der Wormſer Klerus, der nach der oben gedachten Rachtung vom J. 1366 der Beſteuerung des von ihm gekauften oder verkauften Weins unterworfen war, in niderrechtlicher Weiſe ſich weigerte, das nach kaiſerlichem Privileg von der Stadt zum Zweck der dringend nothwendigen Vermehrung der Einnahmen eingeführte kleinere Weinmaß(das ſog. Spitzmaß), wie alle andren Einwohner der Stadt, zu gebrauchen. Biſchof und Klerus veranlaßten zwar im Gegenſatz zur Rachtung des Jahres 1366 ein Edict des Kaiſers Wenzel vom 16. December 1384, wonach durch das von ihm der Stadt gewährte Privilegium der Einführung des kleineren Weinmaßes die Geiſtlichkeit nicht gehindert werden ſolle, das frühere größere Maß auch weiter zu gebrauchen: allein der Rath widerſetzte ſich, indem er den Laien verbot, von der Geiſtlichkeit Wein zu kaufen oder denſelben beim Herbſten, Keltern und Einführen der Weine behülflich zu ſein. Es folgten Confiscationen der Weine der Geiſtlichen, Mißhandlungen der Käufer und der Dienſtleute der Geiſtlichkeit.Anno 1385 haben die burger von Worms ſo erzählt die erweiterte Zorn'ſche Chronikder pfaffheit viel ihrer privilegien, ſo ſie ihnen fälſchlich angeheimſt, entzogen, auch den pfaffen den überbau an ihren häuſern und höfen verboten, derohalben ſich die pfaffen aus Worms eine zeit lang nach Neuhauſen begeben. Anno 1386 hat die pfaffheit die burgerſchaft für das kaiſerlich gericht eitirt von wegen gepflegter neuerung; aber ſie ſind nit erſchienen, der⸗ halben kaiſer Wenceslaus durch ſeinen hofrichter Prezemisla, herzog zu Teſchen in beheim, ſie montag für unſer frauen lichtmeß in die acht gethan und um 1000 mark golds geſtraft. deren urſach ſind die burger den 1. martii donnerſtags vor esto mihi mit aufgerichtem Fähnlein in Neu⸗ hauſen gefallen, die kirch eingeriſſen und geſchleift, alle häuſer verbrannt, kirchenornat geplündert, die ſteinbrück über dem fluß Pfrimme eingeworfen und, wie es der zeit geſchätzt worden, wohl in die 30000 gulden ſchaden gethan, die pfaffen über den altar geſchlagen, verwundet, gefänglich eingezogen, ſoviel ſie der ankommen, darzu dann ihnen die von Mainz behülflich waren. derwegen in der ſtadt interdict gehalten und die burgerſchaft vom pabſt Urbano II. excommunicirt worden. letztlich iſt die ſach durch pfalzgraf Ruprechten, herzogen aus Bayern, und graf Henrichen von Spanheim vertragen worden anno 1386 in festo nativitatis Johannis baptistae folgender weis: item ſollen die pfaffen mit alter maß weins zu ſchenken, ſo von ihren beneficiis und pfründen oder väterlichen gütern jährlich fallen, 7 wochen lang macht haben, anzufangen zu oſtern, hernachmals aber mit der ſpitzmaß, darvon ſie gleich andern burgern ſollen ungelt geben. hiergegen ſollen die pfaffen dran ſein, daß die burger und die gemeine ſtadt aus kaiſerlicher acht und päpſtlichem bann abſolvirt werden.(Erweiterte Zorn'ſche Chron., Arnolds Ausg. S. 149, 150.) Dieſer Vertrag über den Weinſchank, nach Zorn die fünfte Rachtung, ſollte unbeſchadet aller früheren beiderſeitigen Rechte für ſechs Jahre Geltung haben.**)

Die Rachtung von 1386, die für ſechs Jahre vereinbart war, beſtand bis Johannistag 1393. Dann erſtrebten die Geiſtlichen völlige Steuerfreiheit; aber nochmals kam im Jahre 1396 für die nächſten ſechs Jahre eine weitere Vereinbarung, ähnlich der früheren, zu Stande und zwar auf Bitten der Stadt, um ihreine Gnade zu erweiſen. Nach Ablauf dieſer Zeit wollte die Geiſtlichkeit der durch die Landfriedensbündniſſe in ihren Finanzen ſchwer heim⸗

*) Schannat, hist. episc. Worm. II. 185. Arnold, Verf.⸗Geſch. d. deutſch. Reichsſtädte, B. 2, 322 331. **) Schannat, hist. episc. Worm. II. 196, 197, 199 203.