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schaft ist ein zur Zeit der Vorherrschaft der selbstzufriedenen reichsstädtischen Plutokratie kaum denkbarer Aufschwung des künstlerischen und geistigen Lebens ¹) zurückzuführen. Nun- mehr gewinnt die Frankfurter Bürgerschaft in weiteren Kreisen das Augenmaß für eine würdige Einschätzung des Wertes der Bildung und ihrer Träger, sie nimmt zustimmend oder ablehnend ernsthaften Anteil an der Reform des höheren Schulwesens, die das neue Regime in die Wege zu leiten für notwendig erachtete.
Zu Anfang des Jahres 1806 hatte sich ein Schüler Salz- manns, Carl Ritter, damals noch Hauslehrer in einer Frankfurter Patrizierfamilie, später an der in Segensjahren des preußischen Unglücks errichteten Berliner UIniversität Begründer der anthropogeographischen Auffassung der Erd- kunde, über die Frankfurter Denkart, die bald darauf Dalbergs feinsinniges Wesen nachhaltig zu beeinflussen begann, in einem Briefe*) dahin geäußert:„Das Gefühl der Bürgerfreiheit und Geldstolz, der Glaube, alle Mittel zur wahren Glückseligkeit in den Händen zu haben, hatte den Frankfurtern einen außer- ordentlichen Ubermut eingeflößt. Sie waren die ersten, ihre Macht die einzige; das Reich des Guten, des Wahren wurde nicht anerkannt, sondern nur das Nützliche, das Scheinbare berücksichtigt. Solange ich hier bin, Stand ich in beständigem Kampfe gegen diese Richtung... Seitdem Napoleon in Deutschland ist, ist es ganz anders!... Seit der Schlacht bei Ulm heißt es: jetzt muß man seinen Kopf bilden. Das ist das einzige, was bleibt; was man da hat, kann einem nicht genommen werden.“
Dalberg leistete der von Napoleon nicht in Rechnung ge- stellten Sinnesänderung der Untertanen der Frankfurter Filiale Frankreichs Vorschub. Schon 1807 hatte er die Anregung
¹) Darmstaedter, a. a. 0. S§. 355 fl.— H. Weizsäcker, Kunst und Künstler in Frankfurt a. M., Bd. I S. 5 ff., Frankfurt a. M. 1908.— Dalberg hatte 1806 in Regensburg eine Broschüre:„De l'Influence des Beaux-Arts sur la Félicité Publique“ anonym veröffentlicht.
²) G. Kramer, Carl Ritter. Ein Lebensbild nach seinem handschriftlichen Nachlaß. Bd. I, S. 96 ff. Halle 1875.— Uber Ritters Beziehungen zu Frank- furt a. M. und dem Frankfurter Gymnasium habe ich in der Festschrift zur Einweihnng des Goethe-Gymnasiums 1897, S. 47— 58. berichtet.


