Aufsatz 
Das Lyceum Carolinum : ein Beitrag zur Geschichte des Bildungswesens im Großherzogtum Frankfurt / Otto Liermann
Entstehung
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Mit Genugtuung sprach man von der Hochschätzung, die Frankfurts Stolz, Goethe. für Dalberg empfand. Man wußte die Huldigung zu würdigen, die der Primas dem Genius loci, Goethe, darbrachte, als er Anfang April 1808Frau Rat und ihrem Enkel August, in seiner Residenz, dem einst Thurn- und Taxischen Palais, in der Eschenheimer Gasse eine glänzende Festlichkeit gab. ¹)

Bei seinem Bestreben, das Leben der Frankfurter Bürger dadurch lebenswerter zu machen, daß er weiten Kreisen der Bevölkerung an den des Menschen Dasein verklärenden Ge- nüssen der Wissenschaft und Kunst Anteil gewährte, ²) gingen seine Ziele dahin, der süddeutschen Handelsmetropole durch Ausge- staltung der in ihr vorhandenen Bildungsinstitute die Bedeutung eines wissenschaftlichen und künstlerischen Anziehungspunktes zu verschaffen. In dieser Richtung bewegen sich die reformato- rischen Gedanken, mit denen er sich in bezug auf die Verbesserung und organische Erweiterung des reichsstädtischen Gymnasiums sowie auf die Begründung hochschulartiger Einrichtungen ²) trug. ²) Bettina von Arnim, Goethes Briefwechsel mit einem Kinde. Hrg. von Jonas Fränkel, Bd. I, Jena 1906, S. 147, Brief Bettinas an Goethe; S. 148, Brief Bettinas an Frau von Goethe(7. April 1808):.... Das hest, welches der Fürst Primas der Großmutter und dem Enkel gab, beweist recht, wie er den Sohn ehrt. Ich will indessen der Frau Rat nicht vorgreifen, die es Ihnen mit den schönsten Farben ausmalen wird. August schwärmt in der ganzen Gegend umher; überall sind Jugend- freunde seines Vaters, die von den Höhen da und dort hindeuten und er- zühlen, welche glücklichen Stunden sie mit ihm an so schönen Orten ver- lebten..... S. 158, Goethe an Bettina(7. Juni 1808):Möchtest Du doch gelegentlich meinen Dank, meine Verehrung unserem vortreff- lichen Fürsten Primas ausdrücken, daß er meinen Sohn so über alle Erwartung geehrt und der braven Großmutter ein so einziges Fest ge- geben. Ich sollte wohl selbst dafür danken, aber ich bin überzeugt, Du wirst das, was ich zu sagen habe, viel artiger und anmutiger, wenn auch nicht herzlicher vortragen. Auf das Fest kommt auch Frau Rat in ihrem Be- richt über des Enkels Frankfurter Aufenthalt zu sprechen, Brief vom 22. April 1808(Kösters Ausgabe, Bd. 2, S. 179).

²) Von Dalbergs Art, schöngeistige Interessen in Frankfurt zu pflegen, ist auch in der ZeitschriftFrankfurter Telegraph, 1837, erstes Quartal, Nr. 1 die Rede.

²) R. Jung, Frankfurter Hochschulpläne 1384 1866, Archiv für Frank- kurts Geschichte und Kunst. Dritte Folge. Bd. IX, bes. S. 57 ff. Frank- furt a. M. 1907.