Treue gegen Konrad IV. 1252— 1253. Rheiniſcher Städtebund 1254. Zweite Rachtung 1283, 1293. 9
zu wenden wären, ward er alſo hart über ſie ergrimmt mit aller ungnaden, und erlaubt aller⸗ männiglichen, die von Worms zu beſchädigen, zu bedringen an leib und ihren gütern, und überzog ſie mit raub, brand und anderen ſchweren kriegsgeſchäften und aller ungnad. in dieſer zeit mocht oder konnt nit ein einiger burger vor die ſtadt ſicher kommen; und erlitten großen ſchaden. doch wie hart ſie benöthigt und beſchädigt waren, dennoch vermochte niemands, daß ſie von kaiſer Friedrichen ihrem herren wichen ſoviel als umb ein bohn“.„In dem jahr 1235 erhub ſich kaiſer Friedrich und zog in Deutſchland gegen ſeinen ſohn Heinrichen und ſeine rathgeber, und kam erſt⸗ mals gen Worms auf dem Rhein anno 1235 auf St. Ulrichstag, mit großen freuden der bürger zu Worms; denn da waren ſie von ihren feinden erlöſet“.(Vgl. Arnolds Ausgabe, S. 75, 76.)
Mit gleicher Wärme erzählt Zorn, wie die Wormſer, im Gegenſatz zu ihren Biſchöfen Landolph von Hoheneck und Richard von Daun, dem hohenſtaufen ſchen Kaiſerhauſe faſt bis zu deſſen Untergang treu blieben. Die Wormſer halten zu Konrad IV., nachdem vornehmlich geiſtliche Fürſten 1247 den Grafen Wilhelm von Holland demſelben als Gegenkönig entgegengeſtellt, und ertragen zwei Jahre lang(1252—1253) das von Biſchof Richard von Daun über die Stadt ver⸗ hängte Interdict. Mit beſonderer Freude berichtet auch Zorn, wie nach dem Vorgange der Städte Mainz und Worms in der kaiſerloſen Zeit der große rheiniſche Städtebund gegründet wurde. Ueber die Stiftung dieſes Bundes ſchreibt derſelbe:„Desmals(1254) ſtunds in teutſchem land und fürnehmlich am Rhein alſo, daß wer der ſtärkſt war, der ſchub den andern in ſack, wie er kunnt und möcht. Die reuter und edelknecht nähreten ſich aus dem ſtegreif, mordeten, wen ſie konnten, verlegten und verſperrten die päß und ſtraßen und ſtellten denen, ſo ihres gewerbes halben über land ziehen mußten, wunderbarlich nach. Darneben hatten etliche herrſchaften neue zöll am Rhein aufgericht; auch war das arm volk mit übermäßigen unbilligen ſchatzungen hoch beladen, beſchwert und bedrängt. derhalben weil ſie ſonſt keiner hülf oder troſts gewärtig, verbanden ſich mit einander, nach deren von Worms[Mainz und Oppenheim] exempel, faſt in die ſechzig ſtädt am Rhein gelegen, daß je eine der andern in nöthen beiſtand thun ſollte. Ward alſo durch deren von Worms löblich exempel wiederumb fried und ehrbarkeit ziemlicher maßen gepflanzt. Actum anno 1254 uf Margrethä“.(Zorn, in der Orig.⸗Handſchr. S. 87, 88.)
In den Städten Straßburg, Mainz und Speier war die Beſtimmung getroffen— in Straßburg ſeit 1220, in Mainz ſeit 1244— daß die Biſchöfe vor der Huldigung der Städte die Freiheiten und Rechte derſelben anerkennen mußten. Um nun auch die Rechte der Stadt Worms gegen zukünftige Vergewaltigungen ihrer Biſchöfe ſicher zu ſtellen, ſchwuren ſich im Jahre 1283 die patriciſchen Mitglieder des Rathes einen Eid, daß ſie ihren jeweiligen Biſchof nöthigen wollten, vor der Huldigung die Beobachtung der Rachtung vom Jahr 1233 zu verſprechen, und ſie formulirten die von dem Biſchof zu fordernden Verſprechungen in fünf Artikeln,*) die im Jahre 1283 der Biſchof Simon von Schöneck ohne Weiteres annahm,**) und die auch von dem Biſchof Eberhard von Strahlenberg nach anderthalbjährigem Kampfe mit der Stadt beſtätigt werden mußten. Dieſe Vereinbarung nennt die erweiterte Zorn'ſche Chronik die zweite Rachtung: „Die„ander“ Rachtung iſt durch bewegung weiland biſchof Eberhards auch in gewaltiger weis beſchehen, der über die vorberührten einträg biſchof Landolfs und Heinrichs ſich in der ſtadt regiment gedrungen hatt, actum 1293„.(Arnolds Ausg. S. 263 gibt hier einen falſchen Text.) Die Einzelheiten der Kämpfe, die zu dieſer Rachtung führten, ſind nicht bekannt, weil Zorns Chronik darüber ſchweigt.
*) Original auf Pergament in lateiniſcher Sprache im Wormſ. Archiv. **) Original in deutſcher Sprache beſindet ſich im Wormſ. Archiv. Vgl. Arnold, Verf.⸗Geſch. der deutſchen Freiſtädte, B. II. S. 110—118.
2 —


