Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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6 Kampf der Stadt gegen Biſchof Heinrich II. und das Edict von Ravenna.

gen Ravennam kommen, hat er den Wormſern mit klagen alles leid angethan und ſie gewaltig in die eiſen gehauen, fürnehmlich hat er ſich beklagt des köſtlichen baus, welchen die Wormſer ihm zum hohn, ſpott, trutz und allerlei beläſtigung gebaut hätten, und hat die ſach alſo ſchein⸗ barlich und gewaltig durch hilf vieler mitbiſchofen fürbracht, daß er privilegien von kaiſerlicher Majeſtät ausbracht[Mai 1232], daß das haus mit grund und boden und aller ſeiner gerechtigkeit ſein und ſeiner nachkommen am bisthum ſein ſoll. Als ſolches die vom rath und von der burger⸗ ſchaft vermerkt und geſehen, ſo ſolches haus in eine andre, denn des raths hand, ſollte kommen, daß entweder der biſchof oder ſonſt jemand, der ſein mächtig würde, eine gewaltige feſtung draus machen könnte und die ſtadt hierdurch ſeines gefallens zwingen und bändig machen, haben ſie ein⸗ hellig beſchloßen, das haus in bodem hinweg zu reißen. haben derowegen daſſelbig auf dominica jubilate[2. Mai] um die 3 Uhrn angeſteckt und mit großem ſchaden in grund hinweggebrannt im Jahr 1232. dadurch iſt der biſchof noch mehr zum zorn bewegt und erbittert worden. Zorn ſelbſt ſchreibt:hat mit etlichen andern biſchofen Teutſchlands ein gemeinen Brief) erlangt, nit [deutlich und fürnehmlich auf Worms beſtimmt, in welchen ihnen zugelaſſen, dieweil ſie ſich beklagt, daß in den ſtädten die biſchof nit hoch geachtet würden von den bürgern, daß die macht, der rath**) und zünft ihnen pfändlich ſein ſollte.(Arnolds Ausgabe der Zornſchen Chronik, S. 62 u. 64.)

Die Wormſer hatten ſich ſo dem Edict von Ravenna widerſetzt, und ſchon am 17. März 1232 ſicherte des Kaiſers Sohn, der mit der Regierung in Deutſchland betraute Heinrich, vielleicht mit des Kaiſers Vorwiſſen, der Stadt den Schutz ihrer alten, kurz zuvor aufgehobenen Privilegien wieder zu, salva tamen libertate ecclesiae. Jedoch öffentlich wurde die Acht über die wider⸗ ſpenſtige Stadt ausgeſprochen, wie auch dem Biſchof geſtattet worden war, den ſtattlichen Bürgerhof in der Hagengaſſe niederzureißen: aber die Bürger hatten denſelben bereits niedergebrannt, als Biſchof Heinrich II. mit ſeinen Vollmachten vom Hofe des Kaiſers aus Italien nach Deutſchland zurückkehrte. Die erweiterte Zorn'ſche Chronik erzählt:Als nun der obgenannte biſchof von Ravenna wieder anheimiſch kommen, hat er ſich, den rath allhie zu ſetzen und zu ordnen, ſeines gefallens alsbald unterſtanden, und zum erſten in kraft des vermeinten briefs,(welchen, als er wieder vom reichstag aus Welſchland heim kommen, er einem rath von Worms durch den ſchultheißen von Lautern inſinuieren laßen) begehrt, ſeinem fürnehmen alſo zu willfahren. Demnach aber des kaiſers Friderici II. gemüth nie geweſen, daß einiger biſchof den rath zu ſetzen oder zu ordnen macht haben, oder etwas mit der ſtadt geſchäften zu thun haben, und alſo das regiment an ſich ziehen ſollte(wie dann hochgedachter kaiſer Friedrich im zweiten jahr darnach zu Worms ſolches ganz und gar retractiert und nit geſtatten wöllen), hat die ſtadt Worms des biſchofs begehr nit geachtet, ſondern mit onerſchrockenem gemüth ſich ihm entgegengeſetzt und ihm ganz und gar kein Gehorſam leiſten wöllen. Da legt der biſchof bann in die ſtadt und verkündt alle Bürger in die geiſtliche acht, da aber der biſchof vermerkt, daß er damit auch nichts hat nit mögen ſchaffen, da gebeut er aller pfaffheit, aus der ſtadt zu ziehen, alſo daß keiner darin bleib, ausgeſcheiden allein die pfarrherrn. Die wurden dann angericht, daß ſie keinem kranken die ſacrament reichten, er verſichert ſie denn, wie er wieder zur Geſundheit käme, daß er des biſchofs partei ſein und ſeinen willen thun wollt und gehorſam ſein in allen ſachen; ſie ließen ſonſten keinen todten leichnam begraben. und dieſe be⸗ ichwerung ermehret ſich und währt ein jahr. Da waren etliche bürger, die münzer, ſo ohne das

*) Das Edict von Ravenna vom Jan. 1232, zwar in allgemeiner Faſſung, jedoch insbeſondere auf Köln und Worms gemünzt. Vgl. Arnold, Verf.⸗Geſch., B. 2, S. 14, 15.

**) Arnold lieſt:die macht des rathſeß und zünften; Zorns Autographon gibt obigen Text. (Vgl. S. 54.)

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