Aufsatz 
Das Lyceum Carolinum : ein Beitrag zur Geschichte des Bildungswesens im Großherzogtum Frankfurt / Otto Liermann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

1

59

Auch die Schlacht bei Hanau war inzwischen geschlagen, Wredes Sieg hatte Napoleon den Rückzug nach dem Rhein nicht mehr verlegen können.

»Am 31. Oktober, als auf einmal die französiche Armee vor Frankfurt erschien, erzählt Matthiae,¹)war uns nicht wohl zu Mute. Bei mir im Gymnasium praesentierten sich Nachmittags zwei Offiziere zu Pferde, Adjutanten des Generals Excelmans, und blieben samt ihren Pferden, die ich in meiner Küche unter- brachte, bis den folgenden Morgen bei mir. Ihnen habe ich es wahrscheinlich zu verdanken, daß ich nicht wie die andern ge- plündert worden bin. Nur vier Grenadiere von der alten Garde hatte ich die Ehre zu bewirten. Den folgenden Tag ver- ordnete der Kaiser Napoleon, daß von der Arrièregarde nie- mand in die Stadt gelassen würde, zu welchem Ende Gen- darmerie an die Tore gestellt wurde. Alles mußte um die Stadt herum. Die so schönen Umgebungen sind jämmerlich zugerichtet. Seitdem haben wir entsetzlich viel Einquartierung an 30 000 Mann Österreicher, Russen und Preußen.

Am 2. November, an dem für die Lyceisten das neue Semester beginnen sollte, hatten die Verbündeten Frankfurt besetzt, am 5. November war Kaiser Alexander J. von Rußland, am 6. November Kaiser Franz I. von õésterreich, am 13. No- vember König Friedrich Wilhelm III. von Preußen in der alten Kaiserstadt erschienen.

Am gleichen Tage fand die Inskription der Lyceisten des neuen Jahrganges statt.

Die älteren Lyceisten hatten sich den Umschwung der politischen Verhältnisse zunutze gemacht, hatten meist eigen- mächtig auf den Besuch des zweiten Kursus verzichtet, waren auf deutsche Universitäten gegangen oder hatten sich als Frei- willige in das Heer der Verbündeten einreihen lassen.

Unter diesen Umständen mußte, da nur ein einziger älterer Lyceist übriggeblieben war, der zweite Kursus aus- gesetzt werden.

Die Vorlesungen des ersten Kursus wurden am 15. November 1813 begonnen; im März 1814 waren noch sieben Lyceisten vor- handen, denen sieben Professoren zur Verfügung standen. Die

¹) Brief vom 26. November 1813, a. a. O. S. 131.